Hochwasserschutz vs. Stadtbild

Renchdamm Oberkirch: Stadt und RP suchen Kompromiss

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20. September 2019
Ein Gutachter hält die Bäume am Renchdamm für ein Sicherheitsrisiko bei Hochwasser. Die Stadt und der Landesbetrieb Gewässer suchen nun nach Lösungen.

(Bild 1/2) Ein Gutachter hält die Bäume am Renchdamm für ein Sicherheitsrisiko bei Hochwasser. Die Stadt und der Landesbetrieb Gewässer suchen nun nach Lösungen. ©Patric König

Die uralte Lindenallee am Renchdamm würde sich heutzutage sicher in keinem Ingenieur-Lehrbuch mehr finden. Aus Sicht eines Gutachters stellen sie beim Hochwasserschutz ein Risiko dar. Nun suchen Stadt und Regierungspräsidium einen Kompromiss. 

Dass sich der Hochwasserschutz an der Rench und die uralte Baum­allee nicht ideal miteinander vereinbaren lassen, ist den Verantwortlichen vom Regierungspräsidiums Freiburg schon länger klar. Nachdem sie sich 2017 die rechte Seite des Staudamms zwischen dem Schwimmbad und der Oberdorfstraße genau angeschaut hatten, hieß es: »Wir sind auf der Seite der Bäume.« Diesen Satz würde der Geotechniker, der im Nachhinein eingeschaltet wurde, in dieser Deutlichkeit vermutlich nicht unterschreiben. 

Der Gutachter schätze die Baumallee auf der Dammkrone zwischen Schwimmbad und Oberdorfstraße als »Sicherheitsrisiko« ein, so RP-Sprecher Matthias Henrich. Sie widerspreche den technischen Standards: »Ein umgestürzter Baum kann den Damm so schädigen, dass es im Hochwasserfall zu einem Versagen des Dammes kommen kann.«

Ob die Bäume in diesem Bereich trotzdem stehen bleiben können, ist noch offen. Konkrete Pläne, sie zu fällen, gibt es ebenfalls noch nicht. »Die Vereinbarkeit beider Ziele, Erhalt der Bäume und ein standardgerechter Hochwasserschutz, ist nach derzeitigem Stand nicht zu 100 Prozent erfüllbar«, macht Henrich klar. Der Landesbetrieb Gewässer und die Stadt Oberkirch suchen nun an einer Kompromisslösung. 

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Eine bauliche Lösung hätte »erhebliche Eingriffe in den Baumbestand« zur Folge, sagt Oberkirchs Bau-Fachbereichsleiter Peter Bercher. Die Stadt favorisierte aus Sorge ums Stadtbild einen anderen Weg. Die Stadtverwaltung steht laut Bercher mit dem Regierungspräsidium in Verbindung und arbeitet momentan mögliche Lösungsansätze auf, die dem Gemeinderat Anfang 2020 vorgelegt werden sollen. Das Mitspracherecht ist nicht selbstverständlich: Für die Unterhaltung von Gewässern erster Ordnung wie der Rench ist das RP zuständig. »Ich bin froh, dass wir bei unseren Ansprechpartner auf Verständnis für die sensible Situation stoßen«, sagt Bercher deshalb.

Regelmäßige Kontrollen

Im Gespräch – das hatte sich schon 2017 angedeutet – ist ein Hochwassermanagement. Henrich: »Zum einen müssen von der Gemeinde Maßnahmen zur Vorbeugung von Sturmschäden ergriffen werden.« Dazu gehöre die regelmäßige Kontrolle von Bäumen vor und während des Hochwassers und das rechtzeitige Fällen schadhafter oder kranker Bäume. »Zum anderen muss im akuten Schadensfall schnell und fachgerecht reagiert werden. Im Idealfall wird dies in einem Alarm- und Einsatzplan geregelt.«

Auf diese Lösung deutet momentan einiges hin: Erste Übungen der Freiwilligen Feuerwehr Oberkirch am Renchdamm fanden nach ARZ-Informationen bereits statt. Weitere sollen folgen.

Stichwort

Renchdamm ist hoch genug

Das Regierungspräsidium Freiburg hat zunächst den Renchdamm-Abschnitt vom Koehlerwehr bis zur Oberdorfstraße untersuchen lassen: »Die Untersuchung hat ergeben, dass der Damm ausreichend hoch ist und die erforderlichen Standsicherheitsnachweise für den Dammkörper erfüllt sind«, so RP-Sprecher Matthias Henrich. 

Der Bereich zwischen Koehlerwehr und Freibad sei auch bezogen auf die Baumallee unkritisch. Diese wurde nur zwischen Schwimmbad und Oberdorfstraße als Risiko identifiziert, weil hier das Hinterland tiefer liege. Noch untersucht wird der Abschnitt zwischen Oberdorfstraße und Schlüsselbrücke, in dem das Hinterland aber höher sei. 

Sanierungsbedürftig sind die Renchdämme zwischen Lautenbach und Stadelhofen aus Sicht des RP dennoch. Neben der klassichen Sanierung werden dabei auch Möglichkeiten einer Dammrückverlegung untersucht. Sie könnten bei Hochwasser zusätzliche Entlastung bringen. Eine Variantenstudie für den Abschnitt zwischen Lautenbach und Oberkirch sei in Bearbeitung. pak

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