Achern / Oberkirch

Hohe Haftstrafen für Tankstellenräuber

Autor: 
Claus Donath
Lesezeit 4 Minuten
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11. November 2002
Mit hohen Haftstrafen endete für zwei junge Franzosen eine Drogenbeschaffungsfahrt von ihrer Heimat Montbéliard in Südostfrankreich nach Deutschland. Nach zwei für alle Beteiligten strapaziösen Verhandlungstagen verkündete gestern der Strafkammer-Vorsitzende beim Landgericht Baden-Baden, Hans-Richard Neerforth, das Urteil: Fünf Jahre Freiheitsstrafe für den 27-jährigen und vier Jahre und sechs Monate für den 32-jährigen Angeklagten, beides Söhne nordafrikanischer Eltern.
Achern/Baden-Baden. Ziel der Fahrt war eine Bühler Diskothek gewesen, die den beiden langjährigen Drogenkonsumenten als Beschaffungsquelle von früheren Aufenthalten bekannt war. Doch die Diskothek war an jenem 28. Februar diesen Jahres geschlossen. Also beschlossen die beiden, nach den Niederlanden weiter zu fahren. Zuvor wollten sie jedoch Tanken. An der Tankstelle der Euro-Raststelle Achern fassten sie den Entschluss, sich das Geld für den Drogenkauf durch einen Überfall zu beschaffen. Während der Ältere im Auto wartete, bedrohte der Jüngere die beiden im Tank-Shop beschäftigten Frauen mit einer abgesägten Schrotflinte, die er im Rucksack präsentierte, und ließ sich den Kasseninhalt, rund 475 Euro, aushändigen. Auf der Weiterfahrt gen Norden wurden die beiden schließlich in der Nähe von Düsseldorf festgenommen, wo sie an einer Raststelle verbotswidrig geparkt hatten. Bei der ersten Vernehmung hatte der Jüngere einen Kreislaufkollaps erlitten, weshalb er mit dem Hubschrauber in ein Krankenhaus gebracht wurde. Dort war er schon nach einem Tag aus dem Fenster gesprungen und mit einem Taxi bis nach Bühl geflohen. Dort hatte sich der Mittellose aus dem Staub gemacht, konnte aber durch die präzise Personenbeschreibung des Taxifahrers kurz darauf erneut festgenommen werden. Überfall unter Drogen Die Fahrt hatte bereits in Montbéliard mit einer schweren Straftat begonnen. Beide Täter hatten einen 21-jährigen Bauarbeiter an einer Waschanlage mit vorgehaltener Waffe gezwungen, seinen Kleinwagen herauszugeben, den die Täter für ihre Spritztour benutzten. Bei dieser Tat wie auch bei dem Überfall in Achern standen beide unter Drogen- und Alkoholeinwirkung. Vor der Strafkammer räumten beide Täter die Überfälle nach anfänglich widersprüchlichen Aussagen schließlich unumwunden ein und entschuldigten sich bei den Opfern. Die Strafkammer bewertete beide Taten als gemeinschaftlichen schweren Raub in Tateinheit mit schwerer räuberischer Erpressung, stufte die Taten aber als minderschwere Fälle ein, weil die Steuerungsfähigkeit beider im ersten Fall durch Drogenkonsum erheblich eingeschränkt gewesen sei. Bei der Tat in Achern hielt das Gericht dem aktiv 27-Jährigen zugute, dass er die Waffe den beiden 20 und 22 Jahre alten Angestellten nur »diskret« gezeigt und nicht vor die Brust oder an den Kopf gehalten habe. Positiv bewertete das Gericht auch das Geständnis, die Entschuldigung und die Tatsache, dass die Angeklagten in Frankreich bereits ein weiteres Verfahren mit hoher Strafdrohung erwartet: Sie hatten wenige Tage vor der Fahrt in ihrer Heimat einen Mann mit der gleichen Waffe, einer abgesägten Schrotflinte, überfallen und ihm die Scheckkarte geraubt. Die Angeklagten gaben zu verstehen, dass sie auch wegen dieser von ihnen eingestandenen Tat lieber in Deutschland verurteilt worden wären. »Lieber vier Jahre in Deutschland, als zehn Jahre in Frankreich«, sagte einer der Angeklagten. Waffe »intim vorgeführt« Das Gericht blieb mit seiner Strafe unter den Anträgen von Staatsanwalt Johannes Huber. Beide Verteidiger, die Rechtsanwälte Hannes Linke und Armin Zielinski aus Karlsruhem hatten darauf verwiesen, dass der Überfall in Achern kein typischer Tankstellenüberfall gewesen sein, der aktiv gewordene Täter habe die Waffe vielmehr »geradezu intim« vorgeführt, ein Argument, das vom Gericht auch honoriert wurde. Ein eher kurioser Zwischenfall hatte die Verhandlung am Vormittag vorübergehend unterbrochen: Der an der Waschanlage in Montbéliard überfallene Kleinwagenbesitzer war als Zeuge in jenem Wagen angereist, der ihm damals von den Tätern weggenommen, später aber von der Polizei zurückgegeben worden war. Noch während seiner Vernehmung war das vor dem Gericht im Halteverbot abgestellte Fahrzeug abgeschleppt worden, so dass sich Gericht und Dolmetscherin um die Freigabe bemühen mussten, um ihm die Heimreise zu ermöglichen.

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