Serie Kultur und Corona

Opernsänger aus Rheinbischofsheim kommt ins Grübeln

Autor: 
Ellen Matzat
Lesezeit 5 Minuten
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21. April 2021
Wird sich Opernsänger Jean-Noël Briend langsam von der Bühne zurückziehen? Der 51-Jährige macht sich derzeit so seine Gedanken.

Wird sich Opernsänger Jean-Noël Briend langsam von der Bühne zurückziehen? Der 51-Jährige macht sich derzeit so seine Gedanken. ©Ellen Matzat

Kultur und Corona (23): Der Rheinbischofsheimer Jean-Noël Briend nutzt die Corona-Pause, um seine Lehrtätigkeit zu intensivieren und eine Professorenstelle anzustreben.

Seit März 2020 sang Opernsänger Jean-Noël Briend aus Rheinbischofsheim nur vier Mal auf der Bühne: beim Abschlusskonzert der 14-tägigen Internationalen Sommerakademie am Rhein (ISAR) am Sportplatz und im August bei drei kleineren Konzerten in Carolles in der Normandie in der Nähe vom Mont-Saint-Michel.

Sein letzter Auftritt in einer Oper war im November 2019 im Theater La Monnaie (De Munt) in Brüssel im dramatischen Oratorium „Jeanne D’Arc au Bûcher“ von Arthur Honegger. „Seither hatte ich kein Vorsingen, kein Vorstellen, kein Angebot und keine Möglichkeit, auf der Bühne zu sein“, erklärt Briend. Alle geplanten Konzerte wurden abgesagt. „Das bedeutete erst mal viel Stress für mich“, erinnert er sich und erklärt, dass der Beruf des Opernsängers viel Arbeit und viele Opfer mit sich bringt. „Und dann gibt es von jetzt auf gleich nichts mehr; das ist sehr hart“, betont er.

Er bekam im Juni einen Teil der Soforthilfe sowie Teile der November- und Dezemberhilfe. „Es war gut, es zu bekommen, auch wenn es nicht viel war“, zeigt er sich dankbar. Es wurde an der Gage ausgerichtet, welche er 2019 bei Auftritten in Deutschland sowie bei Auftritten im Ausland, die über eine deutsche Agentur liefen, verdiente, was bei ihm in den wenigsten Fällen der Fall war. Er trat 2019 in Halle sowie in Brüssel (Belgien), Tschechien und Südkorea auf, so dass er 75 Prozent der Gage aus Halle und den ISAR-Akademieeinahmen bekam. Mehr als nur dankbar ist er über den Lehrauftrag an der Musikhochschule in Straßburg, den er seit 2017 hat. „Daher gibt es viele Künstler, denen es noch sehr viel schlechter geht als mir, trotz des Berufsverbotes“, betont er.

Er unterrichtete erst sieben Stunden in der Woche und konnte nun auf neun Stunden aufstocken. Da es ein Lehrauftrag ist, bekommt er nur die Stunden bezahlt, die er unterrichtet, keinen Urlaub und anderes. Mitte März bis Mitte Mai 2020 konnte Briend online unterrichten. In dieser Zeit überlegte er, in Zukunft einen anderen Weg mit einem neuen Ziel gehen zu wollen. „Ich möchte zwar noch auf der Bühne stehen, möchte mich aber um eine Festanstellung als Gesangslehrer an einer Musikhochschule in Deutschland bewerben“, erklärt er.

Ausbildung begonnen

Die Corona-Zeit nutzte er um viel zu lesen und zu lernen, um seinem Ziel, der Professur, näher zu kommen. Zusätzlich begann er im September eine Ausbildung beim Bundesverband Deutscher Gesangspädagogen. Die Prüfung mit Abschlusszertifikat wurde wegen Corona vom März dieses Jahres auf Juni/Juli verschoben.

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Im September konnten sich die Studenten an einem Wochenende zum Präsenzunterricht treffen, an den anderen drei Wochenenden wurde online über Zoom unterrichtet, was sich als nicht ganz einfach entpuppte. Probeunterrichtsstunden für Freunde, Bekannte oder Mitstudenten wurden ebenfalls online abgehalten.

Während des harten Lockdowns in Frankreich, bei dem die Studenten nur eine Stunde pro Tag aus ihrer Wohnung durften, half Briends Unterricht den Studenten aus der Einöde. „Die Zeit von März bis Mai 2020 war auch eine sehr harte Zeit für mich, weil ich keine Ahnung hatte, was die Zukunft bringt“, erklärt er. Er war oft sehr traurig, wie auch seine Studenten. „Bei den Studenten ist jetzt noch schlimmer geworden, denn sie fragen sich, was sie in Zukunft tun können“, sagt er. Auch aus seiner Akademie kennt er Studenten, die sich gerade total nutzlos fühlen und kaum noch zu etwas Lust haben.
In Straßburg konnte er bis auf die Zeit von Ende Dezember bis Anfang Januar Präsenzunterricht geben, weil es sich um eine Profiausbildung handelt. „Ich denke, es ist die einzige Musikschule im Elsass, die das darf“, glaubt Briend. Es gilt ein Mindestabstand von vier Metern, Maskenpflicht, wenn man nicht singt, Desinfektionsgel und es gibt eine Plexiglasscheibe zwischen Dozent und Studenten.

Briend gab vor allem seine Ausbildung Kraft und Zuversicht. „Ich weiß nicht, was ich sonst gemacht hätte“, erklärt der Sänger und ist dankbar für seine Freundin, die ihn in seinen schweren Stunden ermutigte und ihm den Rücken stärkte. Wenn es wieder möglich ist, möchte Briend Hospitationen machen.

Sein großes Ziel, auf das er hinarbeitet, ist eine Professorenstelle an einer deutschen Musikhochschule. Der Nachteil daran ist, dass er wahrscheinlich umziehen muss. Konzerte ließen sich mit online-Unterricht oder verschieben des Unterrichts trotzdem realisieren. „Aber vielleicht ist es auch jetzt die richtige Zeit, für jüngere Sänger Platz zu machen, an einem Ort sesshaft zu werden und die Familie zu genießen“, überlegt der 51-Jährige. Auch zu seinen Studenten sagt er oft, dass das „auf der Bühne sein“ ein Teil des Lebens ist, aber nicht das ganze Leben sein darf. Die meisten Leute geraten ins Träumen, wenn Briend erzählt, dass er in Japan, Katar, Südkorea, Spanien oder Ägypten gesungen hat. „Aber die Reisen waren zum Arbeiten und nicht, um Urlaub zu machen“, betont der Opernsänger. Meistens sah er kaum etwas von diesen Ländern. „In Kairo besuchte ich mal das Museum und schaffte es auch, die Pyramiden zu besichtigen“, freut er sich.

Das Ende der Kultur?

Aktuell findet er es schade, dass Theater geschlossen sind und Opern nur noch ohne Publikum gesungen und im TV übertragen werden und hofft, dass dies nicht das Ende der Kultur ist. Ihm persönlich half die Corona-Zeit um in seinem Leben wieder klarer zu sehen, wo seine Reise zukünftig hingehen soll. „Das immer Unterwegssein, im Hotel, im Zug oder Flugzeug hat ein Ende“, stellt er für sich fest.

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