Grimmelhausenrunde

Oberkircher beschäftigten sich mit der Rolle des Teufels

Autor: 
Manuela Bijanfar
Lesezeit 3 Minuten
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16. Mai 2019
Diplomtheologin Dorothea Scherle sprach bei der Grimmelshausenrunde in Oberkirch.

Diplomtheologin Dorothea Scherle sprach bei der Grimmelshausenrunde in Oberkirch. ©Manuela Bijanfar

Über die Rolle des Teufels in Religion und Literatur referierte Diplomtheologin Dorothea Scherle  aus Waldkirch bei der Grimmelshausenrunde im Silbernen Stern. Dabei ging sie auch der Frage  nach, ob Grimmelshausen an den Teufel geglaubt hat. In seinem Werk spielt er jedenfalls eine wichtige Rolle.

Wer ist der Teufel? Ist er der Gegenspieler Gottes, ein gefallener Engel, der Fürst der Hölle?  Oder die Personifikation des Bösen? All diesen Fragen ging Dorothea Scherle in ihrem  lebendigen Vortrag auf den Grund. »Im Alten Testament spielt der Teufel so gut wie keine Rolle,  er wird nur selten erwähnt. Im Neuen Testament hingegen taucht er 116 mal auf,« betonte die  Referentin. Der Teufelsglaube sei eine Erscheinung der abrahamitischen Religionen, also  Judentum, Christentum und Islam.

Die altpersische, von Zarathustra gegründete Religion der  Parsen mit ihrer stark ausgeprägten Dualität habe großen Einfluss auf den jüdischen Glauben an Gott als Symbol guter Mächte und den Teufel als Symbol böser Macht gehabt. Auf diese Weise  seien Elemente des Zoroastrismus in die Weltreligionen eingeflossen. Im Alten Testament war  vom »Satan« die Rede, was Ankläger, Verleumder oder Widersacher bedeutet. Erst im Neuen  Testament taucht der »Diabolos« auf, was »Teufel« bedeutet. 

In den jüdischen Apokryphen,  genauer im Buch Jesaja, wird erstmals das Motiv des Engelssturzes beschrieben: Der  Lieblingsengel Gottes »Lucifer«, übersetzt »Lichtbringer«, wird aufgrund seines Hochmuts aus  dem Himmel gestürzt, und von da an fungiert er als Fürst der Hölle.  Im Laufe der Zeit entwickelt sich der aus dem Himmel verstoßene Satan immer mehr zum  Widerpart Gottes und zum Inbegriff des Bösen.

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Im Narrengewand

Das Buch der Weisheit geht sogar soweit, zu  behaupten: »Durch den Neid des Teufels kam der Tod in die Welt.« Die Schlange aber, die Adam  und Eva zur Sünde verführt hatte, sei, nach Ansicht Dorothea Scherles, nicht mit dem Teufel  gleichzusetzen, sondern habe nach der Verbannung aus dem Paradies als Tier auf der Erde  weitergelebt. Allerdings habe im Laufe der Zeit auch das Fabeltier des Drachens teuflische Züge  angenommen, verdeutlichte Scherle.

Dann ging sie auf die Teufelsthematik in Grimmelshausens »Simplicissimus« ein. Der Dichter mache sich über den Teufel lustig, meinte Scherle, und verkleide sich selbst sogar als ein solcher. »Grimmelshausen ist meines Erachtens ein frühes  Beispiel einer Absage an den Teufelsglauben mit den Mitteln der Vernunft und der Satire. Für ihn gilt: Der Mensch ist des Menschen Teufel.« In dem er sich, vorsorglich immer im Narrengewand,  über den Teufel lustig macht, weist er ihm die Rolle des Schalk zu – eine Idee, die Goethe später  in seinem »Faust« aufgreift. Es sei eine Sensation, dass Grimmelshausen das zu seiner Zeit so sehen konnte, meinte Scherle.

In der Diskussion ging es  darum, die  Rolle des Teufels in Grimmelshausens Hauptwerk zu erläutern. Dort tauchen Teufelsgestalten an  immerhin 56 Stellen auf. Ob der Dichter allerdings selbst an den Teufel geglaubt hat oder nicht,  darüber gingen an diesem Abend die Meinungen auseinander. 

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