Premiere von »Der nackte Wahnsinn«

Illenau-Theater provoziert sympathisch mit neuem Stück

Autor: 
Michael Karle
Lesezeit 3 Minuten
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25. Juni 2018

Eine beeindruckende Premiere ihres neuen Sommerstücks bot das Illenau-Theater am Samstagabend. »Der nackte Wahnsinn« bietet einige überraschende Momente. ©Michael Karle

Es hat sich gelohnt: Der »nackte Wahnsinn« war an diesem schönen Premierenabend des Illenauer Sommertheaters als flotte Inszenierung und in voller Dramatik zu erleben. Vom »Fußball-Wahnsinn« im Stadtgarten war indes über weite Strecken hinweg nichts zu hören in der Illenau.

Regisseur Carsten Dittrich hat sich bei seiner Illenau-Premiere mit seiner Truppe an ein Stück gewagt, das von den Akteuren viel fordert. Experiment und Wagnis mit einem großen Boulevard-Stück sind gelungen. Das fußballbedingt leicht dezimierte Publikum hatte nicht nur im sehr chaotischen zweiten Satz viel zu lachen, war aber mitgenommen und mitgerissen, dankte mit begeistertem Applaus. 

Mit dem ausschließlich aus Hauptakteuren bestehenden Ensemble durfte zu Recht auch »die Technik« namens Pit Ferch, Nico Wöhrle und Leon Gottmann am Ende mit auf die Bühne. Alexander Schneider hatte viele Blumen, Küsse und Glückwünsche ans Team um Carsten Dittrich zu geben.

Überblick und Spielfreude

»Ein so rasantes Stück im Stück umzusetzen, bedeutet höchste Anforderung und Kondition der Spieler«, hatte Dittrich schon bei den Proben erklärt. Genussvoll zu sehen war bei der Premiere, dass Lebendigkeit, Zusammenspiel und Leidenschaft ausgezeichnet über die Bühnenbretter kamen und die Schauspieler bei allem  Einsatz viel Freude hatten und auch den Überblick behielten.

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Die Themen der laut Vorgabe von Autor Michael Frayn »schrecklichen« Theatergruppe und des chaotischen, aber immer unterhaltsamen Stücks sind schnell erzählt. Eine klamottige Theatertruppe massakriert über Aufführungen unter anderem in »Great-Whire«, »Openburg« und »Sasch-Valley« ein Stück, in dem es neben Seitensprüngen auch um andere Themen des Bühnenlebens geht. Von der Steuerflucht bis zu heruntergelassenen Hosen sind rund um den sich als »running gag« durchziehenden Sardinenteller komische Situationen zu erleben. Manchmal agieren in hohem Tempo lauter Personen, die sich in der Landhaus-Villa eigentlich nicht begegnen dürfen. Türen öffnen und schließen sich permanent.

 
Marga Pätzold als alternde Diva und leicht verpeilte Haushälterin Dotty, Daniel Spinner als sportlich beeindruckender Schwachkopf Garry, Marion Wolf als leicht nuttige und kurzsichtige Brooke, Alisan Erdogan als nie konfliktfreier Steuerflüchtling Philip, Eveline Schneider als originelle Flavia und Helmut Schiffner, der immer angetrunkene Selsdon, ziehen mit Regisseur Lloyd alias Markus Baumgarten (hervorragend im hervorragenden Team), Regieassistentin Poppy (Brigitte Spengler-Weissgärber) und Tim (Felix Schreck, klasse und quirlig) eine tolle Boulevard-Klamotte ab.

Über sich selbst lachen

Bis zu den Schlussvorhängen gegen 23 Uhr (mit Pause) gibt es viel zu lachen. Dass das Lachen letztlich dem eigenen Spießbürger-Leben gilt, ist vorausgesetzt. Die Illenauer provozieren ihren Wahnsinn im wirkungsvollen Bühnenbild auf sympathische Weise. Den weiteren Aufführungen ist noch mehr Zulauf gewünscht. 

Stichwort

Aufführungen

Eintrittskarten für die weiteren acht Aufführungen bis zum 21. Juli gibt es in den ARZ-Geschäftstellen, im Rathaus Illenau, bei der Tourist-Info Achern und bei den Buchhandlungen Büchermehr und Klebers am Rathaus. Beginn ist jeweils um 20.30 Uhr am 29. und 30. Juni, 1., 6., 7., 8. 20. und 21. Juli. Das Illenau-Bistro bietet dazu ein »Theater-Genuss-Ticket«. Kontakt: info@illenau-theater.de.

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