Jennifer Grumer aus Urloffen liebt die Arbeit mit Kindern

In Appenweier gibt es aktuell sechs Tagesmütter

Autor: 
Stephanie Rohn
Lesezeit 4 Minuten
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10. November 2018

Tagesmütter-Treffen in Urloffen, von links: Sabine Jülg (Mutter), Jenny Jung (Tagesmutter-Verein), Joice Mittenmüller (potenzielle Tagesmutter) sowie Jennifer Grumer (Tagesmutter und Vorstands-Mitglied des Tagesmutter-Vereins Offenburg) mit einigen Kindern. ©Stephanie Rohn

Neue Beschlüsse des Kreisjugendhilfeausschusses sollen die Arbeit für Tagesmütter im Ortenaukreis attraktiver gestalten. Wie es damit aktuell in Appenweier aussieht und ob die Verbesserungen hilfreich sind, das hat die Acher-Rench-Zeitung recherchiert.
 

Bei Familie Grumer in Urloffen ist eigentlich immer etwas los. Neben drei eigenen Kindern springen meistens noch fünf weitere in dem großen Haus herum, essen zu Mittag, machen Hausaufgaben oder halten ihren Mittagsschlaf. Für Tagesmutter Jennifer Grumer ist das seit fünf Jahren Routine. Zwischen all den Kinderstimmen strahlt sie eine fast schon meditative Ruhe aus. Seit vier Jahren ist die ausgebildete Tagesmutter auch im Vorstand des Tagesmüttervereins Offenburg aktiv. Grumer und ihre Kolleginnen sind froh über die jüngst beschlossenen Neuerungen, die der Verein für die Tageseltern erreichen konnte.
Alle Tageseltern im Ortenaukreis erhalten zukünftig die Hälfte ihrer Aufwendungen für die Kranken- und Pflegeversicherung vom Kreis erstattet. Auch die Pflegeerlaubnisse für die Betreuung von unter Dreijährigen werden nicht mehr generell begrenzt, sondern auf bis zu fünf gleichzeitig anwesende fremde Kinder ausgestellt. Außerdem wurde ab diesem Herbst der vom Jugendamt bezahlte Stundensatz von 5,50 auf 6,50 Euro erhöht. 
Grund dafür sind die deutlich rückläufigen Zahlen von Tageseltern in den vergangenen vier Jahren. Laut Statistik gab es im Ortenaukreis bis 2015 mit 260 bis 270 Tageseltern relativ stabile Zahlen. Seit 2016 ist eine deutliche Abnahme feststellbar: Seit 2017 werden insgesamt 767 Kinder von nur noch 226 Tageseltern betreut. So lag der Betreuungsschlüssel 2017 bei durchschnittlich 3,39 Kindern je Tagespflegeperson. 2,2 Prozent aller Kinder unter drei Jahren werden im Ortenaukreis von Tageseltern betreut. 

Wunsch- und Wahlrecht

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Mit der Einführung des Rechtsanspruchs auf Kleinkindbetreuung ab 1. August 2013 besteht für jedes Kind ab Vollendung des ersten Lebensjahres das Recht auf Förderung in einer Einrichtung oder in Kindertagespflege. Das Wunsch- und Wahlrecht gibt den Eltern die Möglichkeit, frei zu wählen. 

