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Oppenau

Stammzellenspende: Für das Leben eines Fremden

Oppenauer Student wurde zu Stammzellenspender / »Ich würde es jederzeit wieder machen«
10. August 2017
&copy Privat

Tobias Keller ist ein Lebensretter. Der 22-Jährige Student aus Oppenau hat Stammzellen für einen an Blutkrebs erkrankten Menschen gespendet. »Es war wie ein Sechser im Lotto«, sagt er über die Chance, als Spender in Frage gekommen zu sein.

Seit dem 15. Mai bangt und fiebert Tobias Keller mit einem ihm Unbekannten mit, von dem er nur weiß, dass er 26 Jahre alt ist und ebenfalls aus Deutschland kommt. Trotzdem ist er für Tobias Keller kein Fremder mehr. »Ich fühle mich stark mit ihm verbunden«, sagt der 22-Jährige aus Oppenau. Kein Wunder, schließlich fließt seit diesem Tag sein Blut durch die Venen des an Blutkrebs erkrankten Anderen. Ob die Therapie anschlägt, der Körper des Krebspatienten die fremden Stammzellen akzeptiert, muss sich indes noch zeigen. Sechs Monate kann dieser Anpassungsprozess dauern – oder auch länger. »Ich bin zwei Jahre als Spender für den Empfänger reserviert und ich würde es jederzeit wieder machen«, meint Keller und seine Augen strahlen dabei. Trotz der Prozedur, der auch er sich seit März dieses Jahres unterziehen musste, als sich herausstellte, dass seine Stammzellen passen. 

Das erste Mal in Berührung mit der Stammzellenspende kam Tobias Keller vor zwei Jahren, als er während seines Studiums noch in Karlsruhe wohnte. »Ein Mitbewohner, der schon bei der DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) registriert war, hat mich darauf aufmerksam gemacht.« Keller informierte sich, ließ sich schließlich ein Wattestäbchen samt Unterlagen zur Registrierung schicken. Selbst als das Päckchen mit dem Stäbchen, das nun seine DNA beinhaltete, schon wieder längst auf dem Rückweg zur DKMS war, ließ ihn das Thema Stammzellenspende nicht mehr los. Tobias Keller machte sich auch innerhalb seiner Familie für eine Typisierung stark. Inzwischen ist die ganze Familie typisiert.

Details zum Empfänger erfährt der Spender erst nach der Stammzellenentnahme.

»Die Chance, dass man als Spender in Frage kommt, ist gering«, weiß der Student. Umso überraschter war er, als die DKMS im März, als er sich gerade für ein Auslandssemester in den USA befand, Kontakt zu ihm aufnahm. Genau wie sein Bruder war er in die engere Auswahl für ein und denselben Patienten gekommen. Zurück aus den USA folgten die Blutproben. »Selbst nach der zweiten Blutprobe liegt die Chance nur bei 20 bis 30 Prozent, dass man genommen wird«, blickt Keller zurück. »Ich habe gehofft, dass ich der Spender bin.« Es sei ein schönes Gefühl zu wissen, dass man einem Menschen eine zweite Chance geben kann. Für wen er Stammzellen spenden würde, blieb zunächst ein Geheimnis. Erst nach der Spende gebe die DKMS Geschlecht, Alter und Nationalität des Empfängers bekannt. Bis dahin war es aber noch ein langer Weg.

Nach dem zweiten Bluttest wurde Tobias Keller in die Entnahmeklinik nach Stuttgart eingeladen und »auf Herz und Nieren überprüft«. Zu seiner eigenen Sicherheit und der des Stammzellenempfängers. Noch hätte der Student einen Rückzieher machen können. Beruhigend sei gewesen, dass die Stammzellen bei einer Blutentnahme entnommen werden sollten. Lediglich bei 20 Prozent der Fälle sei eine Operation notwendig, bei der dem Spender unter Vollnarkose aus dem Beckenkamm etwa fünf Prozent seines Knochenmarks entnommen werden.

15 Tage vor der Stammzellenspende gab es für Tobias Keller kein Zurück mehr. Dem Krebspatienten werden in dieser Zeit bei einer Strahlentherapie die eigenen, erkrankten Stammzellen zertrümmert. Er ist nun noch mehr auf die Spende angewiesen, befindet sich in einem sterilen Raum. Und auch Tobias Keller standen Veränderungen bevor. Hatte er zuvor bereits viele Gespräche mit Mitarbeitern der DKMS geführt, galt es nun, die eigenen Stammzellen für die bevorstehende Spende zu mobilisieren. »Insgesamt habe ich acht Spritzen bekommen, die ich mir über einen bestimmten Zeitraum setzen sollte.« Nebenwirkungen wie Gliederschmerzen und Grippegefühle sind nichts ungewöhnliches. »Die Nebenwirkungen waren bei mir aber nicht stark, ich konnte sogar noch Fußball spielen«, sagt der Spieler des TuS Oppenau.  

Die Spende selbst verlief reibungslos, meint Keller. Nach seiner Ankunft am Morgen des 15. Mai im Robert-Bosch-Krankenhaus erhielt er nach einer Untersuchung einen Schlauch in den linken und rechten Arm. Fünf Stunden lang sollten die benötigten Stammzellen aus seinem Blut herausgefiltert werden. Sogar am Laptop habe er währenddessen arbeiten können. Bereits nach vier Stunden waren ausreichend Stammzellen zusammengekommen. Nach einer weiteren Stunde, in der das Ergebnis überprüft wurde, konnte Tobias Keller zum Telefon greifen und die Informationen über den Empfänger seiner Stammzellen einholen. »Das war ein aufregender Moment.« 

Von Freunden habe er in der darauf folgenden Zeit große Zustimmung erfahren. Allerdings habe er oft erklären müssen, dass die Spende »total harmlos ist«. Viele hätten ein falsches Bild von einer Stammzellenspende vor Augen. Er will deshalb aufklären und mehr Menschen dazu bringen, sich typisieren zu lassen. Welche Emotionen eine Stammzellenspende auslösen kann, habe er erst mit etwas Verzögerung realisiert. In einer Broschüre der DKMS seien Briefe zwischen Spendern und Empfängern abgedruckt. Ob ein Kontakt zustande kommt, liege aber in den Händen des Empfängers. 

Autor:
Simon Allgeier

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