Hans-Schwindt-Haus

Rheinbischofsheim benennt Gemeindehaus nach mutigem Pfarrer

Autor: 
Dieter Heidt
Lesezeit 3 Minuten
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23. Juli 2019
Hans-Schwindt-Haus lautet der neue Name des Rheinbischofsheimer Gemeindehauses. Pfarrer Martin Grab (links) hatte den Lebens- und Leidensweg des Namensgebers erforscht. Dessen Sohn Hans-Martin Schwindt war beeindruckt von der Würdigung.

Hans-Schwindt-Haus lautet der neue Name des Rheinbischofsheimer Gemeindehauses. Pfarrer Martin Grab (links) hatte den Lebens- und Leidensweg des Namensgebers erforscht. Dessen Sohn Hans-Martin Schwindt war beeindruckt von der Würdigung. ©Dieter Heidt

Das Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde Rheinbischofsheim heißt jetzt Hans-Schwindt-Haus. Der Schriftzug ist am Eingang angebracht, im Foyer hängt ein Porträt. Der Name erinnert an eine dunkle Zeit in Deutschland und einen mutigen Geistlichen aus dem Ort.

In Erinnerung an den von 1934 bis 1942 in Rheinbischofsheim tätigen Pfarrer wurde das 1964 errichtete Gemeindehaus in Hans-Schwindt-Haus umbenannt. Es dient der Kirchengemeinde Rheinbischofsheim mit Hausgereut und Holzhausen als Gemeinschaftshaus, umfasst einen Sitzungssaal mit Küche sowie im Keller einen Jugend- und Bastelraum.

Symbolisches Datum

Die Idee der Umbenennung rührt aus einer Begebenheit beim Gedenken an die im Krieg gefallenen Soldaten. »Bei der Auflistung der Namen ist mir aufgefallen, dass der von Pfarrer Hans Schwindt fehlt, dann habe ich nachgeforscht«, erklärte Pfarrer Martin Grab bei der Feierstunde am Freitagabend. Ihm war wichtig, die Umbenennung am Vorabend des 75. Gedenktages des Widerstandes gegen das Hitler-Regime vorzunehmen. Zur Feierstunde waren auch der Sohn Hans-Martin Schwindt mit Gattin Nicole sowie Kinder und Enkelkinder anwesend. 

»Diese Stunde führt uns in das dunkle Kapitel der Naziherrschaft, in der die christliche Kirche einen schweren Stand hatte, unter der auch Pfarrer zu leiden hatten«. 

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Jonas Grab erinnerte an die Zeit von 1933 bis 1935, an das Verhältnis der Kirche und den mutigen Widerstand vieler Pfarrer, die sich zu dem »Pfarrernotbund« zusammengeschlossen hatten und dem damaligen Reichsbischof Ludwig Müller den Gehorsam verweigerten. Einer dieser mutigen Pfarrer war der damalige Rheinbischofsheimer Geistliche Hans Schwindt.
Pfarrer Martin Grab und Sekretärin Saskia Francken zeichneten in Lesungen, Dokumenten und Bildern die Lebensgeschichte des 1942 an die Ostfront abkommandierten und im November bei einem Fliegerangriff in Tinguta bei Stalingrad ums Leben gekommenen Hans Schwindt auf. Darunter sind Dokumente, die belegen, wie er sich schriftlich gegen Denunzierungen wehrte und trotz Pflichtdienst in der Hitlerjugend einen Großteil der Jugend christlich konfirmierte.

1942 im Krieg getötet

»Religionsunterricht war damals ein Kampfgebiet zwischen Kirche und Nazi-Staat«, so Grab. Als letzte Dokumente von Schwindt gelten die Unterschrift unter einer Rechnung von Maurer Kurt Müll und die Taufe von Dieter Rub im Oktober 1942. Beide Dokumente entstanden, als Soldat Hans Schwindt bei einem Heimaturlaub war.

»Liebe Bischemer, ich bin sehr berührt, wie die Geschichte meines Vaters hier gewürdigt wird«, zeigte sich der in Lahr wohnende Sohn Hans-Martin Schwindt beeindruckt. Er erzählte Geschichten, die er als Bub, der seinen Vater nicht kennenlernt hatte, in Rheinbischofsheim erlebt hatte – vom Ährensammeln oder dass Christa Vollet ihn öfter vom Kindergarten abgeholt hatte sowie vom Spaß beim Glockenläuten. 

Umrahmt wurde die Feierstunde mit Liedern des von Irina Held geleiteten Kirchenchors sowie zwei Musikstücken von Tatjana Schlegel (Piano) und Wolfgang Joho (Violine). Die Vorsitzende der Kirchengemeinde Rheinbischofsheim, Helga Hemler, lud danach zum kleinen Imbiss ein.

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