70 Jahre Marien-Kapelle in Ibach

Ibacher Bürger ließen Gotteshaus über dem Ort errichten

Autor: 
Horst Hoferer
Lesezeit 3 Minuten
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18. Juni 2019
Die Marien-Kapelle in Ibach wird am 19. Juni 70 Jahre alt, sie steht auf einem kleinen Felssporn über dem Ortszentrum.

Die Marien-Kapelle in Ibach wird am 19. Juni 70 Jahre alt, sie steht auf einem kleinen Felssporn über dem Ortszentrum. ©Horst Hoferer

Als Zeichen des Dankes und in Erinnerung an die Gefallenen beider Weltkriege wurde die Marien-Kapelle in Ibach vor 70 Jahren errichtet. Heutzutage kommt die Kapelle insbesondere bei der Bergmesse im Rahmen des Dorfbrunnenfestes zu Ehren.

Die Marien-Kapelle in Ibach wurde am 19. Juni 1949 durch Geistlichen Rat Eugen Augenstein, Dekan des Kapitels Offenburg, eingeweiht. Es war ein großer Tag für die ganze Gemeinde Ibach, aber auch für die Pfarrgemeinde Oppenau. Dem Weiheakt ging eine Prozession voraus, die bei der Pfarrkirche begann. Entlang des zweieinhalb Kilometer langen Weges waren die Häuser festlich geschmückt.

Die Ibacher Kapelle nimmt unter den sakralen Bauten in der Gesamtstadt Oppenau eine Sonderstellung ein. Sie wurde nicht von einer Kirchengemeinde errichtet, und sie ist auch keine Privatkapelle. Sie verdankt ihre Entstehung vielmehr der Bevölkerung der bis 1974 selbständigen politischen Gemeinde lbach.

Für den Bau der Kapelle waren drei Gründe maßgebend: Sie ist sichtbares Zeichen des Dankes für die Errettung der Gemeinde aus Kriegsgefahr, sie ist Gedenkstätte für die Gefallenen der beiden Weltkriege und sie erinnert an die Vermissten der beiden Kriege. Die Namen der 55 Gefallenen und Vermissten des Zweiten Weltkrieges stehen auf der rechten Seite der Kapelle. 

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Mit den Bauarbeiten wurde im November 1948 begonnen und schon sieben Monate später konnte die Kapelle geweiht werden. Den Platz für das Kirchlein stellten die Familie des Landwirts Josef Braun, Brujörg, sowie die Eheleute Ruh zur Verfügung. Das Bauholz steuerte die politische Gemeinde bei, die außerdem noch 900 Deutsche Mark nach Fertigstellung der Kapelle zuschoss. Den Rest der benötigten 14 000 DM spendeten Bürger. Das Altarbild stiftete als Eigenwerk der damalige Schulleiter Toni Bach.

Die Ibacher Kapelle, deren Grundriss etwa sieben mal vier Meter misst, ist von schlichter und klarer Schönheit. Das Kirchlein steht auf einem kleinen Felssporn über dem Ortszentrum. Man hat vom Vorplatz einen Ausblick auf die Ibacher Moos sowie ins Tal auf- und abwärts. Das Satteldach wird überragt von einem kleinen Turm mit einer Glocke. Diese wurde bereits am 3. April 1949 geweiht. Sie ruft dreimal täglich zum Angelus-Gebet und sie wird außerdem geläutet, wenn in Ibach oder Löcherberg jemand gestorben ist. Im August 1973 wurde ein elektrisches Läutwerk eingebaut. Die heilige Messe wird in der Ibacher Kapelle jedes Jahr am Titularfest (15. September) gefeiert. Außerdem ist es  Tradition geworden, dass bei der Kapelle im Rahmen des alljährlichen Dorfbrunnenfestes eine Bergmesse zelebriert wird. Das dreitägige Dorfbrunnenfest findet seit 1996 jeweils am letzten Wochenende im Juli statt. Mit ihm ist diesmal das 70-Jährige Bestehen der Kapelle verbunden. Inzwischen ist die Kapelle auch ein Ort der Adventsimpulse geworden.

Betreut wird die Kapelle seit vielen Jahren von der Nachbarin Magdalene Braun.

Hintergrund

Ibacher Lehrer Toni Bach malte das Altarbild für die Marien-Kapelle

Beim Betreten der Kapelle fällt der Blick zunächst auf den aus Granitsteinen gemauerten Altar und das Altarbild, eine Pieta (Foto). Die Schmerzhafte Mutter Gottes ist die Patronin des Kirchleins. Das Titularfest Maria Mater Dolorosa, das Gedenken an die sieben Schmerzen Mariens, wird am 15. September begangen.

Gemalt hat das Altarbild 1949 der damalige Ibacher Lehrer und Künstler Toni Bach. Er hat die Szene in der heimischen Renchtäler Schwarzwaldlandschaft angesiedelt, unterstrichen von Details wie dem Roten Fingerhut oder dem Löwenzahn. Die bewaldeten Berge gehen zum Tal hin in Wiesen und Felder über. Zu Seiten des Altarbilds befinden sich zwei kunstvoll geschnitzte Heiligenfiguren aus Holz: der Heilige Antonius und der Heilige Sebastian. Entworfen und gefertigt hat sie der Oberkircher Bildhauermeister Cyriak Huber 1949. Antonius von Padua hat die Kapelle als zweiten Patron, er war Franziskaner und Kirchenlehrer. Er wurde am 15. August 1195 in Lissabon/Portugal geboren und starb am 13. Juni 1231 in Arcella bei Padua/Italien. Nicht zuletzt wegen seiner großen Liebe zu den Armen (Antoniusbrot) ist er bis heute einer der beliebtesten Volksheiligen der Kirche. Er gilt als Fürsprecher in schwierigen Anliegen, vor allem beim Suchen von verlorenen Gegenständen. Sein Fest ist am 13. Juni. 

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