Interview

Sasbachrieder Sängerin Michele Mahn plant Profikarriere

Autor: 
Joachim Eiermann
Lesezeit 7 Minuten
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23. August 2018
Michele Mahn in Aktion: Zum Komponieren nutzt sie ihr Handy. Das Bild unten zeigt sie als 14-Jährige nach ihrem ersten großen Auftritt.

Michele Mahn in Aktion: Zum Komponieren nutzt sie ihr Handy. Das Bild unten zeigt sie als 14-Jährige nach ihrem ersten großen Auftritt. ©Foto: Daniel Godde

Mit ihrem Auftritt bei der Musik-Castingshow »The Voice Kids« von Sat.1 wurde Michele Mahn schlagartig bekannt. Im Interview sagt Mahn, warum sie trotz des großen Drucks in der Musikbranche nichts anderes machen will.

Neben der Schule bastelte Mahn eifrig an einer Karriere als Sängerin, sie komponierte eigene Lieder und schrieb Texte. An der Bühler Musikschule gründete sie ihre erste Band. Kürzlich hat die 18-jährige Sängerin aus Sasbachried ihr Abitur gemacht und will nun Profi werden.

Frau Mahn, wie schwer oder leicht ist Ihnen das Abitur gefallen?

Michele Mahn: Ich habe mir gesagt: Endspurt, jetzt zählt alles, ohne mir allerdings zu viel Druck zu machen. Es lief ziemlich gut – so wie auch die letzten zwei Schuljahre insgesamt, die für mich inhaltlich interessanter waren als die Zeit davor.

Was war die stressigere Nummer: Abi mit 18 oder ihr Auftritt bei »The Voice Kids« mit 14?

Mahn: Oh Gott! Eher »The Voice«. Es war etwas Besonderes und Neues: zum ersten Mal in einer Castingshow im Fernsehen. Immer, wenn etwas Unbestimmtes passiert, ist das für mich aufregender als das, was ich schon ein paarmal erlebt habe. Prüfungen in der Schule hatte ich ja schon viele.

Sie haben »Fix you« von Coldplay gesungen. Ihre Coverversion ist inzwischen 4,7 Millionen mal bei Youtube geklickt. Warum gerade diese Nummer?

Mahn: Das Team hatte den Song passend für mich ausgesucht. Das war eine Vorgabe.

Wie denken Sie heute über Formate wie »The Voice Kids« oder »Deutschland sucht den Superstar«?

Mahn: Das Casting bei DSDS finde ich unseriöser als bei »The Voice Kids«. Es bietet aber trotzdem eine gute Möglichkeit, Erfahrungen auf der Fernsehbühne zu sammeln. Ich finde »The Voice Kids« immer noch gut und würde es auch weiterempfehlen, wenn jemand seinen Karrierestart austesten möchte.

Das Showbusiness ist extrem hart, ohne Promotion geht gar nichts. Was treibt Sie dennoch an, die Musik zum Beruf machen zu wollen?

Mahn: Schon jahrelang habe ich mich gefragt, was ich beruflich anderes machen könnte. Aber ich merke immer wieder: Das Singen und das Liederschreiben sind meine Leidenschaft. Ich beschäftige mich jeden Tag damit und arbeite an mir. Ich sehe nichts anderes, das mir so viel Spaß machen würde. Deshalb will ich das jetzt unbedingt durchziehen, um damit mein Geld zu verdienen. Klar: Das Musikbusiness ist schwierig, aber ich versuch’s trotzdem.

Sie haben sich nicht, was naheliegend wäre, die Popakademie in Mannheim zum Studium ausgesucht, sondern das internationale British and Irish Modern Music Institute (BIMM) in Hamburg. Warum?

Mahn: Hamburg ist noch nicht sicher, weil dieser Standort des BIMM im Aufbau ist. Vielleicht gehe ich deshalb an einem der britischen Standorte studieren. Für das BIMM habe ich mich entschieden, weil das Studium ausschließlich in Englisch erfolgt. In Zeiten der Globalisierung ist es unheimlich wichtig, die englische Sprache gut zu beherrschen.

Ob in Hamburg oder auf der Insel, die Konkurrenz in der Szene ist riesig. Können Sie dort auf Unterstützung hoffen?

Mahn: Die Schule verspricht viele Connections zum Business, um sich ein Netzwerk aufbauen zu können. BIMM hat Kontakte zu den großen Labels wie Universal und Warner Music. Die Schule hat einige erfolgreiche Musiker hervorgebracht wie etwa George Ezra, bekanntgeworden durch den Welthit »Budapest«. Auch wenn die Konkurrenz groß ist, lasse ich mich davon nicht abbringen. Ich denke, wenn man das Talent hat, ehrgeizig dran bleibt und an sich selbst arbeitet, wird man auch irgendwann gesehen. Ich glaube an mich und werde künstlerisch alles geben, in der Hoffnung, dass es klappt.

Blicken wir zurück: Woher rührt Ihre Leidenschaft zur Pop-Musik. Was gab den Kick?

Mahn: Ich hatte angefangen mit musikalischer Früherziehung und Trommeln, später kamen der Klavierunterricht und dann das Singen hinzu. Ich begann, Lieder aus dem Radio nachzuspielen. Meine Eltern haben meine Leidenschaft gefördert. Sie haben mir die ganzen Instrumente und den Unterricht finanziert, wofür ich ihnen sehr dankbar bin. Ich habe in einem Verein getanzt und gesungen, und so hat sich das immer weiter entwickelt.

