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Oberkirch

Nach Anklage wegen Betrugs: Onlinehandel ist vom Netz

Richterin sieht keine Fluchtgefahr bei wegen Betrugs angeklagten Geschäftsführern des Onlinehandels
19. Mai 2017
&copy Symbolbild Shutterstock jordache

Das Ladengeschäft ist geschlossen, die Homepage vom Netz genommen: Voraussichtlich im Herbst soll der Prozess gegen die zwei wegen Betrugs angeklagten Geschäftsführer eines Onlinehandels starten. Fluchtgefahr sieht die zuständige Richterin anderslautenden Gerüchten zufolge hingegen nicht.

Die Schaufenster des Ladengeschäfts sind abgeklebt, die Homepage des Onlinehandels aus Oberkirch, über die Hunderte Kunden in ganz Deutschland betrogen worden sein sollen, existiert nicht mehr. Wegen Betrugs in 276 Fällen, so die Anklage der Staatsanwaltschaft Offenburg, werden sich die beiden Geschäftsführer voraussichtlich noch in diesem Jahr vor dem Offenburger Amtsgericht verantworten müssen (die ARZ berichtete). Sie sollen per Vorkasse bestellte Ware nicht geliefert oder für zurückgeschickte Artikel den Kaufpreis nicht erstattet haben. Es geht um einen Schaden in Höhe von 47 000 Euro. 

Prozess wohl im Herbst

»Das Verfahren ist noch nicht eröffnet«, erklärt Ute Körner auf Anfrage der ARZ. Die Vorsitzende des Schöffengerichts will den Prozess voraussichtlich im Herbst führen. Über das zu erwartende Strafmaß für die Angeklagten im Falle einer Verurteilung könne sie erst nach einer genaueren Einarbeitung in die Akten Auskunft geben. Haftstrafen bis zu vier Jahren dürfe das Schöffengericht verhängen.

In Oberkirch machten derweil Gerüchte die Runde, einer der angeklagten Geschäftsführer wolle sich absetzen, womöglich nach Südafrika, und so dem Prozess entgehen. Die Gerüchte müssen auch zur Staatsanwaltschaft durchgedrungen sein, vermutet der ehemalige Vermieter des Ladengeschäfts. Jedenfalls hätten Beamte sich nach dem Aufenthaltsort von einem der beiden Geschäftsführer erkundigt. Dieser sei nach wie vor hier, er wolle sich dem Verfahren stellen und die Sache wieder ins Reine bringen. Davon habe sich auch die Staatsanwaltschaft überzeugt.

Diese bestätigt, dass kein Haftbefehl vorliegt. »Auch die Löschung der Homepage haben wir nicht veranlasst«, erklärt Staatsanwältin Miriam Kümmerle.  

Mittlerweile sei der Mietvertrag in beiderseitigem Einvernehmen aufgelöst worden. »Die Entwicklung einer Firma kann man ja im Vorhinein nicht voraussehen«, blickt der Vermieter zurück. Er selbst habe jedoch keine Probleme mit den nun Angeklagten gehabt, die Miete sei immer pünktlich überwiesen worden. Gehäuft hätten sich aber die Anrufe aufgebrachter Kunden des Onlinehandels bei ihm. Etwa 80 Stück, schätzt er, dürften es gewesen sein. »Er hat uns hier in der Region keinen Schaden zugefügt«, hält der Vermieter fest. 

Keine Fluchtgefahr

Auch die Überprüfung durch Gericht und Staatsanwaltschaft ergab, dass zum jetzigen Zeitpunkt keine Fluchtgefahr besteht. Haftbefehl wurde laut Richterin Ute Körner nicht erlassen. Untersuchungshaft werde außerdem nur dann angeordnet, wenn die Gefahr besteht, dass Beweismittel vernichtet werden oder Zeugen beeinflusst werden können. Das könne vor allem im organisierten Verbrechen der Fall sein.

Autor:
Simon Allgeier