Wichtiges Angebot

Neben Betreuungsformen wie Kita, Hort oder Kleinkindgruppe ist das Modell Tagesmutter nach wie vor ein wichtiges Angebot, das hohe Flexibilität und intensive Betreuung anbieten kann. »Viele Eltern wünschen sich ein familienbegleitendes Angebot mit hohem Betreuungsfaktor. Das kann eine Tagesmutter bieten«, weiß Jenny Jung. Sie ist hauptamtliche Sozialarbeiterin beim Tagesmütterverein Offenburg und zuständig für den Bereich Appenweier.
Während 2015 acht Tagesmütter in Appenweier insgesamt 16 Kinder betreuten, gebe es derzeit, so Jung, nur noch sechs aktive Tagesmütter, die insgesamt 15 Kinder betreuten. Fünf davon sind U3-Kinder, zwei Drei- bis Sechsjährige und acht Schulkinder. Der Bedarf ändere sich in Appenweier von Jahr zu Jahr, weiß die Sozialarbeiterin. Derzeit gebe es viele Anfragen zur Betreuung von Schulkindern. Davor wurde das Modell hauptsächlich für U3-Kinder angefragt.
Gründe für den Rückgang der Tagesmütter gibt es mehrere. Viele scheiden von Jahr zu Jahr altersbedingt aus, und neue kommen weniger häufig hinzu. Aufgrund flexibler Kinderbetreuungszeiten in Kindergärten und Schulen kehren viele Mütter früher in ihren herkömmlichen Beruf zurück.
Jenny Jung weiß auch um ganz pragmatische Gründe: »Viele Tagesmütter, die ihre Arbeit beenden, geben an, dass Kindertagespflege nicht lukrativ sei und dass sie das Gefühl hätten, viele Steine in den Weg gelegt zu bekommen.« 
Diese Bedenken seien nachvollziehbar, so Jung, denn als Selbstständiger habe man neben engen Rahmenbedingungen auch immer ein finanzielles Risiko. Hier setzt Jennifer Grumer an. Sie gibt interessierten Tagespflegepersonen finanzielle Schulungen, denn, so die Expertin, eine guten Planung und Organisation sei wichtig. 
Um in der Kindertagespflege existenziell überleben zu können, muss man Verhandlungsgeschick besitzen und bestenfalls mit der maximal möglichen Anzahl von Tageskindern planen, erklärt Jenny Jung. Viele junge Mütter könnten sich die Arbeit vorstellen, denn so ist man rund um die Uhr für die eigenen Kinder da und verdient ein wenig Geld nebenbei, bis man wieder in den alten Beruf zurückkehrt. Leider werde das Einkommen beim Elterngeld aber eingerechnet, sodass viele neuqualifizierte Tagesmütter erst nach Ablauf ihrer Elternzeit mit der Tagesmuttertätigkeit beginnen.
Jennifer Grumer jedenfalls liebt die Arbeit mit Kindern. »Ich kennen keinen anderen Beruf, der sich so gut mit Familie vereinbaren lässt«, freut sich die dreifache Mutter und wirkt mit ihrer Begeisterung ansteckend. 
In Kürze will sie eine neue Tagesmutter in Appenweier einarbeiten, die Interesse bekundet hat.

Stichwort

Die Gemeinde unterstüzt

Wie unterstützt die Gemeinde Appenweier neue Tageseltern?
◼ Die erforderliche kostenpflichtige Qualifizierungsmaßnahme wird bei erfolgreichem Abschluss komplett von der Gemeinde Appenweier übernommen. 
◼ Auch bei der Erstausstattung gibt es finanzielle Unterstützung.
◼ Gewährleistung kurzer Wege zwischen Tagesmütter und Gemeinde. 

◼ Für neue anstehende Kurse wirbt die Gemeinde im Mitteilungsblatt. 

Hintergrund

Die Voraussetzungen

Tageseltern kann im Grunde jeder werden – unter folgenden Voraussetzungen:

◼ Eine erfolgreiche Teilnahme an einer Qualifizierungsmaßnahme des Tagemüttervereins (mindestens 160 Stunden / mit beruflicher Vorerfahrung 30 Stunden).

◼ Man ist selbstständig tätig und legt die Rahmenbedingungen selbst fest (Zeiten, Alter, Preis  usw. – 6,50 Euro pro Stunde und Kind bezahlt das Jugendamt)
◼ Gewährleistung von regelmäßigem Austausch mit anderen Tagesmüttern und Fachkräften.

◼ Vermittlung über den Tagesmütterverein Offenburg.

◼ Weitere Informationen  gibt es durch Jenny Jung (Tagesmütterverein Offenburg) • 0781/ 94 84 731 oder Jennifer Grumer (Ansprechpartnerin für Appenweier) • 07805/913866. 

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