Eingemeindung im Renchtal

Ödsbach nur unter Zwang nach Oberkirch

Autor: 
Katharina Reich
Lesezeit 5 Minuten
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12. September 2013

(Bild 1/2) Das Ödsbacher Rathaus aus dem Jahr 1906 wurde im Jahr 2001 grundlegend renoviert und ist jetzt Bürgerbüro und Haus der Vereine. ©Katharina Reich

Die Ödsbacher Bürger haben sich bis zum Schluss gegen die Eingemeindung nach Oberkirch gewehrt. Ohne Erfolg: Zum 1. Januar 1975 wurde der Ort zwangseingemeindet. Mit Ödsbach hat Oberkirch fast ein Drittel seiner heutigen Fläche dazugewonnen.

Bei der Erwähnung des Worts »Zwangseingemeindung« huscht ein Lächeln über die Gesichter von Karl Gieringer und Franz Vogt. Der heutige Ortsvorsteher und der damalige Gemeinderat können heute darüber schmunzeln, was sich vor 40 Jahren vor allem für die älteren Ödsbacher Bürger wie eine Katastrophe anfühlte.

Trotz allen Widerstands wurde die Gemeinde Ödsbach am 1. Januar 1975 zum Ortsteil von Oberkirch und verlor damit ihre Selbstständigkeit. Vorausgegangen waren viele Diskussionen im Gemeinderat und eine Bürgerbefragung, die ein eindeutiges Ergebnis hervorbrachte: 94 Prozent der Bürger entschieden sich gegen die Eingemeindung. Die hohe Wahlbeteiligung von über 82 Prozent machte die Brisanz des Themas deutlich.
Ortsvorsteher Karl Gieringer war damals 19 Jahre alt. Er kann sich erinnern, dass die drohende Eingemeindung überall Gesprächsthema war.

»In allen Vereinen, bei jedem Treffen stand die Eingemeindung als Thema im Mittelpunkt«, erzählt Gieringer. Der damalige hauptamtliche Bürgermeister Werner Kauß setzte sich engagiert für den Erhalt der Selbstständigkeit seines Dorfes ein. Vor der Bürgerentscheidung warb er für die Autonomie: »Nur eine hohe Wahlbeteiligung und ein entschiedenes Nein sind ein gutes Spiegelbild nach außen und ein Zeichen der dörflichen Zusammengehörigkeit«, wurde Kauß in der Renchtal-Zeitung vom 18. Januar 1974 zitiert. Kauß verteidigte die angestrebte Eigenständigkeit vor allem mit dem Argument, Ödsbach habe bisher alle Leistungen selbst erbringen können.

Dazu gehörten zum Beispiel der Schulhausneubau und die Wasserversorgung Ödsbachs. Der Landtagsabgeordnete und der Landrat kamen nach Ödsbach, um die Verantwortlichen von einer Eingemeindung zu überzeugen – zwecklos. Die Gemeinderäte schlossen sich dem Ergebnis des Bürgerentscheids an und stimmten gegen die Eingemeindung. Zum 1. Januar 1975 wurde das, was niemand wollte, per Gesetz durchgesetzt: die Zwangseingemeindung.

Geschenke für Ödsbach hat es bei der Eingemeindung deshalb nicht gegeben. Hatten die anderen Gemeinden mit Oberkirch über gewünschte Investitionen verhandelt, fehlt im Eingemeindungsvertrag von Ödsbach eine Auflistung an Versprechungen. Dennoch kann Karl Gieringer keinerlei Benachteiligung seines Ortsteils ausmachen. 1982 hat Ödsbach seine Turn- und Festhalle bekommen, obwohl im Eingemeindungsvertrag dazu keine Versprechungen gemacht wurden. Und bei der Asphaltierung der Hofzufahrten in den 70er Jahren sei Ödsbach von der Kernstadt auch gut unterstützt worden, erzählt der Ortsvorsteher.

