Viele offene Fragen

Runder Tisch Oberkirch kritisiert Lucha-Auftritt

Autor: 
red/RK
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
25. Juli 2020

Beim Besuch von Sozialminister Manfred Lucha in Friesenheim demonstrierte auch der Runde Tisch Krankenhaus Oberkirch für den Erhalt kleiner Kliniken. ©Christoph Breithaupt

Der Runde Tisch Krankenhaus Oberkirch ist unzufriden mit der Beantwortung von zuvor eingerichten Fragen an den Sozialminister. Auf viele Aspekte sei der Minister nicht eingegangen.

 Unzufrieden ist der Runde Tisch Krankenhaus Oberkirch mit dem Besuch von Landessozialminister Manfred Lucha (Grüne) in Friesenheim. Im Rahmen  der Kreistagssitzung am Dienstag wollte der Minister auf eingesandte Fragen von Bürgern zur Agenda 2030 bei seinem „Gedankenaustausch mit den Kreisräten“ eingehen. „Viele Fragen blieben jedoch offen oder die Antwort war unbefriedigend“, bilanziert der Runde Tisch Krankenhaus Oberkirch das Ergebnis.

„Der Runde Tisch hatte gefragt, wie  eine Notfallversorgung in dem vom Minister geforderten und  auch vom Runden Tisch unterstützen Modells eines integrierten Versorgungszentrums darzustellen ist. Ein solches Versorgungszentrum muss laut geplanter Bundesgesetzgebung über die für die Notfallversorgung erforderliche Mindest-Ausstattung (Innere und Chirurgie 24 Stunden, sechs Intensivbetten) verfügen, was nach den Plänen der Herabstufung des Oberkircher Krankenhauses in eine Portal-Klinik ab 2030 in Oberkirch nicht gegeben wäre“, heißt es in einer Pressemitteilung des Runden Tischs.

Lucha habe dazu nur ein allgemeines Statement abgegeben: „Oberkirch, Kehl und Ettenheim werden zwar als stationäre Betriebsstellen aufgegeben, aber sie werden als Gesundheitszentren mit Portal-Funktionen und als Notarzt-und als Notfall-Standorte weitergeführt.“ Wie das in Einklang mit der Bundesgesetzgebung gebracht werden soll, darüber schwieg sich der Minister aus.“

Skepsis beim Minister

Weiter heißt es in der Pressemitteilung, Lucha gehe davon aus, dass in Krankenhäusern nur noch die allerschwersten Fälle behandelt werden, wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Alle anderen Erkrankungen einschließlich der chronischen und der notwendigen Nachsorge nach einem auf vier bis fünf Tage verkürzten Krankenhausaufenthalt sollten dem ambulanten Sektor zugeordnet werden. Lucha stehe damit im Gegensatz zu dem Programmentwurf der Grünen auf Bundesebene. Darin werde die Erhaltung der Grundversorgung und Förderung der kleinen Krankenhäuser im ländlichen Raum gefordert. Diesen Programmentwurf sehe der Minister skeptisch und betone, dass die Landes-Gesundheitsminister der Grünen hierzu nicht konsultiert worden seien.

- Anzeige -

Lucha versprach, sich für einer 60-prozentige Förderung der Gesamtkosten der Agenda 2030 einzusetzen – ausgehend von einer Gesamtsumme von einer Milliarde Euro. Darin seien nicht die infrastrukturellen Zusatzmaßnahmen eingerechnet, die die Gesamtkosten auf 1,3 Milliarden Euro ansteigen lassen können.

„Der Oberkircher Oberbürgermeister Braun äußerte gegenüber dem Minister seine Skepsis, wie die Förderung bei der angespannten Finanzlage des Landes bedingt durch die Coronakrise gestemmt werden kann, auch der Runde Tisch hat da seine Zweifel“, heißt es in der Pressemitteilung weiter. „Außerdem blieb der Kostensatz von 100 Millionen Euro für die Umwandlung der kleinen Krankenhäuser Oberkirch, Kehl und Ettenheim in „Portal-Kliniken“ in den Ausführungen des Ministers unerwähnt und ist damit in seine bisherige Kosten- und Förderberechnung nicht einbezogen.“  

Finanzierungskonzept

Die Finanzierungspflicht für die ambulanten Versorgungszentren  sieht der Minister bei den kassenärztlichen Vereinigungen, den Krankenkassen und der Kreisverwaltung. „Wo ist die Stelle, die die notwendige Planung und Umsetzung in die Hand nimmt?  Reichen die mal vor Jahren angesetzten 100 Millionen Euro dafür aus? Diese Fragen wird Landrat Scherer beantworten müssen, wenn er sein für den Sommer angekündigtes Finanzierungskonzept zur Agenda 2030 vorlegt“, so der Runde Tisch.

Bisher gäbe es kein ausgearbeitetes  Konzept und keinen Finanzierungsplan für Portal-Kliniken. Gerade hinsichtlich der Notfallversorgung im Renchtal sei ein solches Konzept notwendig.  Eine leistungsfähige Notfallambulanz in Oberkirch, die 60 bis 80 Prozent der derzeit in  Offenburg oder im Acherner Krankenhaus  behandelten minder schweren Notfälle übernehmen könne, sei nicht in Sicht.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Achern / Oberkirch