Welche Rolle spielte die Bühler Musikschule für Ihre musikalische Bildung?

Mahn: Ich hatte Jazzpiano-Unterricht bei Pirmin Ullrich. Im Endeffekt stellte sich später aber heraus: Ich finde Jazz, Klassik oder Hip-Hop zwar ziemlich interessant, aber es ist die Popmusik, die mich antreibt. Ich habe auf nichts anderes so Lust wie auf Popmusik. Mit Unterstützung von Bernd Kölmel (ehemaliger Bühler Musikschulleiter) konnte ich meine frühere Band aufbauen und Erfahrungen sammeln mit Auftritten und Projekten.

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Beim Wettbewerb »Jugend musiziert« 2016 gewannen Sie einen ersten Landes- und zweiten Bundespreis in der Sparte Gesang Pop. Wie wichtig war dieser Erfolg?

Mahn: Es war eine total interessante Erfahrung, zu sehen, wie viele Jugendliche sich daran beteiligten und wie professionell sie alle spielten. Ich selbst bin ja keine wirkliche Pianistin, sondern eine Sängerin, die sich am Klavier begleitet (lacht).

Wann fingen Sie an, eigene Stücke zu schreiben?

Mahn: Das begann schon mit dem Klavierunterricht als Kind. Als ich dann an der Heimschule Lender Englisch-Unterricht erhielt, begann ich mit zehn, elf Jahren englische Songs zu schreiben; die Texte waren damals sicher noch nicht professionell (lacht). Wenn ich eine Songidee habe, nehme ich sie mit der Diktiergeräte-App meines Handys auf. Ich glaube niemand anderer nutzt diese Funktion so häufig wie ich. Ich habe 350 Aufnahmen auf meinem Handy gespeichert, so vergesse ich nichts.

Es gibt eigene Songs wie »Alright«, »Lies« oder »Be Yourself« auf Youtube, ein Album jedoch bis heute nicht. Warum?

Mahn: Die Frage kommt immer wieder auf. Aber ein richtig gutes Album zu machen und zu vermarkten, kostet ziemlich viel Geld. Dazu braucht es einen Produzenten und ein Tonstudio sowie Leute, die ein Interesse daran haben, mich zu fördern. Da warte ich auf den richtigen Moment. Bis dahin schreibe ich noch ein paar Songs mehr. Im Moment habe ich 15 Titel.

Ihre künstlerische Tätigkeit ist vielfältig: Da gibt es das klassische Singersongwriter-Format, solo wie auch mit Band. In Youtube finden sich Videos mit Hip-Hop-Dance. Jüngst sangen Sie in Achern – allein auf großer Showbühne – Hits zum Halbplayback. Es scheint, als lieben Sie Experimente?

Mahn: Jaaah! Ich will auch immer flexibel bleiben. Routine ist nicht meins, ich brauche Abwechslung. Wenn’s um die Art meines Auftritts geht, bin ich immer sehr offen.

Eine Konstante ist Loqui, ein Elektro-Duo zweier Jungs mit Ihnen als Gastsängerin. Ein Herzens­projekt?

Mahn: Ja, seit September 2016 arbeiten wir zusammen. Ganz aktuell ist unser größtes und qualitativ hochwertigstes Projekt: das Musikvideo »Summertime«, für das wir bereits 2017 mit den Dreharbeiten begonnen hatten. Wir drei ergänzen uns gut. Jonas Walther und David Vath kennen sich mit Komponieren, Produzieren und dem Drehen sehr gut aus. Ich gebe als Sängerin und Songwriterin Impulse und promote das Video.

Dann gibt es noch Michele Mahn als Bar-Pianistin. Die Aufmerksamkeit des Publikums ist in Bars jedoch nicht sonderlich hoch, stört Sie das nicht?

Mahn: Ich habe mich daran gewöhnt und finde es nicht schlimm, im Hintergrund für die Besucher zu spielen. Vor allem macht es mir Spaß, im Europapark aufzutreten – stets zweidreiviertel Stunden lang. Und wenn mal niemand zuzuhören scheint, dann spiele ich halt für mich. Es ist auch eine gute Übung, um immer besser zu werden.

Wann beginnt Ihr Studium und wie lange dauert dieses?

Mahn: Es beginnt im Oktober und dauert sechs Semester.

Dann müssen Sie am 17. November zu Ihrem Auftritt bei »Junger gong« in Achern extra einfliegen?

Mahn: Ja! (lacht). Ich versuche, an diesem Wochenende noch einen zweiten Auftritt zu organisieren. Es ist eine große Ehre, mit einem Solokonzert den Auftakt der neuen Reihe »Junger Gong« gestalten zu dürfen.

Gibt es einen Plan B, falls das mit der Karriere als Sängerin doch nicht so richtig klappen sollte?

Mahn: Hmmh! Gesangslehrerin für Popmusik oder Hip-Hop-Tanz wäre vielleicht ein Plan B oder C.

Blicken wir zuversichtlich nach vorne: Auf welcher Bühne wollen Sie in zehn Jahren stehen?

Mahn: In zehn Jahren kann viel passieren. Total cool wäre es, ein Stadion füllen zu können (lacht).

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