Achern / Oberkirch

Schmitz soll Staatsbad sanieren

Autor: 
Silke Keil
Lesezeit 5 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
19. Februar 2010
Foto: Silke Keil - Längst nicht mehr so oft wie früher in Bad Peterstal-Griesbach hat Michael Schmitz direkt mit den Gästen zu tun. Er kümmert sich in Bad Schwalbach vor allem darum, dass die Zahlen stimmen.

Foto: Silke Keil - Längst nicht mehr so oft wie früher in Bad Peterstal-Griesbach hat Michael Schmitz direkt mit den Gästen zu tun. Er kümmert sich in Bad Schwalbach vor allem darum, dass die Zahlen stimmen.

Die Kur- und Tourismus GmbH Bad Peterstal-Griesbach hat er als erster Geschäftsführer bei ihren ersten Schritten begleitet. Heute ist Michael Schmitz im hessischen Bad Schwalbach tätig.

Bad Peterstal-Griesbach. Michael Schmitz war der Mann der ersten Stunde. Als Geschäftsführer verhalf der Diplom-Kaufmann Anfang 2003 der neuen Kur- und Tourismus GmbH Bad Peterstal-Griesbach auf die Beine, die aus dem Kurbetrieb der Gemeinde hervorging. Doch für den gebürtigen Moselaner war die Renchtalgemeinde nur eine Übergangsstation. Michael Schmitz ist ein Zugvogel, ständig bereit, seine Umzugskartons zu packen, wenn er gerufen wird.
Anfang 2007 schallte ein Ruf aus dem Taunus. Die Kreis- und Kurstadt Bad Schwalbach suchte einen Kurdirektor, der den Titel Staatsbad zu verteidigen wusste. Ab 1. Juni 2007 nahm er die Herausforderung an. Sein Nachfolger in Bad Peterstal-Griesbach wurde Axel Singer. Der 39-jährige Schmitz mietete sich in Bad Schwalbach ein, das rund 20 Kilometer nordwestlich von Wiesbaden in einem Seitental der Aar liegt.
Trotz seiner langjährigen Beziehung sind für ihn Haus, Familie und Kinder keine Themen. »Im Kur- und Tourismusbereich muss man flexibel bleiben«, erklärt er. »Es gibt es keine Sicherheit.« Auch nicht in Bad Schwalbach. In diesem Jahr läuft sein Vertrag aus, ob er noch verlängert wird, ist von vielen wirtschaftlichen Erwägungen abhängig. Und finanziell ist die 12 000-Einwohner-Stadt ebenso wenig gesegnet wie Bad Peterstal-Griesbach.
»Das Staatsbad arbeitet hochdefizitär«, erläutert der Kurgeschäftsführer, »daher hat man mich geholt.« Mit Defiziten kennt sich Michael Schmitz aus, doch in Bad Schwalbach bewegen sie sich in größeren Dimensionen als in der Renchtalgemeinde. Das Staatsbad, in dem allein 13 Liegenschaften, wie Kurhaus, Moorbadehaus und mehrere Heilwasserbrunnen, betrieben werden, fuhr zu Beginn von Schmitz Amtszeit 1,6 Millionen Euro Defizit ein.
2004 stieß das Land Hessen das Staatsbad aus Kostengründen ab. Die Stadt nahm das Angebot an, das Staatsbad in Eigenregie weiterzuführen. Als Starthilfe gewährte das Land elf Millionen Euro in Form von Zuschüssen. Zur Finanzierung des Kurbetriebs gründete die Stadt 2004 die Staatsbad GmbH sowie die Eigenbetriebe Staatsbad. Michael Schmitz leitet neben seiner Funktion als Kurdirektor zusätzlich die GmbH sowie die Betriebe. Seine Hauptaufgabe: Kostenreduzierung.
Sein Ziel: Der Bäderpfennig, den die Stadt ähnlich der Kurtaxe in Bad Peterstal-Griesbach für die Gäste einnimmt, soll das jährliche Defizit decken. Es sind rund 550 000 bis 600 000 Euro. Eine Millionen Euro weniger, als dem Kur- und Bäderbetrieb vor 2004 zur Verfügung stand.
Schmitz verbringt viel Zeit mit Zahlen und Wirtschaftsplänen. Den direkten Kontakt zu den Gästen wie einst in der Renchtalgemeinde vermisse er, nun habe er mehr mit Personalspezialisten und Wirtschaftsprüfern zu tun. Doch das mit Erfolg. 2008 schloss der Wirtschaftsplan mit einem Defizit von 900 000 Euro.
Die Einsparungen gingen nicht ohne Leid einher. Von 40 Stellen im Eigenbetrieb Staatsbad wurden unter seiner Regie 15,2 Stellen abgebaut. Doch Michael Schmitz betreibt nicht nur Abbau, sondern auch Aufbau. »Infrastruktureinrichtungen hat es hier bisher nicht gegeben.«. So kann er seine Erfahrung einbringen, wenn es um Mountainbike-Wegenetze oder Wanderwege geht. Auch Veranstaltungen stießen wegen der Nähe zu Ballungszentren auf größere Resonanz als in Bad Peterstal-Griesbach. So sei ein autofreier Tag im Aartal ein durchschlagender Erfolg gewesen.
»Ja, es geht mir gut«, erklärt Michael Schmitz. Er genieße die Nähe von Großstädten sowie der Natur, in der er als Mountainbiker unterwegs ist. Leidenschaftlich gerne spiele er Tennis und schwinge sich hin und wieder auf sein Motorrad. Was ihm an seinem neuen Wirkungsort besonders gefällt: »Man ist hier etwas anonymer als in Bad Peterstal-Griesbach.«

