Eltern sollen nicht zu Lehrern werden
Dossier: 

So läuft der Heimunterricht für einen Acherner Gymnasiasten

Autor: 
Regina de Rossi
Lesezeit 3 Minuten
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29. März 2020

©Regina de Rossi

Manche Mütter und Väter kommen sich derzeit wie Lehrer vor. Schüler müssen mehr büffeln als sie zu Beginn der Schulschließung gedacht hatten. Das Gymnasium Achern wird dennoch sehr gelobt.

 „Mama, kannst du mir zeigen wie man Absperrung schreibt?“ Ein Zettel wird gezückt und das Blatt mit den krakeligen Buchstaben an die Zimmertür geheftet. Nicht etwa an die eigene Tür des Fünfjährigen. Sondern an die des zwölfjährigen Bruders. Dort herrscht gerade der Ausnahmezustand. Die Tür ist zu. Mit verstrubbelten Haaren und im Wohlfühl-Outfit sitzt der Bruder am PC. Die Tasten klappern, dann wieder Stille und auf einmal ein Schrei. Ein langgezogenes O, das beträchtlich in die Höhe schnellt und in einem lauten Ausruf mündet: „Ich kapier’ das nicht!“ 

Keine Treffen möglich

Solche Szenen spielen sich in vielen Haushalten derzeit ab. Mal klappt alles gut, mal weniger. Seit dem 17. März ist für die Acherner Schüler nichts mehr so, wie es mal war. Leere Schulhöfe, leere Klassenzimmer, keine persönlichen Kontakte, das Treffen Gleichaltriger passé.

„Anfangs dachte ich, das wird ganz cool, chillen, ausschlafen, aber mit Ferien hat das nicht zu tun!“ Der Unterrichtsstoff muss weiterhin vermittelt, das Schuljahr zu Ende gebracht werden. Gute Ideen sind hier gefragt. Am Gymnasium Achern ist ein beispielhaftes Konzept entstanden, das von allen Beteiligten sehr gelobt wird. 

Dort hatte man zuvor den Schulmanager entwickelt, der anstehende Klassenarbeiten, Hausaufgaben, aber auch aktuelle Termine per Handy weitervermittelt. „Es gibt niemanden, der das Konzept nicht nutzt. Für uns Lehrer war es eine gute Ausgangsposition, um das Office 365 weiter zu entwickeln, ein Programm zur direkten digitalen Vernetzung zwischen Lehrer und Schüler“, sagt Johannes Börsig.

Ein großes Werk

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Schulleiter Stefan Weih: „Ein wahres Opus magnum, für das ich meinen Kollegen Stefan Hunn und Johannes Börsig sehr danken möchte.“ Mitgeholfen, diese Vernetzung herzustellen, haben Bernd Mettenleiter und der Elternbeiratsvorsitzende und Berufs-ITler Stephan Kunstmann. 

Wie aber funktioniert Home Schooling im Alltag, wenn der Austausch fehlt, die Freunde, die Begegnung zwischen Gleichaltrigen nicht vorhanden sind? Das eigene Zuhause kann dies nicht ersetzen, wohl aber Halt und Orientierung geben. Wohl dem, der eine geordnete Struktur in die Wiege gelegt bekommen hat. Da hört man von Schülern, die ganz bewusst den Wecker stellen, ihr Frühstück einnehmen und den Tag nach Stundenplan abarbeitet. Schwieriger wird es bei den Freigeistern, den Kompliziert- Denkern und Ungeduldigen. Bei ihnen ist Struktur ein Unwort und nicht nur die Eltern kommen an ihre Grenzen.

Aber auch hierfür hat das Gymnasium Achern, wie viele andere Schulen, Pionierarbeit geleistet. „Eigentlich wird man in allen Belangen aufgefangen“, sagt eine Mutter. „Der direkte Kontakt zu den Lehrern ist ebenso möglich wie Unterstützung beim häuslichen Lernen oder der persönliche Kontakt zu Vertrauenslehrer und Schulsozialarbeitern.

Druck vom Umfeld

Bei aller Sorge um den fehlenden Unterricht sind die Kinder einer bisher nicht gekannten, einschneidenden Situation ausgesetzt. Sie müssen lernen, mit Ängsten umzugehen, mit Sorgen. Sie müssen sich auf die unterschiedlichsten Vorgehensweisen der einzelnen Lehrer einstellen. Und sie sind nicht selten dem Druck ihres Umfelds ausgesetzt: Eltern, die aus Sorge handeln, die Zukunft ihres Kindes gefährdet sehen.

Ein Schreiben des französischen Bildungsministeriums an die Eltern schulpflichtiger Kinder sagt zusammengefasst, man solle nicht Lehrer spielen, sondern Mutter oder Vater bleiben, liebevoll und verständnisvoll in einer schwierigen Situation: „Am Ende wird die psychische Gesundheit unserer Kinder wichtiger sein als ihre akademischen Fähigkeiten.“ Oder um es mit den Worten von Schulleiter Stefan Weih zu sagen: „Es kann und darf nicht zu einer unverhältnismäßigen Belastung der Schülerinnen und Schüler kommen“.

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