Appenweier

Schüleraustausch floriert seit 42 Jahren

Autor: 
Stephanie Rohn
Lesezeit 4 Minuten
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08. Juni 2017

Ralf Wiedemer (links), Walter Kornmeier und Chantal Clavier-Graf sind besonders eng mit dem Schüleraustausch zwischen Appenweier und Montlouis verbunden. ©Stephanie Rohn

Im Februar 1975 wurde die Partnerschaft zwischen Appenweier und Montlouis-sur-Loire mit einem Freundschaftsvertrag besiegelt. Dieser gilt inzwischen seit 42 Jahren. Genauso lange besteht auch der Schüleraustausch zwischen den beiden Gemeinden. 

Eine ununterbrochene Freundschaft, die schon über 40 Jahre anhält, das ist die Bilanz der Partnerschaft zwischen Appenweier und Montlouis. Von Anfang an war das Hauptaugenmerk auf den Schüleraustausch gerichtet. So sollte besonders den jungen Menschen die Möglichkeit geboten werden, Kultur und Sprache des Nachbarlandes kennen zu lernen und grenzüberschreitende Freundschaften aufzubauen. Dies ist gelungen. Neben vielen langjährigen Freundschaften sind aus der Verbindung zwischen Deutschland und Frankreich inzwischen sogar drei Ehen entstanden. 
Mann der allerersten Stunde ist der Appenweierer Walter Kornmeier. Von 1975 bis 1997 organisierte und leitete der ehemalige Hauptamtsleiter die jährlich stattfindenden Besuche der französischen Jugendlichen sowie die Gegenbesuche an der Loire. Waren es im ersten Jahr 20 Schüler, die teilnahmen, so wagten 1984 schon 34 Jugendliche den Weg über die Landesgrenze. Die bisher höchste Teilnehmerzahl lag bei 39 Schülern. Durchschnittlich sind es bis heute rund 30 Jugendliche zwischen zwölf und 18 Jahren, die jährlich ihre Freunde im Nachbarland besuchen. 
Interessen wecken 
Nicht immer einfach sei es gewesen, das Interesse der Jugendlichen zu wecken, erinnert sich Kornmeier. Neben Werbung  waren der persönliche Kontakt und die Mund-zu-Mund-Propaganda besonders wirksam. In den 80er-Jahren wurde die Suche nach Interessenten dadurch erschwert, dass viele Kinder und Jugendliche nach Offenburg auf weiterführende Schule gingen und dort am Austausch mit der Partnerstadt Los-le-Saunier teilnahmen. Doch der Austausch blieb kontinuierlich bestehen. Zwei Wochen in den Osterferien sowie zwei Wochen in den Sommerferien besuchen sich die Jugendlichen der beiden Gemeinden regelmäßig. Aufgrund der unterschiedlichen Ferienzeiten gab es zeitweise sogar eine Befreiungen vom Unterricht.  
Zwei Begleitpersonen sind bei den Besuchen immer dabei. Jahrelang waren es auf französischer Seite die Deutschlehrerin Anni und ihr Mann Jean-Michelé Albertini, Rektor der Schule. Auf der Gegenseite waren der ehemalige Urloffener Lehrer Klaus-Peter Woile, Konrektor der Appenweierer Grundschule, Alois Ochs sowie Walter Kornmeier selbst federführend. Ebenso Brigitte Marné aus Montlouis, die zusammen mit Chantal Clavier-Graf als Schülerin von Anfang an dabei war, setzt sich bis heute für das Fortführen der gegenseitigen Besuche ein. 
Nicht nur in der Organisation und Umsetzung des Projektes waren Walter Kornmeier und seine Familie jahrelang engagiert. In ihrem Haus war immer Platz für Gäste aus Frankreich. Einmal, erinnert sich Ehefrau Hildegard schmunzelnd, hatte man insgesamt 16 spontane Gäste im eigenen Haus zu versorgen. Während der üblichen Aufnahme der französischen Schüler stellten Kornmeiers, sozusagen als Notnagel, wenn eine Aufteilung mal nicht harmonieren sollte, weitere Plätze zur Verfügung. Obwohl es nicht immer einfach war und viel Arbeit mit sich brachte, ist sich das Ehepaar einig, seien dadurch doch lebenslange Freundschaften entstanden. Heute noch feiere man zusammen Hochzeiten, Jubiläen und andere Familienfeste.  
Jeweils eine Woche
In den 80er-Jahren nahm Organisator Kornmeier den jungen Rathauskollegen Ralf Wiedemer mit ins Boot der Organisatoren. Einerseits seine guten Sprachkenntnisse in Französisch, andererseits sein großes Engagement machten Wiedemer von Jahr zu Jahr unentbehrlicher. Inzwischen ist er für den Jugendaustausch verantwortlich. Einiges hat sich in den Jahren verändert, resümiert er. Inzwischen hat sich die Länge des Austausches auf jeweils eine Woche verkürzt, da die Geburtenzahlen nachgelassen und die Familienurlaube zugenommen haben. Auch im Programm ist Wiedemer auf die aktuellen Interessen eingegangen. Früher gab es Betriebsbesichtigungen, heute stehen mehr die sportlichen Aktivitäten im Fokus der jungen Leute. So organisiert Wiedemer Klettertouren, Wanderungen oder Kanufahrten, die gut ankommen. Auch der Besuch des Europa-Parks darf nicht fehlen. Inzwischen ist auch das Appenweierer Jugendzentrum »Blue Flame« allabendlich wichtiger Treffpunkt für die Jugendlichen zum Austausch sowie für den gemeinsamen Discoabend.

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Chantal Clavier-Graf: »Nirgendwo anders möchte ich leben«

Die Französin Chantal Clavier-Graf nahm vom ersten Jahr an als Schülerin am Austausch teil. Zufällig, so erzählt sie, habe sie als eine der letzten noch einen Platz im Austauschprogramm ergattert. Seither war sie jedes Jahr dabei. Auch nachdem sie die Schule beendet hatte, blieb ihre Verbundenheit zu Appenweier bestehen. »Ich zog in den 80er-Jahren ganz hierher. Nirgendwo anders möchte ich leben«, ist sie überzeugt. Schnell wurde sie in die Organisation des Schüleraustauschs eingebunden und spielt auch heute noch eine wichtige Rolle. 
Inzwischen bildet sie mit Amtsrat Ralf Wiedemer das Herz des Projektes, begleitet die Schüler ins Nachbarland und ist auch bei Sprachproblemen zur Stelle. Nicht nur die Liebe zum Ort verbindet Clavier-Graf untrennbar mit Appenweier, denn sie hat hier auch den Mann fürs Leben gefunden. Auch die Tochter ist inzwischen federführend als Begleitperson beim Austausch mit dabei. 

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