Oberkirch
Dossier: 

Mehr Digitalisierung in Renchtäler Heimen

Autor: 
Katharina Reich
Lesezeit 4 Minuten
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01. August 2020

Für Fronleichnam hatten die Bewohner des Altenpflegeheims St. Josef in Oberkirch Blumenschalen dekoriert. ©Katharina Reich

Wegen  der Corona-Pandemie waren bis Mitte Mai keine Besuche von Angehörigen in Pflegeheimen möglich. Die Mitarbeiter haben sich einiges einfallen lassen, um den Senioren die Zeit zu vertreiben.

Die Bewohner der Renchtäler Seniorenheime haben sehr kontaktarme Zeiten hinter sich. Wegen  der Corona-Pandemie waren bis Mitte Mai überhaupt keine Besuche von Angehörigen möglich.  Die Mitarbeiter der Pflegeheime haben sich aber einiges einfallen lassen, um den Senioren die  Zeit zu vertreiben. Auch von außerhalb gab es einige schöne Aktionen. Im Altenpflegeheim St. Josef trifft in Zeiten von Corona Tradition auf Moderne – und zwar in  Bezug auf die Kontaktpflege. Zu Beginn der Pandemie war in St. Josef „fensterln“ angesagt.  

Über das geöffnete Fenster konnten sich Bewohner und Angehöriger mit dem nötigen Abstand  begegnen. Inzwischen sind Besuche von Angehörigen unter Auflagen möglich. Und eine weitere  Art der Kommunikation ist hinzugekommen: Videotelefonie über ein Tablet. Über die Zimpfer-Stiftung der Stadt Oberkirch hat das Altenpflegeheim vier Tablets erhalten, die jetzt von den  Senioren genutzt werden können. Im Seniorenzentrum St. Barbara waren schon von Beginn der  Pandemie an Tablets im Einsatz. 

Die Senioren hatten sie als Leihgabe von der Realschule  Oberkirch erhalten.  In beiden Einrichtungen haben die Betreuungskräfte in den letzten Monaten  verstärkt  Einzelaktivitäten angeboten. Vorlesen, Gedächtnistraining- und spiele sowie Mobilitätstraining  standen auf dem Programm. Außerdem war es den Mitarbeitern wichtig, dass jeder Bewohner  täglich an die frische Luft in den Garten kam. 

Andrea Gütle vom Sozialen Dienst im  Altenpflegeheim St. Josef berichtet, dass sie vormittags den Senioren aus der Zeitung vorliest. Gefreut haben sich die Senioren auch über Angebote von außen. So hat Gerhard Hahn dem  Altenheim Filmaufnahmen mit Themen wie „Frühling in Oberkirch“, Fronleichnam oder „Bilder  aus alten Tagen“ zur Verfügung gestellt. Drei Mal gab es in beiden Pflegeeinrichtungen Konzerte  im Garten, welche die Bewohner aus den Zimmerfenstern oder von den Balkonen genießen  konnten. Besondere Freude hat den Senioren die Post von Kindern und Jugendlichen gemacht,  die Briefe und selbstgemalte Bilder ins Altenheim geschickt haben. Auch wenn in den Heimen  viel Programm geboten ist, weiß Andrea Gütle, dass die Menschen unter dem beschränkten  Kontakt zu ihren Angehörigen leiden. „Wir können die Angehörigen nicht ersetzen, aber wir  können Abwechslung in den Alltag bringen“, resümiert sie.  

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Auch für die Senioren in Bad Peterstaler Seniorenzentrum „Das Bad Peterstal“ waren die  Wochen ohne Kontakte nicht ganz einfach. „Vor allem für die Bewohner, die sonst täglich  Besuch bekommen, war das schwer“, berichtet Hausleiter Steffen Nork. Schon früh hat das Team  des Seniorenzentrums in der Cafeteria eine besondere Besuchsmöglichkeit geschaffen: an einem  Tisch mit Plexiglasscheibe. So können die Senioren ihren Besuch ohne Mundschutz empfangen,  was besonders bei Menschen, die nicht mehr so gut hören, ein echter Vorteil ist. Für  Videotelefonate hat das Seniorenzentrum außerdem ein Tablet angeschafft, das vor allem an  Feiertagen sehr viel genutzt wurde. 

Viele Aktivitäten

Neben vielen Bastelarbeiten durften sich die Senioren über  mehrere Konzerte freuen, teils vom Balkon aus, teils im Park, der vom Pflegezentrum extra für  Passanten gesperrt war.  Im Oppenauer Vincentiushaus waren in den letzten Monaten ebenfalls vor allem Einzelbetreuung  und Einzelgespräche angesagt. 

Viele der Aktivitäten fanden auch im großen Erlebnisgarten  gemeinsam statt. Denn dort kann der Abstand eingehalten werden. Gefreut haben sich die  Senioren auch über Auftritte verschiedener Musiker, darunter „Felix, der Glückliche“, die  Oberkrainer und Gruppierungen der Stadtkapelle. Neben Gesprächen mit den Angehörigen per  Video über Smartphones fanden auch Besuche am Zaun des Gartens, über die Balkone und über  das Café Fortuna bei geöffneten Schiebefenstern statt. „Nach der Lockerung des Besuchsverbots  sind nun ein umfangreiches Besuchsmanagement und eine Besuchsbegleitung durch die  Mitarbeiter erforderlich“, schildert Pflegedienstleiterin Judith Bühl. Die Bewohner seien sehr  diszipliniert und geduldig. 

Man spüre aber mit zunehmender Dauer, dass die Lebensqualität der  Bewohner rückläufig sei. „Daher ist es augenblicklich wichtig, ein vernünftiges und  verantwortungsvolles Gleichgewicht zu finden zwischen dem Infektionsschutz auf der einen und  der Option auf Kontakt und Teilhabe auf der anderen Seite“, sagt Bühl.   

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