Lauf

Laufer Geschwister gedenken ihres toten Bruders

Roland Spether
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16. August 2022
Vor 70 Jahren, am 16. August 1952, stürzte Friedrich Schmieder vom Turmgerüst der im Bau befindlichen Obersasbacher Dorfkirche auf tragische Weise ab und starb, seither tragen die Geschwister ihren Bruder in ihrem Herzen (von links): Michael Schmieder, Brigitte Armbruster, Martha Beil, Klara Skowronek und Gertrud Schmieder-Dudeck. 

Vor 70 Jahren, am 16. August 1952, stürzte Friedrich Schmieder vom Turmgerüst der im Bau befindlichen Obersasbacher Dorfkirche auf tragische Weise ab und starb, seither tragen die Geschwister ihren Bruder in ihrem Herzen (von links): Michael Schmieder, Brigitte Armbruster, Martha Beil, Klara Skowronek und Gertrud Schmieder-Dudeck.  ©Roland Spether

Vor 70 Jahren verlor der erst 14-jährige Friedrich Schmieder beim Bau der Obersasbacher Kirche sein Leben. Seither ziert sein Bild den Raum neben der Orgel.

Lauf/Obersasbach. Der Blechner Friedrich Schmieder (14) konnte es an jenem 16. August 1952 kaum erwarten, um 6 Uhr aus dem Elternhaus in Lauf zu kommen, den Karren mit Dachrinnen zu beladen und ihn zur Baustelle für die neue Kirche in Obersasbach zu fahren. Es war ein schöner Tag für den jungen Handwerker, der die Schule absolviert hatte und zur großen Freude seines Vaters Friedrich Schmieder auch das ehrbare Blechner-Handwerk ergreifen wollte, um später einmal das elterliche Geschäft zu übernehmen.

Während der Lehrling zur Baustelle unterwegs war, kam sein Vater mit dem Motorrad und einem weiteren Helfer hinterher, um die Arbeiten auf dem hohen Glockenturm fortzusetzen. „Unser Vater war richtig stolz über diesen Großauftrag, und Friedrich konnte es kaum erwarten, auf den Turm zu kommen“, erinnern sich die Geschwister Brigitte Armbruster, Martha Beil, Klara Skowronek, Gertrud Schmieder-Dudeck und Michael Schmieder, die ihren Bruder seit 70 Jahren in ihren Herzen tragen. An jenem Sommertag, der mit viel Freude begann, stürzte Friedrich vom Turmgerüst acht Meter tief auf den Betonboden für die Orgel. Er starb am nächsten Morgen gegen 5 Uhr im Acherner Krankenhaus. 

Schlimmes geschehen

Die jüngeren Schwestern Brigitte und Martha erinnern sich noch daran, dass sie wie jeden Samstag in einer Zinkwanne in der Küche von ihrer Mutter Katharina Schmieder gebadet wurden. „Da ging die Tür auf und unser Vater stand sprachlos dort, sein ganzes Hemd war blutig. Mutter verließ wortlos die Küche.“ Sie wusste sofort, dass etwas Schlimmes geschehen sein musste. Zu dem Zeitpunkt war sie mit Gertrud schwanger, und die dritte Tochter Klara war gerade zwei Jahre alt. Die Eltern fuhren ins Krankenhaus, während die Kinder von einer Untermieterin fertig gebadet und ins Bett gebracht wurden.

Der Anblick ihres Sohnes war für sie nicht zu ertragen, er war ohne Bewusstsein und durch die schweren Verletzungen bestand aus medizinischer Sicht keine Hoffnung mehr, dass er das Unglück überlebt. Der Pfarrer überbrachte die traurige Nachricht vom Tod des Sohnes.

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Nach dem tragischen Absturz trug der Vater seinen schwer verletzten Sohn nach unten, und ein Mann fuhr die beiden in das Krankenhaus. Friedrich lag auf dem Schoß des Vaters und atmete noch, berichten die Geschwister. Von einem Augenblick auf den nächsten brach in der Familie eine Welt zusammen. Doch für die kleinen Kinder ging das Leben fast normal weiter, obwohl sie ihren Bruder sehr vermissten, schließlich hatte er oft mit ihnen gespielt. Er hatte viele gute Ideen, malte und bastelt gerne, und seine Laubsägearbeiten werden heute gut gehütet.

Auch wenn nach Friedrichs Tod der Alltag einkehrte und der Vater die Bleche an Kirche und Turm anbringen musste: Die Trauer in der Familie war „fast nicht auszuhalten“. Doch die Sorgen türmten sich weiter auf. Denn der Vater wurde als Lehrherr zur Verantwortung gezogen und mit einer Geldstrafe belegt.

Weiterer Unfall

Das Leben ging weiter, und eine Tochter und ein Sohn kamen zur Welt. Doch schon bald sollte die Familie wieder ein Unglück heimsuchen, denn der Vater kam bei einem tragischen Unfall in Lauf mit seinem Motorrad ums Leben, und die Mutter stand mit fünf kleinen Kindern im Alter von einem bis acht Jahren alleine da.

Doch trotz des unfassbaren Leids verzagte Katharina Schmieder nicht, ein kleines Geschäft hielt sie über Wasser und ihr größter Wunsch, dass ihre Kinder eine gute persönliche und berufliche Zukunft haben, ging in Erfüllung. Der Glaube half ihr dabei, und als die Kirche am 12. Mai 1957 eingeweiht wurde, ging die Familie zu Fuß zum Festgottesdienst mit Erzbischof Hermann Schäufele. In der Folgezeit besuchte die Mutter mit ihren Kindern oft die Kirche. Sie saßen dann still in den Bänken und erinnerten sich an den Vater und den Sohn, der hier sein junges Leben verloren hatte.

Doch einen Groll hegte die Mutter nicht, ihr Glaube trug sie über die schweren Jahre hinweg und drei Tage vor ihrem 100. Geburtstag war sie mit ihrem Ehemann und Sohn in Gottes Liebe vereint. Auf Anregung von Ingeborg Bruder wird das Gedenken an Friedrich mit einem Bild neben der Orgel bewahrt. Seither ist der junge Blechner ein Teil der Kirche, an deren Bau er mitarbeitete. 

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