Achern

Steinerne Mahnung in Berlin

Autor: 
Klaus Huber
Lesezeit 3 Minuten
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29. August 2014

Gesetzt wurde der Stolperstein im Beisein von Denise Baro (4. von links) im Besein ihrer Freundin Tanja Voß sowie (2. von links) Oberst i.G. Katz, (5. von links) Frieder Böhne vom VVN-BdA, Manfred Wichmann, Jürgen Kufus und vorne (kniend rechts) Künstler Gunter Demnig sowie des spanischen Hausbewohners und eines Begleiters des Obersts. ©privat

Eine Zeitreise führte Denise Baro geb. Matzner  nach Berlin. Dort war in Gedenken an ihren Urgroßvater ein Stolperstein geschaffen worden.

Ein Stolperstein in Berlin-Kreuzberg in der Urbahnstraße 101, wo Rudolf Matzner zuletzt gelebt hatte, erinnert nun an ihn. Gesetzt wurde der Stolperstein von dem eigens angereisten Künstler selbst im Beisein von Denise Baro sowie Oberst Katz im Generalstabsdienst (i.G.), Verteidigungsattaché der Botschaft des Staates Israel, Frieder Böhne vom VVN-BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten), Manfred Wichmann (Kulturstiftung Berliner Mauer), Jürgen Kufus (Friedrichshain-Kreuzberg – Museum). Der Enkel von Rudolf Matzner und Vater der beiden Schwestern Nicole Matzner und Denise Baro, Hans-Joachim Matzner, war in den siebziger Jahren aus beruflichen Gründen nach Achern gezogen, wo er 2010 verstarb.
Kellner im Adlon
Rudolf Matzner selbst war als Sohn jüdischer Eltern, die aus der Slowakei nach Wien gezogen waren, am 18. Februar 1881 in der Donaumetropole zur Welt gekommen. Der beruflich als Kellner tätige Rudolf Matzner war zeitweise sogar im Sacher-Hotel beschäftigt, was ein Arbeitszeugnis belegt, das sich wie andere Dokumente im Archiv des Jüdischen Museums Berlin befindet.
Rudolf Matzner kam 1903 nach Berlin, wo er in seinem Metier als Kellner tätig war, unter anderem im Hotel Adlon. Rudolf Matzner war in Berlin in zwei Ehen mit jeweils deutschen Frauen verheiratet, was ihm den  Status  einer »privilegierten Mischehe« verschaffte und das Tragen eines Judensterns ersparte.
Den weiteren Lebens- und Schicksalsweg des »fleißigen Menschen« in dessen Zeugnissen den Aussagen seiner zweiten Witwe Else Matzner zufolge außer diesem Attribut  auch die Worte »treu und ehrlich« vorkommen, dokumentiert eine Gedenktafel im Rathaus Kreuzberg in der Yorkstraße.
Trotz des Bemühens mit Hilfe eines jüdischen Rechtanwalts, eines »Konsulenten«,  der ihm bescheinigte, »nie bestraft worden« zu sein und »seine Verpflichtungen jederzeit erfüllt« zu haben, um  dessen Einbürgerung als Deutscher zu erreichen, wurde dem Gesuch nicht stattgegeben. Rudolf Matzner wurde aus seiner Stellung entfernt und musste bei den Argus-Motorenwerken, einem großen Rüstungsbetrieb  in der Reinickendorfer Flottenstraße, Zwangsarbeit leisten. Am 2. März 1943 wird er vom Arbeitsplatz weg nach Au­schwitz in Ostoberschlesien verschleppt.
Neben einem bewegenden Brief durfte er außerdem noch zwei Karten aus Auschwitz an seine Frau schreiben. Am 21. August  wird er mit »Leistenbruch« in das Lagerkrankenhaus eingeliefert, wo er vier Tage später stirbt. Seine Frau erhält die Urne mit seiner Asche, die sie auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee beisetzte, wofür dort sein Grabstein als Zeitzeuge steht. Eine Gedenktafel – ebenfalls im Kreuzberger Rathaus – mit den Namen der in Auschwitz ums Leben gekommenen Inhaftierten führt diese in zwei Namenslisten auf: die der »hingerichteten, ermordeten, erschossenen und vergasten« sowie die »an den Folgen langjähriger Haft verstorbenen«  Kameraden. Hier wird Rudolf Matzner eindeutig der ersteren Liste zugeordnet. Weitreichende Folgen hatte das tragische Schicksal Rudolf Matzners sowohl für seine hinterbliebene Frau Else als auch für  die gesamte Familie.
Lähmendes Element
Ein lähmendes Element in der Kommunikation stellte eine gewisse »Mauer des Schweigens« wegen der jüdischen Abstammung Rudolf Matzners dar, einerseits, um einer eventuellen  Deportation zu entgehen – heute, um unbeteiligte junge Menschen in der Familie nicht seelisch zu belasten. Der Stolperstein des Nichtvergessens in Berlin-Kreuzberg mag die Betroffenen insofern etwas aufrichten, als dieses dunkle Kapitel in der Geschichte sowie in der eigenen Familienchronik hiermit aufarbeitend ein wenig erhellt wurde, doch Denise Baro bekennt abschließend: »Es gäbe noch viel zu sagen und zu schreiben.«

Stichwort

Stolpersteine

Stolpersteine – ein Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig – werden als Mahnmale gegen das Vergessen zahlloser Greueltaten der Nazi-Zeit überall dort in das Pflaster von Städten eingefügt, wo die Opfer solcher unseliger Vorgänge gelebt oder auch gewirkt hatten. hu

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