Achern / Oberkirch

Schmitz verlässt Bad Peterstal

Autor: 
Silke Keil
Lesezeit 4 Minuten
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07. April 2007
Michael Schmitz’ Tage in Bad Peterstal-Griesbach sind gezählt. Der Geschäftsführer der Kur und Tourismus GmbH hat seinen Vertrag aus »privaten Gründen« sieben Monate vor Ablauf zum 31. Mai 2007 gekündigt. Er habe mehrere lukrative Angebote im Bereich Tourismus. Die Kurgemeinde muss sich nun mit der Nachfolgefrage beschäftigen.
Bad Peterstal-Griesbach. Der Schritt ist beschlossene Sache. Der gebürtige Trierer Michael Schmitz verbringt am 31. Mai seinen letzten Arbeitstag in der Kur und Tourismus GmbH (KTG) Bad Peterstal-Griesbach. Er hat seinen Fünf-Jahres-Vertrag als Geschäftsführer mit Zustimmung des Aufsichtsrates fristgerecht gekündigt. Gelaufen wäre der Vertrag bis 31. Dezember 2007. Er gehe mit Wehmut, erklärt der 37-Jährige im Gespräch mit der Acher-Rench-Zeitung, »ich habe mich hier persönlich sehr wohl gefühlt«. Die anstehende Vertragsverlängerung war für Schmitz ein Anstoß, sich frühzeitig nach einer neuen Arbeitsstelle umzusehen. Er spricht von mehreren »lukrativen Angeboten«, unter denen er derzeit noch sondiere. Eine Flucht nach vorne, denn auf eine Vertragsverlängerung konnte er sich bislang nicht verlassen. Unter den Mitgliedern der Kur und Tourismus GmbH war der »erste Mann« der privatisierten Kur- und Tourismusverwaltung nicht unumstritten. Arbeitsweise kritisiert Am 1. Juli 2003 wurde die Kur und Tourismus GmbH mit sechs Gesellschaftern gegründet, bereits anderthalb Jahre später kündigte die Fitalis GbR, Gesundheitsanbieter, ihre Mitgliedschaft. Am 31. Dezember 2005 setzte der Hotel- und Gastwirteverein einen Schlussstrich. Er kritisierte die »unprofessionelle Arbeitsweise« der KTG-Spitze. Auch bei den übrigen Mitgliedern im Aufsichtsrat reg- te sich Unzufriedenheit. Ernst Streif, Vorsitzender der Vereins der Privatzimmervermieter, forderte »neue Impulse und neue Strukturen in der Kur GmbH«. Diese in die Hand zu nehmen erwarte er von einem leitenden Mann in der GmbH. Hier klemme es. Auf die Frage, ob der Vertrag mit Michael Schmitz im Fall des Falles verlängert worden wäre, möchte sich Johann Keller, Bürgermeister und KTG-Aufsichtsratsvorsitzender, nicht äußern. »Das ist reine Spekulation«, erklärt er. Die Kündigung kommentiert er mit den Worten: »Wenn sich jemand eine neue Herausforderung sucht, muss man es nehmen, wie es kommt.« Michael Schmitz möchte sich nicht falsch verstanden wissen. Er gehe nicht aufgrund von Spannungen, sondern aus »privaten Gründen«. »Die Arbeit hat Spaß gemacht«, sagt er, »sonst wäre ich schon im vergangenen Jahr gegangen.« Stattdessen spricht er über seinen Kündigung wie über eine normale Entwicklung. »In meinem Job ist es einfach nicht mehr üblich, dass man bis zum Altersruhestand bleibt«, erläutert er, »so lange ich noch jung und mobil bin, suche ich auch nach neuen Herausforderungen.« Nicht lange geblieben Lange ist Michael Schmitz auch an seinen vorangegangenen Arbeitsstellen nicht geblieben. Nach seinem Studium der Fremdenverkehrsgeographie und Betriebswirtschaftslehre nahm er Mitte 1996 seine erste Stelle in Dobel im Schwarzwald als Geschäftsführer der Tourist-Information an. Rund anderthalb Jahre später wurde er Kur- direktor des Allgäuer Ferien- ortes Fischen, wo er ebenfalls keine zwei Jahre blieb. Am 1. Januar 2003 kam er nach Bad Peterstal-Griesbach. Große Erwartungen Die Kurgemeinde setzte große Erwartungen in den ersten Geschäftsführer der Kur und Tourismus GmbH. Neben allen Aufgaben, die eine Gründung mit sich führt, ist er in vielen Bereichen neue Wege gegangen. So wurde die Kur-GmbH Mehrheitsgesellschafter der St. Anna gGmbH, um das Gesundheits- zentrum mit seinen rund 60 Arbeitsplätzen zu retten. Es entstand die Tourist-Information mit durchgehender Öffnungszeit, die Kooperation mit Freudenstadt, die Beteiligung an Konus, ein neuer Internetauftritt, ein EDV-gestütztes Informations- und Reservierungssystem, die Kooperation mit dem WMA-Wandermagazin, die Kooperation mit der Schwarzwald Tourismus GmbH, der talübergreifende Willkommenspass und eine neu ausgerichtete Nahumfeldwerbung. Schmitz und sein Team kreierten für die Gemeinde eine attraktivere Werbelinie, führten Marketingaktionen durch und koordinierten alle Aktionen zur DTV-Klassifizierung mit Mountainbike-Wegenetz. In Schmitz’ Amtszeit erhielt die Kurgemeinde die Auszeichnung »Premium Class Kneipp«. Nicht ohne Stolz blickt der Geschäftsführer auf die vielen Aktivitäten zurück. Nach den Osterferien hat sich der Aufsichtsrat mit der Nachfolge des KTG-Geschäftsführers zu beschäftigen. »Die Ausschreibung soll so bald als möglich erfolgen«, informiert Keller. Das Anforderungsprofil sei jedoch noch nicht festgelegt. Michael Schmitz äußerte den Wunsch, dass sein Stellvertreter Thomas Holz so lange kommissarisch die Geschäftsleitung übernimmt, bis ein Nachfolger gefunden ist.

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