Wo Speck ist, ist auch Heimat

Kabarettist Martin Wangler machte Station in Oppenau

Autor: 
Katharina Reich
Lesezeit 3 Minuten
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11. August 2018
Viel zu lachen hatte das Oppenauer Publikum beim Auftritt des Kabarettisten Martin Wangler als Fidelius Waldvogel.

Viel zu lachen hatte das Oppenauer Publikum beim Auftritt des Kabarettisten Martin Wangler als Fidelius Waldvogel. ©Katharina Reich

Was macht Heimat aus? Dieser Frage ging am Mittwochabend hinter dem Oppenauer Feuerwehrhaus der Schwarzwälder Kabarettist Martin Wangler nach. Als Fidelius Waldvogel zeigte er dem Publikum nicht nur, wie man richtig Speck isst, er trieb ihnen auch die Verklemmungen aus. 

Fidelius Waldvogel ist ein echtes Original. Mit seinem Traktor Baujahr 1968 und seinem umgebauten Forstwagen fährt er auf seiner »Heimat-Tour« drei Wochen durch den Schwarzwald. Bei seinem Stopp in Oppenau traf er auf volle Reihen hinter dem Feuerwehrhaus. Die meisten Besucher waren des Alemannischen mächtig. Den wenigen »Muschelschubsern« und »Nordlichtern«, wie Fidelius Waldvogel alle nannte, die oberhalb von Karlsruhe wohnen, übersetzte er die schwierigsten Worte ins »Hochdietsche«. 

Überhaupt beschäftigte den Kabarettisten und Schauspieler der aussterbende Dialekt. Deshalb kramte er die schönsten Wörter für das Publikum hervor: »Sunnewirbili« für den Feldsalat, »Bettzipfeli« für die Kopfkissenkanten und »Muckeseckele« für die kleinst mögliche Maßeinheit im Alemannischen. Dem Publikum stellte »Fidele« erst mal seinen Forstwagen vor, den er zu einem »Stubewägele« umgebaut hat und in dem es alles gibt, was der Schwarzwälder so zum Leben braucht – inklusive Speckstecken an der Decke und dem Allerheiligsten: »Weihwasser, Kirschwasser und Cegokarten«. 

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Gezogen wir der Wagen von Waldvogels Oldtimer-Schlepper, den er aber nicht mehr so nennt: »Neulich wurde ich von der Polizei angehalten. Nachdem ich erzählt hatte, dass ich von einem internationalen Schleppertreffen komme, wurde ich drei Stunden verhört. Jetzt sag ich nur noch Bulldog«, berichtete der Breitnauer. Schließlich holte Fidelius Waldvogel einen Speck aus dem Kühlschrank und demonstrierte, wie man diesen stilecht auf Schwarzwälder Art isst: nicht auf dem Teller, sondern auf dem Speckbrettle, nicht mit der Gabel, sondern schlicht mit der Hand und wichtig: immer gegen die Faser schneiden. Zuvor hatte er ordentlich die Schwarte geputzt und das pure Fett genüsslich vertilgt. 

Für Waldvogel ist ein gutes Stück Speck Heimat, genauso wie ein guter Wein oder ein gutes Bier. »Wenn sie einem fehlt, wird man krank«, beschrieb er die Heimat. Am heutigen Umgang mit dem Begriff Heimat übte er auch Kritik. »Trump trennt zum Schutz seiner Heimat mexikanische Kinder von ihren Eltern. Europa schließt die Grenzen, um die Heimat zu schützen. Das hat nichts mit Heimat zu tun«, betonte er. 

Schließlich wollte Fidele Waldvogel dem Publikum noch etwas Gutes tun und es von der für den Schwarzwälder typischen Verklemmtheit befreien – mit einem Enthemmungszauber. Mit einem Stierschädel auf dem Kopf, Glöckchen um die Fußknöchel und einer großen Trommel vor dem Bauch versprach er dem Publikum enthemmte Lust. Doch der Kabarettist muss sich bei seinem Trommelzauber im Rezept vertan haben. Das Publikum fiel nicht  wie versprochen übereinander her. Dafür fing es pünktlich mit dem Schlussakkord der Zugabe an zu regnen. Vielleicht war der Enthemmungszauber doch eher ein Regentanz.

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