Türen öffnen gegen Einsamkeit

Kappelrodecker Initiative will in schwierigen Zeiten helfen

Autor: 
Roland Spether
Lesezeit 4 Minuten
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13. Januar 2021

Türen öffnen gegen die Einsamkeit möchten die „Türöffner“ von Kappelrodeck, eine neue ökumenische und ehrenamtliche Gruppe: Gisela Ehrhardt (links) und Gertrud Fischer. ©Roland Spether

Menschliche Nähe mit gebotenem Abstand: Eine Ehrenamtsinitiative in Kappelrodeck will  – trotz und gerade wegen Corona – Menschen vor der drohenden Vereinsamung bewahren.

Türen öffnen gegen die Einsamkeit! Geht das trotz Corona? Eine spannende Frage, die sich etwas andere „Türöffner“ einer neuen, ökumenischen Gruppe der Pfarreien Kappelrodeck, Waldulm und der evangelischen Kirchengemeinde stellten. Sie erfährt gerade jetzt im erneuten Lockdown eine besondere Notwendigkeit und stellt eine große Herausforderung unter strenger Einhaltung der aktuellen Corona-Regeln dar. 

Das ist den Frauen des Organisationsteams bewusst, doch sie wollen mit dem Start ihrer Initiative während der Pandemie bewusst ein Zeichen setzen, dass Menschen in dieser schwierigen Zeit für andere Menschen da sind und im Rahmen der Corona-Verordnungen ein ehrenamtliches Netzwerk des Helfens, Besuchens und Begleitens aufbauen wollen. 

Schwierige Zeit

Dazu hätten sich Gisela Ehrhardt, Ulrike Burkart, Gertrud Fischer, Marianne Schmälzle, Sibylle Simon und Christa Zink wahrlich eine andere Zeit als die von Covid-19 gewünscht, zumal ein langer Prozess des Überlegens und Reflektierens zurückliegt und diese Form der Hilfe gegen Einsamkeit Menschen näher zusammenbringen und nicht Abstand halten will.  

In einer Gesprächsrunde haben die Frauen ihr Konzept erläutert und sich dabei des Öftern die Frage gestellt, ob sie den Start ihrer Initiative nicht auf die Zeit nach Corona verschieben wollen. Aber wann dies sein wird, kann niemand sagen und so entscheiden sie sich für einen Beginn in dem noch jungen Jahr 2021. Denn bei der öffentlichen Diskussion um Impfung, Masken, Soforthilfen, Homeoffice, Lockdown und Kontaktverbot wird allzu oft vergessen, dass Corona physisch wie psychisch viel mit dem Menschen und dem Menschsein macht. Das Virus greift nicht nur aggressiv und teils tödlich das Leben der Menschen an, es attackiert auch die Menschen in ihrem innerstem Sein und als soziale Wesen. Covid-19 verhindert natürlichen Kontakt und damit auch die normalen menschlichen Begegnungen, bei denen Freude und Sorgen, Hoffnung und Angst ausgesprochen, geteilt und gelindert werden. Deshalb geht es den „Türöffnern“ nicht allein darum, Haustüren zu öffnen, sondern Menschen zu besuchen, ihnen zu begegnen und sie zu begleiten, ganz wie sie es wünschen. 

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Damit die Helfer nicht buchstäblich mit der Tür ins Haus fallen, haben die Mitglieder der ökumenische Gruppe einen ansprechenden Flyer gestaltet, der eine Wunsch- und eine Talentkarte beinhaltet. „Kann ihnen jemand einen Wunsch erfüllen? Dann lassen Sie es uns wissen“ steht auf der Wunschkarte, auf der Interessierte etwa ankreuzen können: „Ich wünsche mir einen Besuch“, „Telefonieren Sie mal mit mir“, „Wer kann mit mir einkaufen“ oder „Ich würde so gerne mal einen Spaziergang machen“. 

Darunter ist noch viel Platz für eigene Wünsche, wobei es solche sein sollen, die unter der Prämisse „besuchen und begleiten“ stehen. Fenster putzen, Unkraut jäten oder den Rasen mähen ist nicht gemeint. Wer ehrenamtliche Dienste anbieten möchte, kann dies auf der Talentkarte ankreuzen und näher beschreiben. 

Kreative Ideen

„Wir bringen dann Wünsche und Talente zusammen“, erklärt Gisela Ehrhard, die wie alle Mitglieder der Gruppe zuversichtlich ist, dass es gerade wegen Corona kreative, ungewöhnliche Ideen für Begegnung und Begleitung gibt. 

Den Anfang haben die „Türöffner“ gemacht, weitere sollen mit ihren Talenten und Möglichkeiten dazu kommen, um mit großem Herzen, viel Fingerspitzengefühl und offenem Blick ältere und alleinstehende Mitmenschen zu besuchen und zu begleiten. Erste „Türöffner“ haben sich schon gemeldet. Wichtig ist, dass Die Gruppe nach den geltenden Datenschutzbestimmungen arbeitet und die jeweils dazu vorliegenden Fragen im Erstgespräch klärt. 

◼ Die Flyer mit Wunsch- und Talentkarte liegen in den Kirchen aus; sie können in den katholischen und evangelischen Pfarrbüros von Kappelrodeck abgegeben oder im Weltladen eingeworfen werden.

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