In der Oberkircher Mediathek

Rege Diskussion über Flucht und ihre Folgen

Autor: 
Manuela Bijanfar
Lesezeit 3 Minuten
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21. November 2018

Sie diskutierten über Flucht und ihre Folgen: von links Helmut Hannig, Brigitte Gutmann, Pooya Khalaji, Eva Schniedertüns-Gornik und Karin Jäckel. ©Manuela Bijanfar

Das Autoren-Netzwerk Ortenau/Elsass hatte am Freitagabend wieder zu einer Podiumsdiskussion  eingeladen, dieses Mal zum Thema »Flucht und ihre Folgen«: ein Thema, das viel mehr Zuschauer  verdient gehabt hätte.
 

Die Autorin Ronja Erb eröffnete den Abend mit Gedanken zum Thema »Heimat«. »Es gibt  Heimat auf Zeit und Heimat auf Dauer. Heimat bekommt man nicht, man schafft sie sich.«  Gitarrenklänge von Frank Domnik stimmten die wenigen Zuhörer auf die Diskussion ein, die von  Karin Jäckel moderiert wurde. Auf dem Podium saßen: Helmut Hannig, Jahrgang 1939, der 1946 als siebenjähriges Kind mit den Eltern aus seiner Heimat im Sudetenland flüchten musste, Brigitte  Gutmann, die Flüchtlinge aus Syrien betreut, Pooya Khalaji aus Isfahan, der seine Heimat Iran  aus religiösen Gründen verlassen musste, und Eva Schniedertüns-Gornik, die ebenfalls als Kind  aus Polen über die DDR nach Deutschland kam
Auch Karin Jäckel hat einen Flucht-Hintergrund:  Ihre Mutter flüchtete mit den Kindern durch einen Tunnel von Ost- nach West-Berlin. »Wir  lebten zunächst ein Leben in bitterster Armut«, erzählte sie. Alle fünf Teilnehmer verbinde ihre  Liebe zu Kunst und Literatur. 
Helmut Hannig, mit 79 Jahren der Älteste auf der Bühne,  berichtete von seinen Empfindungen bei Kriegs-Nachrichten: »Dabei steht mir immer wieder das eigene Schicksal vor Augen, und ich frage mich: Hat die Menschheit nichts dazu gelernt?«
Brigitte Gutmann war angenehm überrascht von der Gastfreundschaft der Flüchtlinge, die sie  betreute. »Das Verlustgefühl war sehr stark bei ihnen. Fast alle hatten nicht nur ihre Heimat,  sondern auch ihre Häuser und ihre gesamte Habe verloren.«
Pooya Khalaji wurde zum  Verfolgten des fundamentalistischen Regimes in Iran. »Religiöse Freiheit gibt es dort kaum.  Christen und Bahai werden systematisch verfolgt und können sich nur privat und an geheimen  Orten treffen, um ihre Religion auszuüben.« Nach dem Aufenthalt in Deutschland befragt meinte Khalaji, dass es ihm nicht leicht gemacht worden wäre: »Ich wurde zunächst von meiner  Schwester getrennt. Erst nach unserem Protest konnten wir wieder in der gleichen Stadt leben.«  Trotzdem fühlt er sich Deutschland zu tiefem Dank verpflichtet. »Durch den Besuch des  Deutsch-Kurses haben wir viele deutsche Freunde gefunden, meine Schwester sogar ihren deutschen Mann. Wir sind hier glücklich und zufrieden.« Allerdings habe sich die Situation in Iran durch Aktionen des US-Präsidenten rapide verschlechtert. »Viele Menschen müssen aus  gesundheitlichen Gründen flüchten, da bestimmte Medikamente nicht eingeführt werden dürfen,  die sie dringend brauchen«. sagte Khalaji.

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»Integrationsprozess ist harte Arbeit«

Zum Thema Integration meinte Hannig: »Es ist die  Auseinandersetzung mit einer fremden Welt und mit viel Kraft-Aufwand verbunden. Dazu  braucht es Zeit.« Gutmann, die fünf Jahre als Ausländerin in Ägypten gelebt hat, schilderte den Integrationsprozess in eine fremde Kultur als Herausforderung und »harte Arbeit«. Schniedertüns-Gornik betonte, dass Integration nur über die Sprache funktioniert.
Als Fazit  stellte Helmut Hannig fest: »Wir sind auf dieser Welt eine Einheit, und wir müssen uns  gegenseitig helfen.« Karin Jäckel meinte: »Wir müssen Hände ausstrecken und ergreifen.«
Und so  erklang symbolisch am Ende der Veranstaltung das Lied »If I had a hammer«, in dem davon die  Rede ist, sich laut für Frieden und Völkerverständigung stark zu machen. 

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