Oberkirch

Tote Krähen in Zusenhofen zur Abschreckung aufgehängt

Autor: 
Simon Allgeier
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
18. August 2016
Mehr zum Thema
Zur Abschreckung aufgehängte Krähenkadaver hat Naturschützer Christoph Münch auf einem Feld bei Zusenhofen entdeckt und dem Landratsamt gemeldet.

Zur Abschreckung aufgehängte Krähenkadaver hat Naturschützer Christoph Münch auf einem Feld bei Zusenhofen entdeckt und dem Landratsamt gemeldet. ©Ulrich Marx

Tote Krähen als Abschreckung für ihre lebenden Artgenossen: In Zusenhofen sorgte diese Art der Vergrämung für Aufsehen. Verboten ist das Aufhängen toter Krähen zwar nicht, laut Landratsamt aber auch nicht sinnvoll. 

Es war ein selten gewordener Anblick, der sich Christoph Münch an einem Samstag Anfang August auf einem Feld bei Zusenhofen bot. Auf einen Hinweis hin hatte sich der Oberkircher Naturschützer auf den Weg ins Gewann Mührigwald gemacht. Dort stellte er fest, »dass die Kadaver von zwei Rabenkrähen an jeweils einer schräg in den Boden gesteckten Latte aufgehängt waren«. Vermutlich, so Münch, seien die Vögel von einem Jäger durch Schrotschüsse getötet worden. Seine auch gegenüber dem Landratsamt Ortenaukreis gerichtete Kritik richtete sich indes nicht gegen das Schießen der Krähen. Das sei laut Wildtiermanagement außerhalb der Brutzeit zulässig. 

Verboten allerdings ist nach Auffassung Münchs das Aufhängen toter Krähen, wie in Zusenhofen geschehen. Das Ordnungsamt im Kreis forderte er deshalb auf, dafür zu sorgen, dass die Kadaver abgehängt werden. »Das Ordnungsamt wird in dieser Angelegenheit mit dem zuständigen Jagdpächter Kontakt aufnehmen«, erklärt Kai Hockenjos, Sprecher des Landratsamts, auf Nachfrage der ARZ. Mitarbeiter des Amts würden jedoch nicht selbst aktiv. Denn: Das Aufhängen toter Rabenkrähen sei, anders als von Münch dargestellt, nicht ausdrücklich verboten. Nach Angaben der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg beziehe sich das Verbot des Aufhängens lediglich auf Saatkrähen, die nicht dem Jagdrecht unterliegen.

- Anzeige -

Auch wenn der Jagdpächter oder Landwirt, der die Kadaver am Rande eines Felds in Zusenhofen als Abschreckung aufstellte, damit keine Ordnungswidrigkeit begangen hat, sieht Hockenjos das Vorgehen kritisch. »Das möchten wir nicht«, erklärt er. Das Landratsamt Ortenaukreis rate von dieser Praxis ab. Es gebe keinerlei Belege dafür, dass die Kadaver abschreckend auf ihre lebenden Artgenossen wirken. »Die Vergrämung funktioniert üblicherweise über Abschüsse.« Dieser Ansicht ist auch Christoph Münch. Es sei schon seit Längerem bekannt, dass das früher häufig praktizierte Aufhängen der Kadaver »völlig sinnlos« sei, da »ein anhaltender Scheucheffekt nicht zu erwarten ist«. 

Abschuss genehmigt

Erst im März dieses Jahres hatten Landwirte aus dem Renchtal in einem Schreiben an die ARZ auf die Notwendig von Krähenabschüssen hingewiesen. Die üblichen Vergrämungsmethoden mit Flatterbändern, Greifvogelattrappen oder Vogelscheuchen hätten wegen der hohen Population längst ihre Wirkung verloren. Für den Abschuss der geschützten Saatkrähe erhielten im vergangenen Jahr 15 Betriebe in Oberkirch eine Ausnahmegenehmigung, sechs davon haben nach Auskunft des Landratsamts Saatkrähen tatsächlich auch abgeschossen.

Hintergrund

Vergrämung ist nicht von Dauer

Bereits im August 2011 wies das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in einer Antwort auf eine kleine Anfrage darauf hin, dass »Vergrämungsmaßnahmen gegen Krähen« nur eine kurze Wirkungsdauer haben. »Dies gilt für Attrappen, Schussanlagen und das Vertreiben durch Personen. Der Vergrämungsabschuss von zwei bis drei Krähen an einem Futterplatz besitze eine nachhaltigere Wirkung. 

Bisher habe jedoch keine Vergrämungsmaßnahme zu einem nachhaltigen Erfolg geführt. »Die intelligenten Vögel erkennen« laut einer Mitteilung des Regierungspräsidiums Karlsruhe »schnell, dass ihnen durch diese Maßnahmen keine wirkliche Gefahr droht. 

