»Die Liebenden in der Untergrundbahn«

Illenau-Theater feiert weitere gelungene Premiere

Autor: 
Regina de Rossi
Lesezeit 2 Minuten
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08. Oktober 2018
Bei der Premiere von »Die Liebenden in der Untergrundbahn«: Enge in der U-Bahn mit Hubert Bader-Glaser als Zeitungsleser und Thorven Sonntag als Mitleser.

Bei der Premiere von »Die Liebenden in der Untergrundbahn«: Enge in der U-Bahn mit Hubert Bader-Glaser als Zeitungsleser und Thorven Sonntag als Mitleser. ©Regina de Rossi

Premiere für »Die Liebenden in der Untergrundbahn«: Das Illenau-Theater war am Samstag ausverkauft. Regisseurin Rosa Maria Gannuscio hat den 90-Minüter aus den 50ern mit Raffinesse ins Heute transportiert. Von Jean Tardieu, der das absurde Theater liebt, stammt die Vorlage »Les amants du métro«. 

 In mit weißen Masken verhüllten Gesichtern schleichen die Menschen durch die Bahnstation einer Pariser U-Bahn. Zugeknöpfte Gestalten, Menschen, die sich weder ansehen noch berühren. Der Zug kommt in wenigen Minuten. Hektik macht sich breit, jeder hat seinen Weg.  Ein junges Paar sprengt den anonymen Rahmen. Alexandra Schmidt und Thorven Sonntag schlüpfen hier in die Rolle der Liebenden. »Liebe«, »Triebe«, »Herz«, »Schmerz« werfen sie sich gegenseitig zu »Baum, Traum, Schaum...« Worte, die viel preisgeben. 

Die beiden jungen Schauspieler überzeugen in der Premiere von »Die Liebenden in der Untergrundbahn« mit ihrer Präsenz, verstehen es, den Körper unterstreichend zum Wort einzusetzen, bringen dem Stück die Schwingung, die es lebendig macht. Ihre Liebe ist wie in Wolken gespeichert, die sich nicht entleeren, höchstens verfärben, mal dunkel, mal hell, hoch hinauf steigen und tief fallen. Stolperfallen, entstanden durch fehlende Kommunikation, durch nicht verstehen, falsch verstehen. 

Ängste, Missverständnisse fallen in Wortfetzen in den Bühnenraum: »Wo bin ich?« »Bei mir!« »Bei dir?« »Wo werd’ ich sein?« Laut dürfen sie ihre Unsicherheit verkünden, während um sie herum das Leben weitergeht. Still, um dann monoton in einen Sprechgesang zu verfallen.

Menschen beleuchtet

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Wiederkehrende Vornamen füllen den Bühnenraum. Einzelne Begegnungen werden fokussiert, Personen beleuchtet, wie der Dolmetscher, Hubert Bader-Glaser, der auch als zitierender Pfarrer herrlich agiert. Constanze Fliegel, die überschwängliche Studentin, später wütende U-Bahn-Passagierin. Dort spielt die zweite Szene, Technik und Bühnenbild schaffen den wirklichkeitsnahen Raum eines beengenden Zugabteils. 

Der Weg des Liebenden zu seiner Liebsten ist versperrt. Der Kampf beginnt, die Verzweiflung. Im Aufbrechen der Charaktere gelingt das Zusammenkommen. In der Begegnung, etwa mit dem Zeitungsleser, der beleidigten Dame, dem Klempner (herrlich Marion Wolf). Sie alle stehen symbolisch für das Nicht-Begegnen, das Über-Sehen, das Nicht-Interessieren.

Und schließlich das übermächtig werden der Angst, sich in der Menge aufzulösen, seine Identität zu verlieren, zu verschwinden. Aline Roüast wächst hier über sich hinaus und verkörpert dieses »im Begriff sein, ein Niemand zu werden«, leidenschaftlich erschreckend gut.

Fazit: ein wunderbar heraus gearbeitetes Stück gegen die anonymisierte Gesellschaft, ein versiert spielendes Ensemble, tolles Bühnenbild, eine perfekt unterstützende Technik und somit eine gelungene Premiere unter der Regie von Rosa Maria Gannuscio. 

Hintergrund

Termine und Karten

Weitere Aufführungen sind am 12., 13., 19., 20., 26. und 27. Oktober, jeweils ab 20 Uhr. Am Sonntag, 21. Oktober, bereits ab 19 Uhr. 
Karten gibt es bei Büchermehr und Osiander Buchhandlungen, in der Tourist-Info sowie im Kulturamt der Stadtverwaltung.rdr

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