Verzicht auf das Tier nicht denkbar

Deswegen lebt ein Paar in Waldulm in einem Zelt

Autor: 
Michaela Gabriel
Lesezeit 4 Minuten
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20. November 2020

In einem Zelt auf einer Obstwiese bei Waldulm leben zwei Menschen und ein Hund. Sie hoffen, nicht noch einen zweiten Winter draußen verbringen zu müssen. ©Michaela Gabriel

Ein obdachloses Paar aus Ottenhöfen möchte auf „Mali“ nicht verzichten und nimmt dafür in Kauf, in einem Zelt auf einer Wiese in Waldulm zu leben. Es wird ein neues Zuhause gesucht.

Weil sie sich nicht von ihrem Hund trennen möchten, leben eine junge Frau und ein junger Mann in einem Zelt auf einer Obstwiese bei Waldulm. Vor eineinhalb Jahren verloren sie ihre Wohnung in Ottenhöfen und haben seitdem kein festes Dach mehr über dem Kopf. Eine ordnungsrechtliche Unterbringung durch die Gemeinde haben Oliver S. und Nicki W. abgelehnt – weil ihr geliebter Hund Mali nicht mitkommen durfte. Ihre Namen hat die Autorin geändert.

„Wir haben schon einiges im Leben durchgemacht”, berichtet das 30-jährige Herrchen von Mali. Er und seine 29-jährige Lebensgefährtin seien seit 15 Jahren ein Paar. Beide stammten nicht aus dem Raum Achern. Vor fünf Jahren sei der schwarze Jagdhund-Mischling als Welpe zu ihnen gekommen: „Er sollte uns ablenken und wir sind durch ihn mehr rausgegangen”, sagen sie. Das Tier stehe bei ihnen an erster Stelle. Auch wenn sie alles andere verloren hätten, fühlten sie sich mit dem Vierbeiner stark verbunden: „Wir könnten ihn niemals hergeben.”

Zwei Zelte und ganz wenige Dinge genügen dem Paar derzeit. Sie schlafen auf mehreren Decken, von denen die unterste durch den Kontakt mit dem Erdboden immer feucht ist. Sie zünden Teelichter an und stülpen Tongefäße darüber, um Wärme zu gewinnen, und kochen auf einem Gaskocher. Alle paar Tage besuchen sie eine Verwandte in Waldulm, um zu duschen und ihre Wäsche zu waschen. Auch dort sei ihr Hund unerwünscht, sagen sie.

Im Juli 2019, als Oliver S. und Nicki W. aus ihrer kleinen Wohnung in Ottenhöfen raus mussten und ihre Sachen bei einer Familie untergestellt hatten, wussten sie nicht wohin. Sie schlugen ihr Zelt zunächst im Wald oberhalb des Dorfes auf. „Wir haben gehofft, dass es nur für ein oder zwei Wochen ist”, erzählt er. An mehrere Stellen habe er um Hilfe gebeten, doch ein neues Dach über dem Kopf habe sich daraus nicht ergeben.

„Sturm war schlimm“

„Der erste Sturm da draußen war schlimm. In der Nähe von unserem Zelt wurden Bäume entwurzelt und einmal hat ein Blitz ganz nah eingeschlagen”, berichtet Oliver S. Ein Pilzsammler sei auf ihr Zelt aufmerksam geworden und sie hätten den Platz im Wald aufgeben müssen. Deshalb seien sie auf eine Wiese bei Waldulm umgezogen. Im ersten Winter habe er mehrmals darauf bestanden, dass seine Freundin bei ihrer Verwandten übernachtet. Mäuse hätten das Zelt angenagt und Temperaturen um null Grad habe er als sehr bissig empfunden.

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Für Nicki W. sind es besonders die Feuchtigkeit und der Schmutz an den Schuhen und Pfoten des Hundes, die ihr das Leben unter freiem Himmel schwer machen. Nach einem weiteren Umzug auf ein verwildertes Gelände würden sie nun seit mehreren Monaten geduldet. Doch die Vorstellung, einen zweiten Winter draußen verbringen zu müssen, ist für das Paar nicht angenehm: „Das ist wirklich eine Scheiß-Situation.”

Kürzlich wagten die beiden einen neuen Anlauf und gingen zur Beratung zum Caritasverband Acher-Renchtal. Sozialarbeiter Carmelo Scalisi zeigte ihnen Schritte auf, wie sie Leistungen bekommen können, die ihnen auch als Wohnungslose zustehen. Das Geld, das er bei der Obsternte im Sommer verdient habe, gehe jetzt zu Ende, so der 30-jährige. Eine Ausbildung habe er nicht, aber er sei schon bei der Müllabfuhr, als Fußbodenleger und als Altenpflegehelfer tätig gewesen: „Ich würde gern wieder handwerklich arbeiten.“

Wer dem Paar ein Dach über dem Kopf geben kann wird gebeten, sich an den Caritasverband Acher-Renchtal unter • 07841 6214-0 zu wenden.

„Wir haben als Gemeinde damals in vielfacher Weise Hilfestellung gegeben. Letztendlich konnte aber nicht verhindert werden, dass das Paar die Wohnung verlassen musste”, erklärt der Bürgermeister von Ottenhöfen, Hans-Jürgen Decker, zu dem Fall. Durch den Aufenthalt des Paares in Waldulm sei für die Beseitigung der Obdachlosigkeit nun die Ortspolizeibehörde Kappelrodeck zuständig.

„Wäre zu ändern“

Er habe Angebote zur Unterbringung gemacht, doch sie seien nicht angenommen worden, erklärt der Ordnungsamtsleiter der Gemeinde Kappelrodeck, Franz Berger. Die Obdachlosigkeit sei „freiwillig”, weil sie von den Betroffenen aus eigenen Kräften zu ändern wäre. Sie müssten dafür akzeptieren, dass ihr Hund nicht in einer Notunterkunft gehalten werden darf.

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