Ökokonto könnte Premiere feiern

Revierleiter stellt in Ibach mögliches Biotop vor

Autor: 
Bernhard Huber
Lesezeit 4 Minuten
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24. Mai 2018
Mitten im »Schmuckstück« im Ibacher Wald: Revierleiter Lukas Ruf (links) informierte den Ortschaftsrat über die Buchen-Durchforstung im Distrikt »Birkhof«.

Mitten im »Schmuckstück« im Ibacher Wald: Revierleiter Lukas Ruf (links) informierte den Ortschaftsrat über die Buchen-Durchforstung im Distrikt »Birkhof«. ©Bernhard Huber

Im Distrikt »Birkhof« in Löcherberg informierte Forstrevierleiter Lukas Ruf den Ibacher Ortschaftsrat beim Waldbegang über Hintergründe und Erfolg der im zeitigen Frühjahr erfolgten Durchforstung. Danach ging’s zum Waldbiotop »Heidenstein« mit dem die Stadt demnächst Ökopunkte sammeln will.

Die vom satten Blattgrün der Buchenkronen getränkten Sonnenstrahlen dringen angenehm wärmend bis zum Erdboden vor. Die Durchforstung hat Platz geschaffen für richtig viel Licht. Denn darauf bauen die Z-Bäume (Zukunftsbäume). Je stärker sich die Krone ausprägen kann, desto mehr wächst der Baum in den Umfang hinein. 2,1 Hektar umfasst der Buchenwald-Abschnitt im steilen Hang des Distrikts »Birkhof« unweit der Braunbergstraße. Geschlagen wurden 210 Festmeter, genau nach Hiebsplan. Konstante Abnehmer der Buchen sind eine Kistenfabrik und ein Schälfurnier-Werk. 

»Ein Schmuckstück ist das hier«, schwärmte Förster Lukas Ruf beim Waldbegang mit dem Ortschaftsrat, »nicht zuletzt auch wegen der Braunerde als sehr fruchtbarer Boden«.  Mancherorts sei es schwer, Zukunftsbäume festzulegen, »hier findet man sehr viele davon«. »In drei Jahren«, so ist Lukas Ruf überzeugt, »werden die jetzt durch die Durchforstung entstanden Lücken wieder verschwunden sein«. Die Buche müsse man einfach in kürzeren Abständen pflegen, damit die Kronenbereiche frei werden. Um die 60 bis 70 Jahre ist der Buchenwald übrigens alt.  

Guter Preis für Douglasie

Zu seinen Tätigkeiten als Revierleiter gehöre mit die Erfolgskontrolle und dabei auch »wie das Holz geschlagen wurde«, erklärte Ruf den Ortschafträten. Am Bild eines Wurzelstocks zeichnete er die Schritte der Fällung nach, erklärte das Lenken der Fallrichtung sowie Fachbegriffe wie Durchstechen, Bruchleiste oder Fällschnitt. Die »Haltebandtechnik« gehöre heute gerade bei der Fällung von Laubholz zum Standard. »Sie ist die Lebensversicherung für die Forstwirte«, meinte Ruf.  Im Weiteren wurden im Distrikt »Birkhof« auf elf Hektar Tannenmischwald (Tanne/Fichte/Douglasie) an die 800 Festmeter geerntet, wie der Revierleiter berichtete. Hier hob Ruf den äußerst interessanten Preis der Douglasie hervor. Obwohl sie nur 25 Prozent der Menge beim Nadelholz habe, mache sie 40 Prozent von dessen Gesamterlös aus. Mit dazu beigetragen habe die enge Zusammenarbeit mit einem Kunden, der die Douglasie für den Blockhausbau verwendet. »Die Anforderung sind da allerdings sehr hoch, geradschaftig und wenig Drehwuchs, jeder Stamm wird durch den Einkäufer einzeln begutachtet«. 

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»Durch eine sehr differenzierte Sortimentierung ist ein Mehrerlös zu erzielen«, fasste Ruf den Gesamthieb im »Birkhof« zusammen. Ein kleines Rätsel gab der Förster noch auf in der Erkennung der Holzart einiger gepolterter Langholzstämme. Weymouthskiefern waren es. Früher habe man einmal große Hoffnung gesetzt in diese Baumart meinte er. Doch eine Pilzerkrankung zwinge dazu, sie Stück für Stück herauszunehmen. Verwendet werde das Holz der Weymouthskiefer zum Herstellen von Bienenkästen oder von Maskenschnitzern.  

Ortswechsel und auch Themenwechsel. Zielpunkt im zweiten Abschnitt des Waldbegangs war die andere Talseite, nämlich das Biotop »Heidenstein nördlich Langhärdle« oberhalb vom Löcherwasen, direkt an der Gemarkungsgrenze zu Oberharmersbach. Es ist eine exponierte Felsnase aus Buntsandstein in Form von typischen, waagerechten Schichtpaketen, etwa sechs Meter hoch und stellenweise durch natürliche Ausräumung weicheren Materials mehrere Meter überhängend. Nach Vorstellung von Revierleiter Lukas Ruf könnte die Stadt Oppenau mit diesem Biotop erstmals Ökopunkte generieren, die dann an einen Vorhabenträger verkauft werden. Aktuell brachte Lukas Ruf das Erweiterungsvorhaben der Firma Mulag ins Gespräch. Allerdings, nur die laufende Pflege eines Projektes reiche nicht aus. Es sei notwendig, begleitet durch ein Büro den Ist-Zustand festzustellen, Maßnahmen zu überlegen und je nach Aufwand gebe es dann Punkte. 

Den Unternehmen helfen

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Den Felsen großflächig vom derzeitigen Fichten- und Tannenbestand frei zu stellen, das wäre beim »Heidenstein« nach den Überlegungen des Revierleiters eben diese naturschutzfachliche Aufwertung. Das bedeute dann mehr Wärme für die Felsspaltenvegetation und auch für Lebewesen wie die Kreuzotter. »Wir haben im Wald viele Möglichkeiten, um Ökopunkte zu generieren, wir tun etwas Gutes und bekommen dafür auch noch Geld«, warb Lukas Ruf für die Idee. Dem pflichtete Ortsvorsteher Martin Springmann bei: »Wir sollten so etwas nutzen, schließlich können wir dadurch örtlichen Unternehmen helfen«.

Stichwort

»Ökokonto-Verordnung« (ÖKVO)

Die Ökokonto-Verordnung (ÖKVO) trifft landeseinheitliche Regelungen für die Anerkennung und Bewertung von zeitlich vorgezogenen Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege 
(Ökokonto-Maßnahmen), die zu einem späteren Zeitpunkt einem Eingriffsvorhaben als 
Kompensationsmaßnahmen zugeordnet werden sollen.  Das Ökokonto eröffnet die Möglichkeit, Maßnahmen zur Aufwertung von Biotopen, zur Verbesserung von Bodenfunktionen und Wasserhaushalt oder zur Förderung seltener Arten vorzunehmen. Neben der vorzeitigen Aufwertung des Naturhaushaltes hat das Ökokonto auch Vorteile für Vorhabenträger, die einen Eingriff planen. Aufgrund der Handelbarkeit des Aufwertungsgewinns können Vorhabenträger, die nicht über geeignete Flächen für Kompensationsmaßnahmen verfügen, auf das Ökokonto zurückgreifen. 

Quelle: Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg

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