Stadt Achern erinnert an Jüdin

Selma Merbaum hat Spuren mit Gedichten hinterlassen

Autor: 
Roland Spether
Lesezeit 3 Minuten
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27. Januar 2021

An den „Orten des Gedenkens“ in Achern erinnern fünf Gedichte der Jüdin Selma Merbaum an den Holocaust und die Opfer der NS-Diktatur. Unser Foto zeigt die Leiterin des Stadtarchivs, Andrea Rumpf und Oberbürgermeister Klaus Muttach an der Stele vor dem Illenau-Rathaus ©Roland Spether

In der Illenau wird der 1942 in einem Arbeitslager verstorbenen Jüdin Selma Merbaum gedacht. Auch an den früheren Fußballnationalspieler Julius Hirsch soll bald in der Illenau erinnert werden.

Das Leben der Jüdin Selma Merbaum war viel zu kurz, sie starb 1942 mit 18 Jahren in einem Arbeitslager und der letzte Satz ihres einzigen erhaltenen Gedichtbandes „Blütenlese“ lautet: „Ich habe keine Zeit gehabt zuende zu schreiben“. Mit fünf ihrer Gedichte erinnert und gedenkt die Stadtverwaltung Achern zum internationalen Holocaust-Gedenktag am Mittwoch, 27. Januar, der Millionen ermordeter jüdischer Menschen und lädt die Bevölkerung ein, sich bei einem Spaziergang auf Spurensuche nach ihnen und stellvertretend nach Selma Merbaum zu begeben. Denn die junge Frau hat mit ihren Gedichten Spuren hinterlassen, ihre 57 Gedichte gehören zur Weltliteratur und mit ihrem Cousin Paul Celan und Rose Ausländer zählt sie zum literarischen Dreigestirn der Kulturlandschaft „Bukowina“.

Fünf Gedichte

Ihre Gedichte mahnen nun in Achern an den Stelen „Orte des Gedenkens“, die auf die Opfer der NS-Gewaltherrschaft aufmerksam machen. Dies betonten Oberbürgermeister Klaus Muttach sowie die Leiterin des Stadtarchivs, Andrea Rumpf, die fünf Gedichte für die Tafeln auswählte und dazu Fotos von Marion Tauschwitz erhielt, die eine Biographie über Selma Merbaum schrieb.

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Die Stelen befinden sich am Hauptzugang zur Illenau, vor dem Eingang zum Illenau Arkaden Bistro und Museum, vor der Jugendkirche Illenau, in der Klara-Reimann-Straße und auf dem Friedhof Illenau. 

Durch den Lockdown ist es nicht möglich, dass die traditionellen Gedenkveranstaltungen zur Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945 dieses Jahr in der Jugendkirche Illenau und in der Heimschule Lender, die eine Partnerschule in Jerusalem hat, stattfinden können. Stellvertretend dafür stehen nun die Stelen mit Erinnerungen an Selma Merbaum, die 1924 in Czernowitz (damals Rumänien, heute Ukraine) geboren wurde und von 1934 bis 1940 ein privates, jüdisches Mädchengymnasium besuchte. 

Ab 1941 wurde Selma Merbaum in Ghettos und Zwangsarbeitslagern inhaftiert, zuletzt in Michailowka am Ostufer des Bug. Die Häftlinge mussten Schwerstarbeit beim Bau einer Schotterpiste verrichten, die bis in den Kaukasus führen sollte. Selma Merbaum erkrankte an Typhus, schleppte sich noch 14 Tage lang zur harten Arbeit und starb am 16. Dezember 1942 völlig entkräftet. Selma Merbaum blieb „lebendig“, sie hat Spuren hinterlassen, auf Fotos von Klassenkameradinnen und mit Gedichten in ihrem Poesie-Album. Dieses konnte sie auf dem Weg in die Deportation  ihrem Freund zustecken, später haben es zwei Freundinnen auf der Flucht bis nach Israel gerettet.  

Stichwort

Julius Hirsch

Ein Bereich zwischen dem IT-Campus und der Reithalle soll nach dem Deutschen Fußballnationalspieler Julius Hirsch benannt werden, der 1892 in der Illenau geboren und 1942 in Auschwitz ermordet wurde, so Klaus Muttach. Einen Vorschlag werde die Verwaltung dem Gemeinderat in der nächsten Sitzung machen und damit eine Anregung von Richard Busam während der Fußball-WM 2018 aufgreifen. Julius Hirsch wurde 1910 im Trikot des Karlsruher FV Deutscher Fußballmeister, Nationalspieler und nahm 1912 an den Olympischen Spielen in Stockholm teil. 

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