Serie »Orts-Namen« (2)

Zu Sasbachwaldens ältesten Namen gehören Decker und Fallert

Autor: 
Michael Frammelsberger
Lesezeit 5 Minuten
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26. August 2016

(Bild 1/2) Diese alte Postkarte zeigt den Wörnerhof. Der Name Wörner ist ungefähr seit 1600 in Sasbachwalden nachweisbar. ©Foto: Archivfoto

Viele heute in Sasbachwalden verbreitete Familiennamen gibt es schon länger als die systematische schriftliche Überlieferung in den Kirchenbüchern. Im Laufe der Zeit sind viele Namen im Ort aufgetaucht und wieder verschwunden.
 

Spezialist für die Geschichte Sasbachwaldens und seiner Einwohner ist der Ortshistoriker Markus Bruder. Das Gemeinderatsmitglied hat sein Wissen aus vielen verschiedenen Unterlagen zusammengetragen. »Leider sind nur seit 1697 die Kirchenbücher aus Sasbach überliefert«, erklärt er.

Dort wurden die Sasbachwaldener bis zur Gründung einer eigenen Pfarrei eingetragen. Ein älteres Kirchenbuch ab 1641 war bis in die 1920er Jahre bekannt, ältere Forscher konnten noch darauf zurückgreifen. Was aus ihm wurde, ist unbekannt. 

Kirchenbücher ungenau

Problematisch sei auch, dass die Kirchenbücher in Sasbach oft relativ nachlässig geführt wurden, so Bruder. In der dortigen Kirche wurden lange Zeit Mönche aus dem Kloster Schuttern eingesetzt, diese durften nur zwei bis drei Jahre in der Gemeinde bleiben, damit sie keine zu enge Bindung zu den Einwohnern bekamen. An einer sorgfältigen Buchführung waren sie nicht interessiert, sodass viele Informationen über Verwandtschaftsverhältnisse und Berufe, die es in anderen Kirchenbüchern gibt, fehlen. 

Für die Erforschung der Sasbachwaldener Geschichte muss Markus Bruder deshalb verstärkt auf andere Unterlagen zurückgreifen. Vor allem die Zinslisten der Grundbesitzer helfen ihm weiter, sie kommen vom Kloster Allerheiligen, den Herren von Windeck, den Markgrafen von Baden, den Herren von Hohenrod und dem Hochstift Straßburg. Diese besaßen alle im Lauf der Jahrhunderte Ländereien im Dorf.
Schon der heute häufigste Name Decker ist älter als die Kirchenbücher, als erster Namensträger ist Andreas Decker bekannt, der 1706 verstarb. Er hinterließ einen Sohn, dessen Spur sich in den Akten verliert. Stammvater aller heutigen Deckers ist daher der in der gleichen Zeit erwähnte Jakob Decker, der sieben Kinder hinterließ. Ob die beiden verwandt sind, kann man nicht mehr nachvollziehen, der Name kam auch in älteren Akten nicht vor. 

»Vermutlich sind die Deckers aus Seebach eingewandert«, glaubt Markus Bruder. Ähnlich alt ist der Name Fallert, auf einer Zinsliste aus dem Jahr 1666 ist der Name Andreas Fallert auf dem Hagenberg überliefert. Um 1700 gab es schon drei verschiedene Familien mit dem Nachnamen. Noch älter ist der Name Doll, er ist sogar seit 1605 nachweisbar. Der Sandweg gehörte früher zur Pfarrgemeinde Oberachern, aus dieser sind schon seit diesem Jahr die Kirchenbücher überliefert. Schon vor dem Dreißigjährigen Krieg gab es vier verschiedene Linien der Familie Doll im Sandweg. Auch die Geschichte seines eigenen Nachnamens hat der Ortshistoriker Bruder recherchiert, zum ersten Mal kommt der Name in einem Zehntbuch aus dem Jahr 1673 mit Hans Bruder vor. Eine Rechnung von 1693 für den Kirchenbau in Sasbach nennt Nikolaus Bruder, 1716 wird der gleiche Name noch einmal beim Kirchenbau erwähnt. Neben den vielen überlieferten Namen sind auch einige früher weit verbreitete Namen aus Sasbachwalden verschwunden. Dazu gehört zum Beispiel Steimle, der im Jahr 1680 erstmals erwähnt wurde, der seit 1673 bekannte Neunzig oder der bereits für das Jahr 1600 nachweisbare Wörner. 

