100. Geburtstag in Nußbach

Rosa Bayer fuhr mit 91 Jahren noch den Schlepper auf dem Acker

Autor: 
Heinz G. Huber
Lesezeit 3 Minuten
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12. September 2019
Rosa Bayer feiert in Nußbach heute ihren 100. Geburtstag. Bis zu ihrem 91. Geburtstag war sie noch mit dem Schlepper auf dem Feld unterwegs.

Rosa Bayer feiert in Nußbach heute ihren 100. Geburtstag. Bis zu ihrem 91. Geburtstag war sie noch mit dem Schlepper auf dem Feld unterwegs. ©Heinz G. Huber

Rosa Bayer, eine außergewöhnliche Frau, wird heute 100 Jahre alt

Bis zu ihrem 91. Geburtstag sah man sie noch in Sasbach mit ihrem „Kramer-Schlepper“ aus  dem Jahr 1956 auf das Feld fahren. Nach zwei Stürzen fand sie 2013 Aufnahme bei ihrem  Sohn Kurt in Nußbach, wo sie von ihm und seiner Frau Waltraud liebevoll gepflegt wird.  Die tägliche Lektüre der Heimatzeitung gehört auch in ihrem 100. Lebensjahr zu ihrem  Leben wie der sonntägliche Besuch des Gottesdienstes in Nußbach. 

Mundartwörterbuch

Rosa Bayer wurde 1919 als Tochter des Sasbacher Totengräbers  Hermann Fischer und seiner zweiten Frau Rosa geb. Hufnagel in Sasbach geboren. Sie wuchs mit  fünf Geschwistern auf und lernte nach ihrer Volksschulzeit Kochen, Stricken und Nähen, um  anschließend für einige Jahre „in Stellung“ zu gehen. Sie las und schrieb gern, schon als junges  Mädchen verfasste sie Geschichten und Gedichte. Im reifen Lebensalter entdeckte sie ihre  Fähigkeiten wieder: Sie wirkte an dem vom Sasbacher Verein für Heimatgeschichte  herausgegeben Band „Sasbacher Geschichten“ mit und erstellte ein Mundartwörterbuch. Alte  Bräuche, ausgestorbene Originale und dörflicher Alltag leben in ihren Erzählungen ohne falsche  Sentimentalität wieder auf. 

Ihr unverwechselbarer Humor macht ihre Geschichten und Gedichte  zur vergnüglichen Lektüre. Dabei hatte es Frau Bayer in ihrem Leben nicht leicht. Sie lernte 1939 ihren späteren Mann Kurt  Jakob Bayer kennen, der beim Bau des Westwalls Fuhrdienste leistete. Er half mit seinem  Gespann Rosas Vater bei landwirtschaftlichen Arbeiten. 1943 heirateten die beiden. Bevor Sohn  Kurt auf die Welt kam, erreichte Rosa Bayer die Nachricht, dass ihr Mann in Russland gefallen  war. 

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Weltoffene Jubilarin

Wenige Tage nach ihrer Niederkunft fiel beim Angriff auf Achern auch eine Bombe vor  ihrem Elternhaus, in dem sie wohnte, und drückte die Fensterscheiben ein. Gegen die  Winterkälte wurden die Fenster mit Sperrholzplatten zugenagelt. Bei Kriegsende fand Rosa  Bayer sich mit ihrem kleinen Sohn auf dem Klepperhof in Obersasbach Schutz. Nach dem Krieg lebte die junge Kriegerwitwe mit ihren Eltern und den aus dem Krieg  zurückgekehrten Geschwistern zusammen. Sie betrieb selbstständig eine kleine Landwirtschaft,  pflanzte Himbeeren und Johannisbeeren an, hatte 40 Zwetschgenbäume und brannte Schnaps.  

Ihrem Sohn Kurt ermöglichte sie den Besuch den Lenderschule und eine gediegene musikalische  Ausbildung am Klavier und an der Orgel. Spät in ihrem Leben in den 1980er Jahren entdeckte  die weltoffene Jubilarin das Reisen, sie besuchte das Heilige Land, Rom, Fatima und andere  Wallfahrtsorte. 

Als ihr Bruder den Platz im Haus benötigte, zog sie mit 79 Jahren aus und  mietete ein Bauernhaus mit Ökonomie, in dem sie ihre Landwirtschaft weiterbetreiben konnte. Nach einem Halswirbelbruch nahm sie 2013 ihr Sohn in Nußbach auf. Hier kann sie heute ein  außergewöhnliches Fest feiern, wozu ihr vier Enkel und zehn Urenkel gratulieren.  

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