vor 11 Stunden
Umfahrung Zusenhofen
Nachdem das Land fast neun Millionen Euro Fördergelder zugesagt hat, laufen die Planungen für die Umfahrung Zusemnhofen/Nußbach auf Hochtouren. Im Ortschaftsrat am Dienstag ging es auch um die Unterführung des Marktweg, bei der die Zusenhofener und die Oberkircher Verwaltung sich nicht einig sind.
vor 14 Stunden
Unternehmer aus Achern wird 70
Adolf Scheck setzte seine Vision vom großen Lebensmittelmarkt um und hat derzeit 15 Märkte, der 16. soll bald folgen. Der Acherner Unternehmer feiert heute, Samstag, seinen 70. Geburtstag.
vor 16 Stunden
Neubaugebiet in Önsbach
Der Ortschaftsrat Önsbach befasste sich in seiner Sitzung am Donnerstag mit dem Bebauungsplan Feldmatt West. Die Erschließung wird des Gebiets wird von Osten her erfolgen.
vor 16 Stunden
Verbesserung auch für Radfahrer
In Rheinau ist sich der Gemeinderat sicher: Die Rheinstraße soll in Richtung Freistett und Achern ausgebaut werden. Auch für Radfahrer wird sich die Situation verbessern.
vor 16 Stunden
De Pankraz-Kolumne
Der Pankraz ist ein guter Sänger. Sein Musiklehrer hat dem jungen Pankraz gesagt, er könne ein Großer werden. Diese Prophezeiung mündet in einen Traum ...
vor 16 Stunden
Fünf Fragen zum Wahlkreis Kehl
Die Acher-Rench-Zeitung fühlt Landtagskandidaten aus dem Wahlkreis Kehl auf den Zahn. Heute geht es um Schulden, die Integration der Flüchtlinge, die Automobilindustrie, Wirtschaftspolitik und Kriminalität.
vor 16 Stunden
Was die Gemeinderäte zum Haushalt sagen
Der Haushalt 2021 der Stadt Rheinau ist verabschiedet. Wie drei Fraktionssprecher und der fraktionslose Horst Siehl das unter Pandemieeinflüssen entstandene Zahlenwerk bewerten, ist interessant.
vor 16 Stunden
Serie: Landtagswahl-Kandidaten der Ortenau im Gespräch
Wer sind die Menschen, die ihren Wahlkreis in den kommenden fünf Jahren im baden-württembergischen Landtag vertreten wollen? Die Mittelbadische Presse hat mit den Kandidaten der fünf wichtigsten Parteien in den Wahlkreisen Kehl und Offenburg gesprochen, um das herauszufinden. Heute stellen wir...
vor 16 Stunden
ARZ-Geflüster
Im heutigen ARZ-Geflüster geht es in erster Linie um Personen. Um den verurteilten Oppenauer Waldläufer und Waffennarr, der für drei Jahre ins Gefängnis muss, sollte es bei einer möglichen Revision nicht noch anders kommen. Und um den ehemaligen AfD-Kommunalpolitiker, der bei einer Demo in Berlin...
vor 16 Stunden
Videokonferenzen sind nun aufgeführt
Nur sechs Jahre nach der letzten Überarbeitung hat die Seebacher Feuerwehr erneut eine neue Satzung erhalten. Nun ist aufgeführt, dass die Truppe im Notfall auch digital tagen darf.
vor 16 Stunden
Im Klauskirchl 4
Der westliche Eingangsbereich der Stadt Achern rund um das Areal Lammbrücke wird umgestaltet. In diesem Zusammenhang finden gerade erste Abrissarbeiten statt.
vor 23 Stunden
Hilfsfristen
Der Rettungsdienst kann  Hilfsfristen bei Einsätzen im oberen Renchtal nur schwer einhalten. Wird eine Zwölf-Minuten-Grenze beschlossen, werden wohl weitere Rettungskräfte gebraucht.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Gerade bei WeberHaus hat das Handwerk goldenen Boden ....
    vor 20 Stunden
    Bei WeberHaus auf eine sichere berufliche Zukunft bauen
    Träume zu ermöglichen macht Freude – und wenn man Teil eines motivierten Teams ist, kann das schon mal zur Lebensaufgabe werden. Seit über 60 Jahren erfüllt WeberHaus Menschen den Traum vom Eigenheim. Jetzt sucht der Fertighaus-Profi Verstärkung, speziell im handwerklichen Bereich auf den...
  • „Tradition leben, aber neue Wege gehen. Genau unser Bier.“
    26.02.2021
    Familienbrauerei Bauhöfer: Deutschlands jüngste Brauereichefin führt Biermarke in die Zukunft
    Die Familienbrauerei Bauhöfer aus Renchen-Ulm existiert bereits seit 1852, mittlerweile ist die fünfte Generation am Start. Geschäftsführerin Katharina Scheer, Deutschlands jüngste Brauereichefin, führt die Biermarke seit Jahresbeginn mit neuem Namen und neuem Design in die Zukunft: Ulmer heißt...
  • Die Oberkircher Berufsinfomesse findet erstmals digital statt.
    26.02.2021
    26. und 27. März: Firmen aus der Region sind live zugeschaltet
    Vielfältige Ausbildungsberufe und Studiengänge aus den Bereichen Handel, Handwerk, Dienstleistung, Gastronomie & Hotellerie, Industrie, Verwaltung, Finanzwesen und Industrie stehen bei der Oberkircher Berufsinfomesse (BIM) am Freitag und Samstag, 26. und 27. März, im Fokus.
  • Karina Hahn (von links), Nicolina Fischer und Petra Kiesel lassen den Küchentraum wahr werden.
    25.02.2021
    Der Küchenspezialist aus Achern-Mösbach
    Eine gut geplante und hochwertige Küche begleitet durchs Leben, dabei bedient sie die unterschiedlichsten Ansprüche und ist mindestens so individuell wie ihre Nutzer. Gute Planung ist das A und O: und hier ist das Hahn Küchenstudio in Achern-Mösbach der optimale Partner.