Achern

Patientenfunk Achern hat den Betrieb eingestellt

Autor: 
Roland Spether
Lesezeit 3 Minuten
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11. Dezember 2015

Der Patientenfunk auf Kanal 1 sendet nicht mehr vom Dach des Krankenhauses von links Thomas Michel und Klaus Pfund. ©Foto: Roland Spether

Der Patientenfunk in Achern war eine feste Institution für die Patienten im Ortenau Klinikum Achern. Nun ist diese Ära vorbei.

Die Regler am Mischpult stehen auf Null, 1200 CDs haben schon etwas Staub angesetzt und die Kopfhörer hängen buchstäblich am Nagel. Denn über Kanal 1 des Patientenfunks im Ortenau Klinikum Achern wird keine Sendung mehr live aus dem Studio im siebten Stock in die Zimmer übertragen, nachdem die Mitgliederversammlung des Fördervereins Patientenfunk am 13. November beschloss, den Verein aufzulösen.

»Es ist schon sehr viel Wehmut dabei«, so der Vorsitzende Klaus Pfund, als er mit seinem Stellvertreter Thomas Michel noch einmal am Moderatoren-Platz saß und die traurige Nachricht über den »Äther« schickte.

Damit ging eine Ära zu Ende und eine wirklich schöne Erfolgsgeschichte, die 1987 begann.

Saubere Abwicklung

Die rechtlichen Schritte wurden in die Wege geleitet, um den Förderverein ordnungsgemäß aufzulösen, alles sauber abzuwickeln und das Vereinsvermögen gemäß dem Satzungszweck einem gemeinnützigen Zweck zuzuführen. So legten die Gründerväter fest, das Vereinsvermögen nach einer Auflösung dem Ortenaukreis »zur Förderung der Patienten im Krankenhaus Achern« zukommen zu lassen. Im Interesse des Fördervereins Patientenfunks wäre es, die 4000 Euro Geldvermögen und die Erlöse aus dem Inventar dem Förderverein Ortenau Klinikum Achern zu übertragen, so Klaus Pfund und Thomas Michel. Aber diese Frage und was mit den mehr als 1200 CDs und dem technischen Equipment geschieht, soll nun im Zuge der Liquidation geklärt werden.

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»Viel Herzblut«

»Ich möchte jetzt meine Ruhe finden«, meinte Klaus Pfund, der von Anfang an dabei war und wie Moderatoren und Helfer wie Karl Glaser, Hilde Glaser, Georg Apfelböck und Rita Feix sehr viel Herzblut und noch mehr Stunden in fast 30 Jahren ehrenamtlicher Arbeit investierte. Herausragend war das Engagement von Karl Glaser, der jeden Mittwoch die volkstümliche Sendung moderierte und zu denen gehörte, die unendlich viel Zeit und Liebe an den Mikrofonen einbrachte. 

Wunschkonzert beliebt

Weshalb im siebten Stock des Krankenhauses künftig Funkstille herrscht und ein einmaliges ehrenamtliches Projekt der Geschichte angehört, sei das Ergebnis vieler Faktoren. Wie bei anderen Vereinen fehlte einfach der Nachwuchs, der nicht nur ein paar Mal sondern regelmäßig Sendungen vorbereitete und moderierte. So waren etwa für das aufwendige, aber beliebte Wunschkonzert am Sonntag von 9 bis 12 Uhr gut und gerne sechs Stunden Zeitaufwand erforderlich. Doch wer möchte sich immer wieder sonntags und über eine längere Zeit hinweg binden, war von Klaus Pfund und Thomas Michel zu hören.

Angesprochen wurde auch die räumliche Situation auf dem Dach des Krankenhauses und der immer wieder vorgebrachte Wunsch, einen anderen Raum zu bekommen, um auch näher bei den Patienten zu sein. Doch der ging nicht in Erfüllung, wohl aber konnte sich der Verein durch viele Spender ein Studio einrichten, das lange einen Top-Standard und auf dem Rechner stolze 100 000 Titel für die computergestützte Moderation gespeichert hatte.

Hintergrund

Besondere Sendungen

Ob Showmaster Dieter Thomas Heck im Studio des ­Patientenfunks alte Hitparaden-Zeiten aufleben ließ, »Gepardenmensch« Matto H. Barfuss von seinen Abenteuern in Afrika erzählte oder Radiolegende Karl-Heinz Wegener die Musikwünsche erfüllte, über Kanal 1 wurden auch ganz besondere Sendungen ausgestrahlt.
Unvergessen bleiben die Weihnachtssendungen mit den Wünschen der Bürgermeister und Pfarrer an die Patienten, mit Liedern und Geschichten zu Weihnachten und mit so mancher Plauderei aus dem Nähkästchen von Oberbürgermeisters Kochkünsten.  Herausragend unter den vielen weihnachtlichen »Musik-Päckle« war die Sendung im Jahr 2000, als »Nepomuk der Bruddler« alias Otmar Schnurr glänzend seine Premiere als lebender Notenständer für den singenden Oberbürgermeister von Achern, Reinhart Köstlin, bestand, der sich selbst auf dem Banjo begleitete. Wenige Wochen zuvor lief die 1000. Sendung des Patientenfunks, an der auch die Ehrenvorsitzende Hertha Scholze-Kallenbach und Eberhard Perk vom Förderverein teilnahmen, deren Namen ganz eng mit viel Einsatz für Kanal 1 verbunden sind.
Was es für ehrenamtliche Moderatoren bedeutete, 1000 Musiksendungen zu produzieren und zu senden, verdeutlichte damals Klaus Pfund anhand einiger Zahlen.
So wurden bis 30 190 Musiktitel gespielt, die in 4194 Stunden Wunschkonzert, 1926 Stunden Deutsche Schlager und 477 Stunden Rock und Pop gesendet wurden. Summa summarum waren dies 6597 Stunden auf Kanal 1 des Patientenfunks, die gleiche Summe kam bis heute dazu.
Wie beliebt der Patientenfunk war, lässt sich auch daran sehen, dass regelmäßig Vereine und Gruppen kamen, um live zu singen und zu musizieren, Gedichte und Geschichten vorzulesen oder auf eine andere Art die Patienten aufzumuntern.
Walter Scholz sendete seine goldene Trompetenklänge aus dem Studio, die Klostertaler erfreuten mit Alpenrock, die Noname-Bigband präsentierte stolz ihre erste CD und auch die legendären »Hasenstall-Musikanten« aus dem Sasbachwaldener Tal durften nicht fehlen. Was bleibt ist die Erinnerung an sehr schöne Stunden im Studio und an viele gute Gedanken der katholischen und evangelischen Seelsorger an die Patienten.

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