- Anzeige -

STICHWORT
Michael Schmitz
Michael Schmitz (39) wuchs in Trier auf. Nach der Bundeswehr studierte er Betriebswirtschaft und Geografie mit Schwerpunkt Tourismus. Nach seinem Studium übernahm er 1995 den Posten des Kurgeschäftsführers in Dobel im Nordschwarzwald. 1999 wechselte Schmitz nach Fischen im Oberallgäu, wo er als Kurdirektor arbeitete. Vier Jahre später, 2003, packte er erneut seine Siebensachen und zog nach Bad Griesbach, um als Geschäftsführer die Kur- und Tourismus GmbH Bad Peterstal-Griesbach aus der Taufe zu heben. Am 31. Mai 2007 verließ er die Kurgemeinde und startete am Folgetag an seinem neuen Arbeitsplatz in Bad Schwalbach. Michael Schmitz hat eine Lebensgefährtin in Durmersheim, jedoch keine Kinder.

HINTERGRUND
»Verfolge noch immer Entwicklung in Bad Peterstal-Griesbach«
Bad Peterstal-Griesbach ist für Michael Schmitz aus den Augen, aber nicht aus dem Sinn. Von der Insolvenz des Gesundheitszentrums St. Anna erfuhr er nur wenige Stunden später über Baden-Online, das Internetportal der Mittelbadischen Presse. »Ich verfolge noch immer die Entwicklungen der Gemeinde«, erklärt er.
Die Unterstützung der St. Anna durch die Gründung der St. Anna gGmbH bezeichnet er als eine der bedeutendsten Aufgaben in seiner Amtszeit. Auch der Umzug in die neue Tourist-Info bleibt ihm gut in Erinnerung.
Sehr gespannt ist er auf die geplante touristische Kooperation im Renchtal. »Sie ist zwingend notwendig«, so die Einschätzung von Schmitz. Die Kur- und Tourismus GmbH hatte sich unter seiner Regie schon einmal für eine Zusammenarbeit stark gemacht. Die Realisierung scheiterte jedoch »an vielen Kleinigkeiten«.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Achern / Oberkirch

