Bachabschlag

Mühlbach-Ufer in Oberachern wird auf Vordermann gebracht

Autor: 
Michaela Gabriel
Lesezeit 3 Minuten
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10. September 2018

Bernd Nies von der Deichbaugenossenschaft regelt den Wasserzufluss zur Acher und zum Mühlbach und auch das Niedrigwasser im Mühlbach, das alljährlich im September für zwölf Tage gilt. ©Michael Gabriel

Der Bachabschlag in Oberachern hat begonnen. Der Wasserzufluss in den Mühlbach wird gedrosselt, um das Bett von Schlamm, Dreck und Unrat zu befreien. Was passiert dabei genau? Wir haben die Aktion begleitet.

Samstagmorgen, 7 Uhr: Pünktlich schließt Bernd Nies das Schütz am Wehr in der Holzstraße, das den Wasserzufluss in den Mühlbach regelt. Die Absenkung des Wasserspiegels auf fünf bis zehn Zentimeter war der Auftakt zum jährlichen Bachabschlag, der bis 19. September dauert.

Damit war die Arbeit des Vorsitzenden der Deichbaugenossenschaft aber noch nicht getan. Anschließend stieg er auf die Brücke über dem Acherwehr und öffnete das Schütz komplett. Ein Schwall angestauten Wassers ergoss sich in die Acher und brachte Steine und Äste in Bewegung, die sich abgelagert hatten. Der Wasserstand hinter dem Schütz sank so weit, dass kurzzeitig Wasser aus dem Mühlbach zurück in die Acher floss.

»Das darf nicht sein«, erklärte der Wächter über das Wehr und schaute genau hin. Das Schütz der Acher musste so eingestellt werden, dass dahinter genügend Wasser gestaut war, um einen Rückfluss aus dem Mühlbach zu verhindern. Gleichzeitig musste sich im Mühlbach eine leichte Strömung bachabwärts zeigen. Das kontrollierte der 76-Jährige mehrmals. Es ist seine Aufgabe, täglich mindestens einmal nach dem Wehr zu schauen – im Auftrag der Deichbaugenossen und der Stadt Achern.

Sechs Deichbaugenossen gibt es noch und Bernd Nies ist ihr Vorsitzender. 29 Mitglieder seien es einst gewesen, sagt er, und genau so viele Mühlräder und andere Anlagen zur Stromerzeugung habe es am Acherner Mühlbach zwischen Oberachern und Greffern gegeben. Das Gewässer ist laut Wikipedia 21,6 Kilometer lang und durchfließt Achern, Großweier, Unzhurst, Zell, Moos und Schwarzach. Die Zeiten werden schlechter für die verbliebenen Turbinenbetreiber. In diesem heißen Sommer konnten sie von Mitte April bis jetzt keinen Strom erzeugen.

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Trockene Sommer

Bernd Nies betreibt seine eigene Turbine in Oberachern seit 38 Jahren. Wenn an ihr eine größere Reparatur nötig werden sollte, will er sie stilllegen. Jahrzehntelang habe das Wasser im Mühlbach für den Betrieb der Turbinen gereicht, 2003 sei es erstmals zu einer Unterbrechung im Sommer gekommen. Seitdem die Mindestwassermenge für die Acher festgeschrieben sei und die Sommer trockener werden, lägen die Turbinen jeden Sommer einige Zeit trocken – 2018 so lange wie noch nie.

Stare sammeln sich an diesem 13 Grad kühlen Septembermorgen und überfliegen das Acherwehr in einem Schwarm. Ein Fischreiher fliegt heran. Er findet hier sein Frühstück. Aber auch mehrere Sportfischervereine aus Oberachern, Achern und Großweier sind an diesem Morgen früh auf den Beinen, um Fische aus dem Mühlbach zu fangen und umzusetzen.

Am heutigen Montag beginnen die Reinigungsarbeiten am und im Bachbett, für die das jährliche Abstellen des Wassers eingerichtet wurde. Am Donnerstag findet dann eine Begehung durch verschiedene Fachleute statt. Beteiligt ist das Fachgebiet Tiefbau der Stadtverwaltung, die Untere Wasserbehörde, die Deichbaugenossenschaft und der Zweckverband Acherner Mühlbach. Sie legen gemeinsam fest, welche Unterhaltsmaßnahmen am Gewässer nötig sind. Außerdem haben sie ein Auge auf die Ufergrundstücke und ob jeweils ab der Böschungsoberkante ein fünf Meter breiter Gewässerrandstreifen frei von baulichen Anlagen und Ablagerungen ist.

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