Oppenau

Installation erinnert an die Kriegstoten

Katharina Reich
Lesezeit 3 Minuten
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14. August 2014

Sie erinnerten bei der Gedenkfeier an die 190 gefallenen Soldaten aus Oppenau (von links): Tim Otto Roth, Miriam Seidler, Willi Keller und Trompeter Bernhard Münchbach. ©Katharina Reich

Am Oppenauer Bahnhof erinnert die
Kunstinstallation »Memento 190« des Künstlers Tim Otto Roth an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Oppenauer Soldaten. Das digitale Denkmal wurde am Dienstagabend in einer Gedenkfeier eingeweiht. Ein Gefühl für die Atmosphäre des Krieges vermittelte Willi Keller mit dem Vortrag von Gedichten, die während des ersten Kriegsjahrs entstanden waren.
Ludwig Kimmig, Georg Huber, Josef Birk – auf dem digitalen Laufband im Oberlicht des Künstlerateliers von Tim Otto Roth im Oppenauer Bahnhof ziehen seit Donnerstagabend typische Oppenauer Namen vorbei. Namen von Männern, die in den vier Jahren des Ersten Weltkriegs als Soldaten an der Front kämpften und nicht mehr heimkehrten. Bis vor kurzem waren diese Namen im Oppenauer Stadtpark auf Stelen zu lesen – neben dem Kriegerdenkmal aus dem Jahr 1934. Das Ensemble musste dem Bau von Parkplätzen weichen – ausgerechnet im Jahr, in dem sich der Beginn des Ersten Weltkriegs zum 100. Mal jährt. Für diese Entscheidung sparte der Künstler in seinen »Salut-Worten« nicht mit Kritik. »Ist es Ignoranz, vielleicht sogar Kalkül oder, um es zuzuspitzen, gar historische Amnesie?«, kritisierte Roth den Umgang mit dem Denkmal.
Der Wegfall der Gedenkstätte war für den Konzeptkünstler und promovierten Kunsthistoriker Anlass, einen neuen Erinnerungsort zu schaffen. Am Bahnhof, an dem Ort, wo die Oppenauer Männer in den Zug stiegen, um an die Front zu ziehen, rückt der längst vergangene Krieg zurück in die Erinnerung. Die vorbeiziehenden LED-Namen stehen gewollt irritierend im Kontrast mit den digitalen Anzeigen der Bahnverbindungen.
In Roths Installation zeigt sich auch, wie sich die Formen des Gedenkens inhaltlich verändert haben. Zeigt sich am 1934 aufgestellten Denkmal gemäß der vorherrschenden Ideologie noch ein heroischer Soldat mit einer Granate in der Hand, zu dessen Füßen ein verwundeter Kamerad kauert, so widmet sich die Installation des Oppenauer Künstlers ausschließlich den Opfern: Das Heldentum ist der Veranschaulichung des Kriegsleidens gewichen. Allein aus Oppenau sind im Ersten Weltkrieg 190 Männer gefallen – fast ein Zehntel der männlichen Bevölkerung, eine gewaltige Zäsur.
Leid in Gedichte gepackt
Ob die Oppenauer Männer freudig in den Krieg zogen oder mit Furcht der Zukunft entgegensahen, darüber kann man nur spekulieren. Die Kriegsbegeisterung, die Verherrlichung des Kampfs für das Vaterland, aber auch die Schilderung des Grauens drückte sich in den von der Literaturwissenschaftlerin Miriam Seidler zusammengestellten Gedichten aus dem Jahr 1914 aus, die Willi Keller vortrug. Hier war kaum erträglich vom »göttlichen Tod«, dem »ehrlichen Krieg« und der »heiligen Not« zu hören, aber auch von sterbenden Soldaten mit zerbrochenen Mündern, schwarzer Verwesung und den ungeborenen Enkeln. Zwischen den einzelnen Gedichten verlas Willi Keller Namen der gefallenen Oppenauer Soldaten und stellte so eindrücklich einen lokalen Bezug zur literarischen Verarbeitung des Weltkriegs her.

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