Thema Komasaufen

Jugend nach Theaterstück in Obersasbach sprachlos

Autor: 
MIchael Gabriel
Lesezeit 3 Minuten
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19. Oktober 2019

Die Erfahrungen eines Vollrauschs mit Blackout eines 15-jährigen Mädchens spielte Alisca Baumann in dem Stück „Koma” sehr eindrücklich. ©Michaela Gabriel

Verschmierte Schminke, ein schmerzender Kopf und nur verschwommene Erinnerungen: Wie die 15-jährige Marie ihre erste und viel zu extreme Erfahrung mit Alkohol macht, darum dreht sich das Stück „Koma”. Am Donnerstag war es in der Grindehalle Obersasbach zu sehen. 

Vier Schulklassen der Grund- und Werkrealschule Oberachern/Sasbach und Ottersweier erlebten den Alptraum mit, den die Theaterwelten „das chamaeleon” aus Horb am Neckar im Rahmen des neunten Kinder- und Jugendtheaterfestivals aufführte. Schonungslos und mit offenem Ende wird darin erzählt, wie sich Koma-Saufen anfühlt und wie ungewiss der Ausgang ist.

45 Minuten still

„Überlebt Marie oder nicht? Man weiß es nicht. Das hat die Autorin des Stücks, Lisa Sommerfeldt, bewusst offen gelassen”, erklärte am Ende Regisseurin Dorothee Jakubowki. Sie bedankte sich bei dem sehr aufmerksamen Publikum, das 45 Minuten absolut still war und gespannt der Handlung folgte. Fast sprachlos blieben die Jugendlichen zurück. Kaum eine Bemerkung zum Stück konnten sie formulieren. „Ist die Geschichte echt?”, fragte ein Mädchen. „Sie könnte echt sein”, sagte Schauspielerin Alisca Baumann.

Mehr Darsteller auf der Bühne hätten sie sich gewünscht, meinten zwei Schüler. Dass Marie nach dem Wetttrinken mit der Clique ihrer großen Schwester allein zurückblieb, war Teil der unbequemen Wahrheit über das böse Erwachen nach einem Rausch. Nur in ihren Erinnerungen, die sie sich mühsam zusammenreimte, sprachen Stimmen aus dem Hintergrund. Einzelne Szenen des Abends wurden von Andreas Schnell auf einer Leinwand gezeigt – doch das waren nur kurze Streiflichter.
Die schauspielerische Leistung der einzigen Darstellerin war enorm. Sie zeigte Maries langsames Erwachen aus ihrem Koma auf einem Parkplatz nahe eines Weihnachtsmarkts, bedeckt und umgeben von Müll und leeren Flaschen. 

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Sie zeigte Maries Schwärmen von Tom, den sie toll findet. Sie ließ die Liebe zu ihrer großen Schwester lebendig werden, die in Hass umschlug, als die mit Tom allein auf den Markt ging. Mit ihrem Mofa fuhr sie hinterher, fand die Clique der Älteren und wollte imponieren, um dazu zu gehören. Sie spielte Wut, die sie empfand, als Tom ihrer Schwester immer näher kam und Hilflosigkeit, als sie sich nach dem Trinken von Bier und Schnaps nicht mehr auf den Beinen halten konnte.

Völlig gedemütigt

Nur langsam realisierte Marie am Boden liegend, dass es regnet, dass sie nass bis auf die Haut ist, dass sie sich übergeben hat und dass ihr jemand den BH ausgezogen hat. Und dass die ganze Clique samt ihrer Schwester weg war. Sie durchlebte noch einmal, wie sie beim Erbrechen kein Luft bekam und die Not des Ausgeliefertseins, als ein junger Mann Müll auf ihr stapelte und sie verhöhnte.

Die Darstellerin der 15-Jährigen Marie ist Alisca Baumann, 33 Jahre alt und staatliche geprüfte Schauspielerin. Dass sie auch Violinistin ist, zeigte sie während des Stücks an zwei Stellen. Die ganze Tiefe des Themas spielte sie so intensiv, dass die jungen Leute im Publikum sicher an anderer Stelle nochmal darüber reden werden.

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