vor 30 Minuten
Motivationslöcher und Prüfungsängste
Wie sehr der geregelte Besuch der Schule Jugendlichden fehlt, spüren die Schulsozialarbeiter im Raum Achern. Einige stecken im Motivationsloch und igeln sich ein.
vor 3 Stunden
Oberkirch
Wenn im April die Erdbeerernte beginnt, soll es im Renchtal osteuropäische Saisonarbeiter in größerer Zahl geben. Dies ermöglichen die aktuellen Regeln. Die Zuversicht für eine gute Saison ist da.
vor 6 Stunden
Manche haben kein Geld mehr
Zwar hat der Ortenaukreis den Tagesmüttern finanziell unter die Arme gegriffen, manche leiden aber dennoch stärker unter den Folgen der Pandemie. Etwa zwei Drittel der Kinder sind in der Notbetreuung.
vor 9 Stunden
Nachfolger von Pouria Schunder
Kai Palme ist seit 1. März Diakon in der evangelischen Kirchengemeinde in Achern. Der 32-Jährige stammt aus Villingen und war zuletzt eineinhalb Jahre in Bad Rappenau.
vor 12 Stunden
Freistetter Kleinkunstbühne
Kultur und Corona (17): Monate der coronabedingten Unsicherheit liegen hinter der Freistetter Kleinkunstbühne Ku-Stall. Betreiberfamilie Schütt hofft, bald wieder Gäste begrüßen zu dürfen.
vor 15 Stunden
Keine Jugendarbeit wegen Corona
Weil die Rheinauer Feuerwehr coronabedingt seit Monaten keine Jugendarbeit mehr betreiben kann, fallen wohl viele angehende Floriansjünger weg. Aber auch die Großen müssen einstecken.
vor 17 Stunden
76 Stellplätze entstehen
76 Stellplätze entstehen beim Naturerlebnisbad in Ottenhöfen. Durch eine neue Zufahrt wird dort eine Temporeduzierung nötig. Und: Eltern müsse zwei Monate keine Kitagebühren bezahlen.
vor 17 Stunden
Kinderbetreuung
Bürgermeister Thomas Krechtler berichtete dem Gemeinderat über die aktuelle Situation von Grundschule und Kindergärten. Die Notbetreuung bleibt dabei eine Ausnahme.
vor 17 Stunden
Lautenbach
Der Gemeinderat Lautenbach befürwortet die Erweiterungsmöglichkeiten für Betriebe in Renchen und Oberkirch. Zur Abstimmung stand der Flächennutzungsplan der Vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft.
vor 17 Stunden
Leid und Heilung
Online übertragen wurde ein besonderer Gottesdienst aus der Pfarrkirche in Kappelrodeck. Zentraler Bestandteil war ein künstlerisches Hungertuch.
vor 17 Stunden
Trotz Schulschließung
Die Robotik-Teams des Hans-Furler-Gymnasiums Oberkirch lassen sich vom Lockdown und der damit verbundenen Schließung ihrer Schule für die unteren Klassen nicht beirren.
04.03.2021
Hälfte der Grundschüler darf in die Schule
Die Renchtäler Grundschüler werden zurzeit in zwei Gruppen abwechselnd unterrichtet. Dabei gibt es im Renchtal zwei unterschiedliche Modelle. Auch die Zahl der Unterrichtsstunden variiert.  

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Motivierte Mitarbeiter, die gern zur Arbeit kommen, sind das Rückgrat der Hermann Uhl KG Ortenau. Das Team sucht Verstärkung: Also, bewerben!
    vor 4 Stunden
    Mit den Betonerzeugnissen der UHL KG wird das Zuhause erst richtig schön
    Bei uns ist es am Schönsten! Haus und Garten sind so individuell wie die, die darin leben: Sie sind Rückzugsort, Wellnessbereich oder Sterne-Restaurant. Spätestens die Pandemie hat uns wieder in die Sinne gerufen, wie wichtig der heimische Garten ist und wie er beruhigt, wenn er schön und...
  • Ware vorab bestellen und abholen. Das ist via ClickCollect möglich. Aber das ist nur ein Weg über den der Kehler Handel die Kunden erreicht.
    02.03.2021
    Lockdown hin oder her: Immer für die Kunden da
    Die Einkaufsstadt Kehl ist für ihre Kunden da – Lockdown hin oder her. Die Händler und Gastronomen haben viele Wege über Telefon, online und die neuen Medien gefunden, wie sie ihre Kunden erreichen. Die breit angelegten Videokampagne „Kehl bringt’s“ von Kehl Marketing fächert die Leistungsfähigkeit...
  • Sie suchen Arbeit in einer Region, in der andere Urlaub machen? acrobat Personaldienstleistungen in Achern rekrutiert Fachkräfte für Firmen in Baden.
    01.03.2021
    acrobat GmbH: Aus der Region für die Region
    Die starke Wirtschaft in Baden braucht einen starken Partner: die acrobat GmbH in Achern bietet Arbeitgebern ein maßgeschneidertes Dienstleistungspaket rund ums Personalmanagement und ist in der Region fest verwurzelt. 
  • Coole Berufe und prima Zukunftsaussichten: Die HUBER-Azubis sind eine super Truppe.
    27.02.2021
    Mit HUBER Kältemaschinenbau in die Zukunft starten
    Präzision in allen Temperaturbereichen: Dafür steht die Peter Huber Kältemaschinenbau AG in Offenburg. Genauso spezialisiert wie die Temperierlösungen für Forschung und Industrie sind die Ausbildungsberufe, die der Technologieführer aus der Ortenau bietet.