Achern

Illenau-Theater sorgt mit Verwirrkomödie für ein Vergnügen

Autor: 
Wolfgang Winter
Lesezeit 3 Minuten
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03. Juli 2016

Klasse besetzt war das Stück »Da sein oder nicht da sein!«, das das Illenau-Theater am Freitag im stimmungsvollen Serenadenhof zeigte. Die Premierenvorstellung kam beim Publikum bestens an. ©Daniela Busam

In der Illenau geht es in den nächsten Wochen ziemlich verrückt zur Sache: Im stimmungsvollen Serenadenhof wird das Sommerstück des Illenau-Theaters »Da sein oder nicht da sein!« gezeigt. Die Premiere wurde am Freitag mit Bravorufen und stürmischem Applaus gefeiert.
 

Schauplatz der witzigen Verwirrkomödie ist die Praxis des angesagten Pariser Psychotherapeuten Bertrand (bestens besetzt: Hubert Bader). Standesgemäß ziert Sigmund Freuds Porträt die Wand des Sprechzimmers. Hier hat die taffe Sekretärin Odile (glänzend: Clara Petzoldt) das Sagen. Keine leichte Aufgabe, erweist sich doch das Klientel als kolossal anstrengend. Es braucht zum Beispiel so einige Zeit bis Odile begreift, dass sich der in sie verknallte Fensterputzer Nicolas (bewundernswert: Frank Lübeke) allein wegen ihres Anblicks in ein jämmerlich stotterndes Häufchen Elend verwandelt. Wie Nicolas schließlich seine Sprachblockade überwindet und bei der durchgeknallten Esoterikerin Celine (wunderbar: Brigitte Spengler-Weißgärber) nicht nur verbal zur Hochform aufläuft, gehört zur Fülle der glänzend gespielten Miniaturdramoletten, die das Publikum bei Laune hält. 
Unter dem strengen Blick von Doktor Freud wird sein zentrales Lieblingsthema Sex hoch und runter dekliniert. Yves (super unter Strom: Klaus Gößwein), dem Freund des Therapeuten, bleibt wohl kaum die Zeit, die Bettlaken seiner permanent belagerten Besetzungscouch zu wechseln, hält er doch pausenlos nach neuen Opfern Ausschau und nutzt dabei wie ein mit hechelnder Zunge seiner Beute hinterherjagender Pawlowscher Hund jede noch so aussichtslose Gelegenheit, um zum Zug zu kommen. 
Zum Personal des Narrenstübchens gehört auch das lesbische Liebespaar Jeanette (von Kopf bis Fuß hinreißend: Viktoria Sutterer) und Desiree (anpassungsfähig wie ein Chamäleon: Petra Hoppe), die von Gott Amor ins Abseits beförderte Gisele (souverän: Barbara Rose-Behrendt), die undurchschaubare Helene (schultert die schwere Rolle bravourös: Constane Fliegel), deren Liebesglück in einer fernen Zukunft liegt, und nicht zuletzt die sich in einen permanenten Kauf- und Alkoholrausch flüchtende Valerie (herrlich hemmungslos: Eveline Schneider), die frustrierte Ehefrau des Casanovas. 

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Dicke Überraschungen
Wer nach dieser Rollenbeschreibung eine eher simpel gestrickte Burleske erwartet, irrt, hält doch der Autor noch einige faustdicke Überraschungen bereit. Nur soviel sei verraten: In einer Szene verwandelt sich das Sprechzimmer sogar in ein Irrenhaus, dessen weiß bekittelte Ärzte und Pfleger für ein astreines Kuckucksnest-Ambiente sorgen. Dank Peter Espeloers dynamisch zupackender, auf jedes Detail achtende Regie machte das Amateur-Ensemble erneut einen Quantensprung. Unglaublich wie präzise und reibungslos das temporeiche Räderwerk der Auf- und Abgänge ineinander griff und der auch jeden Profi in Atem haltende Screwball-Effekt punktgenau herausgearbeitet wurde. 
Wer Reiner Woops Textvorlage kennt, weiß dass der zum Glück zur Radikalität neigende Rotstift des Regisseurs den raffinierten Volten schlagenden Lauf der Charakterkomödie rasant beförderte. »Da sein oder nicht da sein« stellt sich nach dem Genuss des Stücks nicht länger als Frage. »Hingehen!« heißt die Devise. Für reichlich Gesprächsstoff und Gelächter ist gesorgt.

Stichwort

Termine und Karten

Weitere Aufführungen: 8., 9., 14., 17., 22., 23., 24. und 29. Juli, jeweils ab 20.30 Uhr. Vorverkauf: Tourist-Info Achern, den Acherner Buchhandlungen, in allen Geschäftsstellen der Mittelbadischen Presse und an der Abendkasse. wowi

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