Achern

Nicht nur die Tulpen leiden

Autor: 
Michael Karle
Lesezeit 3 Minuten
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27. Januar 2014

Gelungene Premiere eines Psychodramas beim Illenau-Theater, von links Marion Wolf, Andree Steinke, Oliver Szell und Iunia Mihu. ©Michael Karle

Rauschender Beifall nach faszinierender Premiere – mit dem »Gott des Gemetzels« der französischen Autorin Yasmina Reza fand das Illenau-Theater am Samstag ein rundweg begeistertes Publikum.

Achern. Alexander Schneider, Vorsitzender des Illenau Theatervereins, hatte bei der Blumenübergabe im ausverkauften Maison de France höchste Anerkennung für Schauspieler, Regisseurin und Produktionsteam.
Blumen spielten schon während der Aufführung eine Rolle. Vom Gastgeberpaar eigens besorgt, um dem Konfliktgespräch die freundliche Grundlage einer gesprächsbereiten und pädagogisch ambitionierten Familie zu vermitteln, war an den Tulpen und ihrem Ergehen auch der Spannungsbogen des Stücks beeindruckend zu verfolgen. Zwei Elternpaare, so der Rahmen der Geschichte, trafen sich, nachdem einer der beiden elfjährigen Söhne dem anderen zwei Zähne ausgeschlagen hatte. Die Situation zu erörtern und die Söhne wieder ins richtige Verhältnis zu bringen, blieb allerdings nur Anlass der Zusammenkunft.
Tief sarkastisch
Über zwei Akte hinweg entfaltete das Ensemble ein Psychodrama, das vielschichtige Züge einer zuweilen tief sarkastischen Komödie ebenso erkennen lässt, wie die einer Tragödie oder einer Farce. Iunia Mihu und Oliver Szell boten als Annette und Alain Reille in spektakulären wie sehr subtilen Szenen ebenso durchweg überzeugende Schauspielkunst wie Marion Wolf und Andree Steinke, die als Véronique und Michel Houillé in allen »Waffengattungen« zu parieren oder anzugreifen verstanden.
Bei Kotzschüssel und Handy, Apfelkuchen und Rum entfalteten die bestens vorbereiteten Akteure vielfach auch Situationen, die in wahrstem Sinn »zum Schreien« waren, wenn etwa das John Wayne geprägte Männerbild angefragt wird, wie der Glaube an den »Gott des Gemetzels« begründet wird und sich das Geschehen von der bürgerlichen Fassade in »wahre« bis zu offen gewaltsamen Aktionen zwischen Paaren, Generationen und Geschlechtern steigerte.
Wohl kein Zuschauer blieb im Lauf des von Ina Lichtenstein inszenierten Stücks in seiner Ruhe. Im befreienden Lachen stockte zuweilen der Atem, aus freudvoll sicherem Beobachtergefühl entwickelten sich bei aller genussvoll erlebten Komik Gefühle der Betroffenheit, Trauer, der Wut oder der Nachdenklichkeit. Am Ende blieb die von Michel Houillé formulierte Frage: »Was weiß man schon?« Neben dem Mut, ein als Polanski-Film größte Bekanntheit erreichtes Werk in der ursprünglichen, ebenfalls schon preisgekrönten und von Frank Heibert und Hinrich Schmidt-Henkel ins Deutsche übertragenen Theaterversion zu präsentieren, gebühren der Regisseurin und ihrem Ensemble größte Anerkennung für eine durchweg lebendige, spannungsvolle und leidenschaftlich gespielte Inszenierung, die auch viel Fröhlichkeit brachte.
Viel Beifall
Viel Beifall auch für das Technikteam Pit Ferch, Raimund Kramer und Lucas Lievre sowie Produktionsleiterin Susanne Hartig. Gemäß der eigenen Ziele hat sich das Theater im Maison de France auch mit dem »Gott des Gemetzels« einmal mehr als überraschende und überragende Kulturstätte gezeigt, deren Produktionen man gesehen haben sollte.

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Aufführungen
Weitere Aufführungen sind am 31. Januar, 1./2. Februar, 7. bis 9. und 14. bis 16. Februar, jeweils 20 Uhr. Vorverkauf bei der Stadt Achern, Kultur, Achern-Schwarzwald-Information, den Buchhandlungen Büchermehr und Klebers Buchhandlung am Rathaus, sowie über das Reservix-Vorverkaufsstellen-Netz.  mk

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