Appenweier

Kabarettist erreicht nicht immer sein Publikum

Autor: 
Katharina Reich
Lesezeit 2 Minuten
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15. Mai 2017

Erklärte dem Publikum die feinen Unterschiede zwischen Panik, Furcht und Hysterie: Lutz von Rosenberg Lipinsky. ©Katharina Reich

Über das »ständige Meckern« der Deutschen ließ sich am Freitag Kabarettist Lutz von Rosenberg Lipinsky im Appenweierer Zunfthaus aus. Mit »Wir werden alle sterben! Panik für Anfänger« hangelte er sich von Politik über die sensationsgierige Medienlandschaft bis zur verweichlichten Jugend.
 

 »Letzte Woche in Berlin-Mitte, heute mitten in Appenweier«, kündigte Bürgermeister Manuel Tabor den Auftritt des Kabarettisten im Rahmen von »ArtAppenweier« an. Dass der Bürgermeister höchstpersönlich zu Veranstaltung erscheine, sei er nicht gewohnt, bemerkte Lutz von Rosenberg Lipinsky, der sich auf dem Weg zum Veranstaltungsort gefragt habe, ob hier die Welt zu Ende sei.
Die negative Stimmung der Deutschen gepaart mit ihrer Angst vor der Zukunft und vor dem Fremden war das bestimmende Thema des Abends. Mit verantwortlich für die Entstehung des bundesweiten Pessimismus machte der Hamburger Künstler die Medien, allen voran die modernen, die beherrscht vom Zwang der schnellen Nachrichten Meldungen herausposaunten, ohne sie richtig zu prüfen. So würden Nachrichten wie »Koffer im Schließfach gefunden« oder »Mann mit Messer im Steakhaus gesehen« zu hysterischen Auf- und Angstmachern, die bei den Empfängern ein ständiges Gefühl des »Das wird immer schlimmer« und des »Früher gab es das nicht« auslösten. Dabei sei der Amoklauf ein uraltes Phänomen und das Mittelalter an Brutalität deutlich reicher gewesen als die Gegenwart.
Unbegründete Ängste
Wie unbegründet manche Ängste sind, verdeutlichte Rosenberg-Lipinsky anhand der Pegida-Demonstrationen im Osten der Republik, die bei den Menschen die Angst vor Muslimen schürten. »Der letzte Muslim ist dort im 13. Jahrhundert durchgeritten und die haben immer noch Angst«, spielte er auf die geringe Anzahl an Muslimen in den neuen Bundesländern an. 
Das ständige Meckern der Deutschen kritisierte Rosenberg Lipinsky, aber statt ein Gegenbeispiel des positiven Denkens zu liefern, kam er selbst nicht weit über das Jammern hinaus. Daran glauben mussten die deutschen Dauerbaustellen (2Früher waren wir das Land der Ingenieure. Kann mir hier einer einen fertig gestellten Bau nennen?«), die Familienpolitik unter anderem von Ursula von der Leyen (»Ihre sieben Kinder waren eine Kampfansage an türkische Familien«) und die allseits chillende Jugend, die es bei Grün nicht mehr über die Ampel schaffe, weil sie immer am Smartphone hänge.
Während in der ersten Hälfte des Programms der Funke beim Publikum nicht so recht überspringen wollte, erntete der Hamburger nach der Pause deutlich mehr Lacher. 
So richtig gepackt hat er seine Zuhörer im Zunfthaus allerdings erst mit der Zugabe – einer Schilderung von Hotelerfahrungen unter dem Motto »Fühlen Sie sich wie zu Hause«. 

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