Sasbach

Netz-Community diskutiert Cannabis-Vorfall auf Lender-Fahrt

Autor: 
Matthias Heidinger
Lesezeit 4 Minuten
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03. August 2017
Für sehr viel Traffic auf den Facebookseiten von Mittelbadischer Presse und Acher-Rench-Zeitung sorgte der Bericht über Lenderschüler, die auf einer Studienfahrt beim Cannabiskonsum erwischt wurden. Wir haben nun die Behörden gefragt, was sie von dem Vorfall halten.

Für sehr viel Traffic auf den Facebookseiten von Mittelbadischer Presse und Acher-Rench-Zeitung sorgte der Bericht über Lenderschüler, die auf einer Studienfahrt beim Cannabiskonsum erwischt wurden. Wir haben nun die Behörden gefragt, was sie von dem Vorfall halten. ©Archivfoto

Auf einer Studienfahrt in Spanien wurde Schüler der Acherner Lender-Schule mit Cannabis erwischt. Schlimm oder nicht schlimm? Darüber diskutierten auch die Facebook-User der Mittelbadischen Presse und der Acher-Rench-Zeitung. Die Meinungen gingen dabei teils weit auseinander.

Es ist ein Thema, über das geredet wird, auch online: Der Bericht auf Baden Online über die auf einer Studienfahrt in Spanien beim Cannabiskonsum erwischten Lenderschüler erreichte auf den Facebookseiten der Acher-Rench-Zeitung und der Mittelbadischen Presse sehr hohe Zugriffszahlen. Insgesamt wurden auf diesen Seiten bis Donnerstagmittag 42.500 Personen erreicht und 190 Kommentare abgegeben.

Dabei teilten sich die Kommentare hauptsächlich in zwei Lager auf. Die einen sehen das Kiffen eher als Kavaliersdelikt und als viel harmloser an als die Verlockungen des Alkohols, der gesellschaftlich eine andere Lobby habe. Die andere Fraktion verweist auf Regeln, die speziell für Schulen und deren Schüler zu gelten haben (siehe Infobox Facebook-Kommentare). Die ARZ hat nun bei Polizei, Regierungspräsidium und Erzdiözese weitere Reaktionen zu dem Vorfall eingeholt.

 

Das Polizeirevier Achern/Oberkirch ermittelt wegen des Verdachts auf Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz. Aktuell stehe der unerlaubte Besitz von Cannabis in geringer Menge im Raum. Es wird vermutet, dass die Drogen nach Spanien mitgenommen wurden. Die verantwortlichen Lehrer und die Schulleitung haben sich laut Polizei vorbildlich verhalten und eng mit der Polizei zusammengearbeitet. 

Polizei ermittelt noch

Tatverdacht richte sich gegen mehrere Schüler im Alter von 17 Jahren. Die Ermittlungen stünden noch am Anfang, heißt es von Revierleiter Guido Kühn, die Verdächtigen und Zeugen müssten erst noch befragt werden. Sollten die Ermittlungen zu einer Anzeige führen, sei das mögliche Strafmaß noch nicht abzuschätzen.  

 

»Die Strafe fällt bei Heranwachsenden in der Regel  geringer aus«, heißt es von der Polizei. Der unerlaubte Besitz von Betäubungsmitteln, auch von weichen Drogen wie Cannabis, ist selbst in geringen Mengen verboten, unterstreicht Kühn.
Das Regierungspräsidium (RP) Freiburg bleibt in seiner Stellungnahme zu den Vorfällen an der Heimschule Lender, die in Trägerschaft der Erzdiözese Freiburg steht, eher allgemein. Prävention als Teil des Bildungsauftrags der Schulen sei ein langfristiger Prozess, heißt es da. Schüler sollen Schutzfaktoren gegen Missbrauch von Suchtmitteln entwickeln, indem sie etwa aus einem gestärkten Selbstwertgefühl heraus Widerstand gegen Gruppendruck einüben. 

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Andere Maßstäbe

Bei schulischen Veranstaltungen wie Studienfahrten ist das Rauchen generell untersagt, heißt es von RP-Pressesprecher Markus Adler. Schüler gälten dabei selbst bei Volljährigkeit als Schutzbefohlene. Das heißt, was im privaten Rahmen unter Umständen von Erziehungsberechtigten toleriert wird, folge im schulischen Rahmen einem ganz anderen Bewertungsmaßstab, da es auch um die Interessen anderer Schüler geht. 

Die Schulleitung entscheide nach eigener Verantwortung, welche Maßnahmen im jeweiligen Fall geeignet sind, wenn das Rauchverbot missachtet wird. Dies könnten Erziehungsmaßnahmen sein wie hier der Ausschluss von der weiteren Studienfahrt. Zahlen über Vorfälle von Drogenmissbrauch liegen der Schulverwaltung des Landes nicht vor.

 

Das Erzbistum will den Vorfall weder bagatellisieren noch dramatisieren, sondern für sachliche Aufklärung sorgen, unterstreicht Pressesprecher Michael Hertl. Dies geschehe bereits innerhalb der Schule und auch im Zuge der polizeilichen Ermittlungen. Wichtig sei der Erzdiözese, keine Vorverurteilungen auszusprechen und die Privatsphäre der Schüler zu respektieren.

Eine Herausforderung

»Natürlich sind Vorfälle wie solche für Einrichtungen mit einem christlichen Profil besonders herausfordernd«, sagt Hertl. Für katholische Schulen sei die Persönlichkeitsentwicklung der Schüler aus dem Geist der Frohen Botschaft von zentraler Bedeutung. Sie sollen Verantwortung für sich und andere übernehmen. Suchtprävention gehöre dazu.

Trotz dieser Leitlinien seien aber auch katholische Schulen ein Spiegelbild der Gesellschaft. »Katholisch heißt nicht weltfremd, sondern mitten in der Welt«, heißt es von der Erzdiözese. Nun werde nach den Ursachen gesucht, um daraus zu lernen. Das Erzbistum Freiburg habe volles Vertrauen darauf, dass die Heimschule Lender die notwendigen Konsequenzen ziehen wird.

 

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