In den 40 Jahren seit der Eingemeindung hat die Bevölkerung Ödsbachs durch zwei Neubaugebiete um rund 300 Personen zugenommen. Und Oberkirch hat sich durch die Eingemeindung flächenmäßig ernorm vergrößert. »Mit Ödsbach hat Oberkirch eine riesige Fläche dazugewonnen, mit allen Vor- und Nachteilen«, sagt Ortsvorsteher Gieringer. Ödsbach liegt weit verstreut in einer Sackgasse auf einer Fläche von über 2000 Hektar. Insgesamt 40 Kilometer Hofzufahrten sind zu pflegen und beim Winterdienst zu berücksichtigen. Eine Bereicherung sei Ödsbach wegen seines großen touristischen Werts, nicht nur wegen des großen Hotels, sondern auch wegen der vielen im Tal vorhandenen Ferienwohnungen, von denen aus die Touristen die Weiten Ödsbachs erwandern können.

STICHWORT

»Für die Älteren war die Zwangseingemeindung eine Katastrophe«

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Franz Vogt war das jüngste Mitglied im Ödsbacher Gemeinderat, als es um die Eingemeindung nach Oberkirch ging.

Herr Vogt, waren Sie als Gemeinderat auch gegen eine Eingemeindung nach Oberkirch?
Franz Vogt: Als Gemeinderatsmitglied wird man gewählt, um den Bürgerwillen zu vertreten. Bei einem Abstimmungsergebnis der Bürger von 94 Prozent gegen die Eingemeindung, kann man gar nicht anders, als sich dem Willen der Bürger anzuschließen. Ich war also auch gegen die Eingemeindung.

Warum waren die Ödsbacher Bürger so geschlossen gegen die Eingemeindung?
Vogt: In Ödsbach gab es ein unglaubliches Zusammengehörigkeitsgefühl. Das hat sich in den 50er Jahren beispielsweise daran gezeigt, dass die Bürger Ödsbachs der Gemeinde Geld geliehen hatten, um einen Hof zu kaufen. Am Ende des Jahres kam dann immer jemand von der Gemeinde ins Haus und hat den Geldgebern ihre Tilgung samt Zins in bar vorbeigebracht. Das ist ja heute undenkbar, dass die Leute ihrer Gemeinde Geld leihen. Die Ödsbacher hatten einfach Angst davor, dass sie nach einer Eingemeindung nicht mehr selbst ihre Entscheidungen treffen konnten.

Schließlich ist es trotz des klaren Neins der Bürger zwangsweise zur Eingemeindung Ödsbachs gekommen. Wie haben die Bürger das aufgenommen.
Vogt:
Der Fehler war, überhaupt eine Bürgerbefragung zu machen. Eigentlich war den Beteiligten klar, dass die Eingemeindung nicht aufzuhalten ist. Die Bürger dennoch zu befragen, war falsch. Man hätte die Eingemeindung einfach durchziehen müssen. So war das für die Ödsbacher sehr unbefriedigend. Für die damals ältere Generation war die Zwangseingemeindung eine Katastrophe.

ORT IN FAKTEN

Die Gemeinde Ödsbach entstand 1933 aus den drei Ortschaften Ödsbach, Giedensbach und Wälden. In der Zeit von 1665 bis 1815 hatten die Ortschaften als Teil des Vordergetößes im Renchtal schon zu Oberkirch gehört. Vor 1665 gehörten sie zum Gericht Oppenau. Das Ortszentrum, wie man es heute kennt, entstand mit dem Bau des Rathauses 1906 und der katholischen Kirche St. Jakobus Maior im Jahr 1911.
▸ 1424 Einwohner,
▸ 1114 Einwohner bei der Eingemeindung,
▸ 2018 Hektar Gemarkungsfläche.

VERSPRECHEN

Ödsbach war der einzige Ort, der im Zuge der Gemeindereform zwangseingemeindet wurde. Bei der Bürgerbefragung stimmten 94 Prozent der Einwohner gegen einen Anschluss an Oberkirch und der Gemeinderat schloss sich dieser Entscheidung an. Weil die Eingemeindung kein Ergebnis von Verhandlungen, sondern ein Beschluss von oberster Stelle war, gab es für Ödsbach keinerlei Geschenke. Oberkirch hat mit der Eingemeindung Ödsbachs allerdings dazugewonnen und zwar an Fläche: ein Drittel der Gesamtfläche der Großen Kreisstadt liegt in Ödsbach. In den 70er Jahren ließ die Stadt die Hofzufahrten in Ödsbach asphaltiert und 1982 begann der  Bau der Turn- und Festhalle. kr

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