Viele dieser Familien haben Spuren im Tal hinterlassen, zum Beispiel gibt es heute noch einige Häuser mit der Aufschrift Dürr, ebenfalls ein ausgestorbener Familienname. Meistens verschwanden die Namen dadurch, dass es in der Familie keinen Sohn gab oder die Nachfahren in einen anderen Ort gezogen sind. 

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Rösch aus Furschenbach

Natürlich kamen auch einige Familien aus anderen Orten in den Ort. Zum Beispiel brachten zwei Brüder aus Furschenbach den Namen Rösch ins Tal. Matthias Rösch heiratete 1749 Anna-Maria Wild, das Paar hatte zwölf Kinder. Ein Jahr später folgte Andreas Rösch, der mit Gertrud Geiser acht Kinder hinterließ. 

Mit dem Namen Rösch ist auch ein anderer heute weit verbreiteter Name verbunden: Matthias Röschs Tochter Maria heiratete 1786 Nikolaus Schneider, dessen Nachnamen damit zum ersten Mal erwähnt wird. Die meisten Neuankömmlinge in Sasbachwalden kamen aus den Nachbarorten. »In den Randgebieten der Täler gab es oft Überschneidungen«, erklärt Markus Bruder. So kam zum Beispiel der Name Oberle mit Matthias Oberle um 1695 von Grimmerswald nach Schönbüch, für den Namensträger war es nur ein kleiner Umzug. 

Wie genau die Ehen in den vergangenen Jahrhunderten zustande kamen, ist oft nur noch in wenigen Fällen nachvollziehbar. Eine Ausnahme ist der Name Lehmann:  Im Jahr 1780 hatte die Familie Zink Schulden beim Kanzleiverwalter des Klosters Gengenbach. Da sie diese nicht bezahlen konnte, ging man einen Deal ein. Die Erbfolge wurde zugunsten der Tochter des Hauses geändert und diese auf Vermittlung des Kanzleiverwalters mit Frank Lehmann aus Oberharmersbach verheiratet. Dieser kam so an den Hof der Familie, dafür sorgte er für die Begleichung der Schulden.

Serie: Orts-Namen

In diesem Sommer setzen wir unsere beliebte Serie »Orts-Namen« fort. Dabei handelt es sich jedoch nicht um die Namen der jeweiligen Gemeinden, sondern um dort besonders häufige Familiennamen. Die einzelnen Beiträge erscheinen jeweils mittwochs und freitags in folgender Reihenfolge:

◼ Mittwoch, 31. August, Seebach
◼ Freitag, 2. September, Oberachern
◼ Mittwoch, 7. September, Sasbachried
◼ Freitag, 9. September, Ulm (Appenweier/Renchen).

www.bo.de/Ortsnamen

Stichwort

Decker und Fallert

ür die Herkunft des Namens Decker gibt es mehrere Erklärungen, er wird meistens zu den Berufsnamen gezählt. Er ist in den verschiedensten Abwandlungen wie Deckert, Deger, Deiger oder Daiker überliefert. Möglich ist eine Abstammung vom Beruf des Dachdeckers, aber auch eine Verballhornung des Worts Bäcker wird vermutet.
Der Name Fallert ist eine Besonderheit im Ortenaukreis, im Rest des Landes ist er kaum verbreitet. Möglich ist eine Abwandlung des bekannteren Faller, hier stammt der Name vom Wohnort ab. Die Namensträger wohnten früher nahe eines Falls, also eines Wasserfalls oder eines Windfalls. Bei einem Windfall hat ein Sturm an einem Hang eine Baumschneise geschlagen.

Namensserie

Der Herkunft von Familiennamen geht die Mittelbadische Presse täglich mithilfe des Namensex­perten Prof. Dr. Konrad Kunze aus Freiburg auf den Grund. Mehr dazu lesen Sie auf der Seite Ortenau regional in der Serie »Wo kommt mein Name her?«

Hintergrund

Nachnamen

Sasbachwalden (Gesamtgemeinde 2370 Einwohner):
Decker 75 Personen
Schneider 59
Fallert 55
Fischer 53
Doll 52

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