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Kappelrodeck-Waldulm

Steinbruch Waldulm: Erweiterung sorgt für Diskussionen

Anwohner beklagen den geringen Abstand zur Bebauung / Argumente bei Vor-Ort-Termin vorgetragen
20. März 2017
&copy Berthold Gallinat

Die Steinbrucherweiterung beunruhigt Waldulmer Anwohner sehr. Das zeigte sich bei einem Vor-Ort-Termin.

72 Anwohner am Pfarrberg und im Pfaffenbach machen sich derzeit große Sorgen. Denn im rückwärtigen Bereich des Pfarrbergs steht die Erweiterung des Ossola-Steinbruchs an, die teilweise bis zu 100 Meter an ihre Häuser heranrückt. Die Sprengungen im Steinbruch sind nach ihren Erfahrungen jetzt schon unangenehm zu verspüren, obwohl der momentane Abbau noch in etwa 250 Meter Entfernung von ihren Häusern betrieben wird. 

Am Freitagnachmittag nun waren mehrere der betroffenen Bürger zusammen mit MdL Thomas Marwein (Die Grünen), Bürgermeister Stefan Hattenbach und Ortsvorsteher Johannes Börsig vor Ort unterwegs, um dem Abgeordneten ein Bild von der geplanten Maßnahme und ihren Risiken für die Anwohner, aber auch für das Landschaftsbild Waldulms zu vermitteln. 

Als persönliche Folgen sehen die Anwohner durch die Sprengungen eine starke Erschütterungsgefahr für ihre Häuser. An verschiedenen zeigen sich jetzt schon Risse, die nach ihrer Überzeugung wegen des Auftretens an mehreren Häusern durch Sprengerschütterungen verursacht sind. »Und wenn Sie solche Risse im Haus entdecken und selbst schon erlebt haben, wie bei Sprengungen die Gläser im Schrank tanzen«, teilte Markus Bürk als einer der Wortführer bei der Begehung mit, »dann beruhigt sie auch die Versicherung nicht, dass bei den Sprengungen die erlaubten Erschütterungswerte eingehalten und sogar unterschritten werden.« 

Wertverlust der Häuser

Letzteres hatte die Firma auf einer frühen Öffentlichkeitsbeteiligung am 30. November in der Alten Schule vermittelt. Die Anwohner sehen durch die Steinbrucherweiterung eine starke Beeinträchtigung ihrer Wohnqualität und auf lange Sicht einen klaren Wertverlust ihrer Häuser. Was sie überhaupt nicht verstehen können, ist, warum die Regionalplaner in ihrem Umweltbericht generell von 300 Meter Sicherheitsabstand für Steinbruchbetriebe ausgehen, in Waldulm aber davon abweichen.

»Wir haben festgestellt, dass im Regionalplan Südlicher Oberrhein 15 Steinbruchbetriebe erfasst sind. In zwei Fällen beträgt der Abstand jeweils 240 und 260 Meter zu einem Einzelgehöft, zu Wohngebieten aber wird der Sicherheitsabstand nirgends unterschritten«, teilte Gebhard Fischer MdL Thomas Marwein mit und fragte, wie dann die geplante Erweiterung bis 100 Meter an das Wohngebiet Pfarrberg heranrücken dürfe. Neben ihrer privaten Schädigung führen die Petitionssteller auch topologische Risiken ins Feld. Durch zwei unkontrollierte Felsstürze 2016 muss aus Sicherheitsgründen ein Teil des Bergrückens abgetragen werden. 

Probleme für Bäume?

Solche Felsabstürze sehen sie auch in der geplanten Erweiterungsfläche als Gefahr. Weiterhin drohe durch die geplante, 100 Meter tiefe Abgrabung auf der Bergrückseite, dass Wasserspeicherfähigkeit verloren geht. Zwar sieht die Erweiterungsplanung vor, das typische Landschaftsbild mit den Bäumen auf dem Bergrücken zu erhalten, aber Winzer und Landwirt Theo Künstel ist überzeugt, dass an der schmalsten Stelle des Bergrückens mit sieben Metern Breite die Bäume absterben werden, weil sie nicht genug Wasser aus dem Boden ziehen können. Somit wäre das ganze Landschaftsbild gefährdet. 

Autor:
Berthold Gallinat

Stichwort

Petition

72 Waldulmer Bürger haben am 8. Januar dieses Jahres gegen den Regionalplan und die geplante Steinbrucherweiterung der Firma Ossola Schwarzwälder Kies- und Schotterwerke GmbH&Co.bKG beziehungsweise gegen die Festlegung der Vorrangfläche für Schotterabbau RVSO Nr. 7414-a eine Petition beim Land eingereicht. 

Die geplante Abbauerweiterung umfasst 3,75 Hektar, die Abbaumenge beträgt rund 1,6 Millionen Kubikmeter und als Abbauzeit sind 16 Jahre veranschlagt.gat 

Info

Gespräch

Es wurde von den Petenten nachdrücklich betont, dass es ihnen nicht darum gehe, der Firma Ossola die Zukunft zu nehmen, sondern man wünsche das Gespräch mit Firmenchef Armin Ossola. Ein gütliches Gespräch erachteten auch MdL Thomas Marwein und Bürgermeister Stefan Hattenbach für notwendig. Die Petenten sahen für dieses Gespräch den Sicherheitsabstand von 300 Metern als Basis und wünschten sich noch aussagekräftigere Erschütterungsmessungen als die bisherigen Punktmessungen. gat

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