Entscheidung über Ulmer „Ruheforst“ zurückgestellt

Offene Fragen werden erst noch geklärt

Autor: 
Peter Meier
Lesezeit 3 Minuten
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11. Dezember 2019

Waldstück östlich der Kusseiche in Ulm ist als Ruhewald geplant. ©Peter Meier

Auf das erwartet große Interesse stieß die Sitzung des Ortschaftsrates am Montagabend, die deshalb auch in die Ullenburghalle verlegt wurde. Nach der emotional geprägten Informationsveranstaltung wenige Tage zuvor waren die über 50 Bürgerinnen und Bürger gespannt darauf, welche Empfehlung das Gremium an den Gemeinderat zur Entscheidung über den Bestattungswald „Ruheforst Renchtal im Schwarzwald“ ausspricht. 

Das Ergebnis war überraschend und wurde überwiegend erfreut zur Kenntnis genommen: Die Entscheidung wurde bis in den Januar zurückgestellt. Bis dahin soll eine ganze Reihe weiterer Fragen geklärt werden.
Keine Fragen zulässig
Schon die Bürgerfragezeit zum Auftakt wurde intensiv genutzt. Ein Bürger wollte wissen, warum keine Fragen zum „Ruheforst“ zulässig waren. Hier folge man in der Gesamtstadt der Empfehlung des Städte- und Gemeindetags, keine Fragen zu Themen zu ermöglichen, die Punkte der Tagesordnung betreffen, so Bürgermeister Bernd Siefermann. Damit solle erreicht werden, dass vor der Beratung die Mitglieder des Gremiums nicht beeinflusst werden. Am Schluss der Sitzung können dann in einer weiteren Bürgerfragezeit Fragen zu allen Themen gestellt werden. 
Zum Auftakt gaben Ortsvorsteher Roland Boldt und Bernd Siefermann ergänzend zur Informationsveranstaltung einige Hinweise. So sei der Abstand zum Festplatz „Kusseiche“ größer als bislang dargestellt, der Ortsvorsteher zeigte dies anhand eines Lageplans und mit Bildern. Im Wald hatte man mit Absperrbändern die Grenze des Bestattungswaldes abgesteckt. Der Ruheforst ende am Wanderweg, betonte auch Revierleiter Clemens Rottler. 
„Wir haben uns mit diesem Thema schon länger beschäftigt“, ging Siefermann noch einmal auf die Chronologie des Themas ein. Mit der Zustimmung von Ortschafts- und Gemeinderat habe man im Haushalt 2019 für die Herrichtung von Park- und Andachtsplatz 25 000 Euro bereitgestellt und festgelegt, diese alternative Bestattungsform weiter zu verfolgen.

Bedenken und Ängste

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Es folgten Gespräche mit beiden Kirchen, während die Absicht, in einer Sitzung des Ortschaftsrates zu informieren, wegen der Terminplanung der Geschäftsführung von Ruheforst verschoben werden mussten. Die Informationsveranstaltung habe dann gezeigt, dass es in der Bürgerschaft nach wie vor Bedenken und Ängste gebe, die man ernst nehmen müsse. Jetzt sei der Ortschaftsrat mit seiner Empfehlung am Zug, so Siefermann, die gewählten Vertreter der Bürgerschaft sollten in Ruhe und Sachlichkeit diskutieren und ihre Entscheidung treffen. Boldt erinnerte noch an eine Grundsatzentscheidung des Ortschaftsrates, der sich im Oktober 2018 grundsätzlich für eine Waldbestattung im Bereich der „Kusseiche“ ausgesprochen hatte. 
Anschließend verlas er den neuen Beschlussvorschlag (siehe Stichwort), der dem Ortschaftsrat zur Entscheidung vorlag. 

Kurze Diskussion

Recht kurz war die anschließende Diskussion. „Wir haben die Argumente aus der Bevölkerung ernst genommen“, betonte Volker Panther (FWV), er wolle keine Waldbestattungen auf diesem Platz in Ulm. So auch Dominik Sucher (SPD): Er wolle  auf keinen Fall einen Ruhewald auf der „Kusseiche“. Stefan Baudendistel bezeichnete es als vernünftig, negative Aspekte des vorgesehenen Standorts durch Kompromisse abzuschwächen, seine Fraktion stimme dem geänderten Beschlussvorschlag voll umfänglich zu. 
Die Entscheidung, derzeit keine Beschlüsse zum Ruheforst auf der „Kusseiche“ zu fassen und erst noch offene Fragen zu klären, erfolgte einstimmig.

Stichwort

Neuer Beschlussvorschlag

Dem Renchener Gemeinderat wurde in der Sitzung des Ulmer Ortschaftsrates am Montag im Unterschied zum bisherigen Verwaltungsvorschlag nicht mehr empfohlen, der Errichtung und Flächenfestlegung des geplanten Bestattungswaldes festzulegen und mit dem Kooperationspartner Ruhewald GmbH einen entsprechenden Vertrag abzuschließen und das Genehmigungsverfahren einzuleiten. 
Stattdessen wurde formuliert, diese Entscheidungen „vorerst zurückzustellen“. Es seien noch einige Punkte zu klären, so Ortsvorsteher Roland Boldt. Unter anderem sollen alternative Standorte überprüft werden und eine Abstimmung mit den Landwirten erfolgen. Die Infrastruktur im Hinblick auf eine Toilette sei ebenso noch unklar wie die Absperrungen, die genaue Entfernung zur „Kusseiche“ und die Auswirkungen auf die Friedhofsgebühren.

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