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
  • vor 19 Stunden
    Biberach
    Mit zwei Kandidaten tritt die Alternative für Deutschland (AfD) am 26. Mai bei den Gemeinderatswahlen in Biberach an.
  • 13.05.2019
    »Schöne Zeit« – der zeitlose Weingenuss
    Fruchtig, farbenfroh und voller Lebensfreude – so zeigt sich der neue »Schöne Zeit«-Weißwein der Durbacher WG. Der Name ist Programm und steht für zeitlosen Genuss für jedes Alter – aus dem Herzen des Durbachtals.
  • 09.05.2019
    Experten von Steinhof Fitness in Oberkirch beraten
    80 Prozent der Deutschen haben Rückenschmerzen - viele sogar chronisch. Ursache dafür ist in den allermeisten Fällen eine mangelnde oder falsche Bewegung. Die Experten von Steinhof Fitness in Oberkirch zeigen, wie Rückenschmerzen künftig der Vergangenheit angehören können - und beraten kostenlos.
  • 07.05.2019
    Mitgliederversammlung
    Es war eine geheime Abstimmung beim SV Berghaupten. Doch danach stand fest: Die Führungsmannschaft bleibt bis 2021 im Amt. Robert Harter wurde erneut die SVB-Präsidentenwürde zuteil.  

Weitere Artikel aus der Kategorie: Achern / Oberkirch

Projektleiter Martin Keller (STEG Stadtentwicklung GmbH) und Bürgermeister Uwe Gaiser unterzeichneten den Vertrag zur Sanierungsmaßnahme »Stadtkern II«.
vor 2 Stunden
Stadtsanierung Oppenau
Mit dem Vertragsabschluss zwischen der Stadt Oppenau und der STEG Stadtentwicklung GmbH aus Stuttgart fiel am Donnerstag der Startschuss für das Sanierungsprogramm »Stadtkern II«. Bis 2027 sollen private Sanierungsmaßnahmen in der Oberstadt und im Bereich zwischen Poststraße und Inselweg gefördert...
Am Sonntag werden auch im Raum Achern die Gemeinde- und Ortschaftsräte gewählt.
vor 5 Stunden
Kommunalwahl
Im Raum Achern sind am Sonntag genau 200 Stadt-, Gemeinde- und Ortschaftsräte zu wählen. Allein  in Achern sind es 26 Mandate für den Gemeinderat.
Sechs Listen, 109 Namen: Nathalie Bauer studiert den Stimmzettel für die Gemeinderatswahl in Oberkirch.
vor 5 Stunden
Kommunalwahlen 2019
Morgen, Sonntag, sind Kommunalwahlen in Baden-Württemberg. Die ARZ hat die Besonderheiten rund um die Wahl zusammengestellt – in einem Wahl-Abc.
Mit Plakaten und Musik demonstrierten gestern rund 300 Schüler auf dem Oberkircher Marktplatz für besseren Klimaschutz.
vor 7 Stunden
fridays for future in Oberkirch
Die »fridays for future«-Demonstrationen erreichten am Freitagmittag auch Oberkirch. Rund 300 Schüler demonstrierten auf dem Marktplatz und in der Innenstadt für besseren Umweltschutz und eine Änderung der Klimapolitik.
Vor dem Amtsgericht Achern ging es an mehreren Verhandlungstagen um Widerstand gegen Vollzugsbeamte.
vor 8 Stunden
Widerstand gegen Vollzugsbeamte
Beim fünften Gerichtstermin wurde gegen einen 44-jährigen Mann aus einer Umlandgemeinde das Urteil gesprochen, wobei Amtsrichter Thomas Röber ausführte, dass er bei 20 Tagessätzen zu 40 Euro  an der untersten Grenze  geblieben sei. 
vor 11 Stunden
Kehler Studenten analysierten Renchen
Studenten aus Kehl hielten am Montag einen Vortrag in der Sitzung des Renchener Gemeinderats. Ihr Thema: »Die nachhaltige Steuerung einer Kommune«.
Auf Hochtouren läuft der Radwegbau von Memprechtshofen – hier beim Ortseingang, wo auch eine Querungshilfe entsteht – nach Gamshurst.
vor 14 Stunden
Fünf Monate Bauzeit
Reger Baubetrieb herrscht derzeit an der Kreisstraße zwischen Memprechtshofen und Gamshurst, wo die Arbeiten zum neuen Radweg angelaufen sind. Danach geht es um die geplante Verbindung durch den Maiwald.
Die Gemeinden Kappelrodeck, Ottenhöfen und Lautenbach wollen beim Simmersbacher Kreuz auf dem Sohlberg einen Spielplatz anlegen. Von links: Gunia Wassmer, Geschäftsführerin der Renchtal Tourismus GmbH, Hans-Friedrich Huber, Saskia Bleich, Tourist-Information Achertal, und die Bürgermeister Stefan Hattenbach (Kappelrodeck), Thomas Krechtler (Lautenbach) und Hans-Jürgen Decker (Ottenhöfen).
vor 14 Stunden
Spielplatz am Hexensteig
Mit dem Bau eines Waldspielplatzes auf dem Sohlberg am Simmersbacher Kreuz starten die Gemeinden Lautenbach, Kappelrodeck und Ottenhöfen ein tälerübergreifendes Tourismusprojekt. Gleichzeitig soll der Spielplatz Knotenpunkt für die beiden aus dem Rench- und Achertal kommenden Hexensteige sein. 
Franz Alt referierte in Achern.
vor 19 Stunden
Viele Schüler tendieren zu »Grün«
 »Lust auf Zukunft?« Franz Alt stellt  mit seinem neuen Buch diese Frage und mahnt zugleich: »Es ist Zeit für die Wende!« 
Fast bei 90 Prozent lag die Wahlbeteiligung an der Heimschule Lender, als eine Juniorwahl stattfand und tendenziell viele Schüler »Grün« wählten.
vor 19 Stunden
Viele Schüler tendieren zu »Grün«
Dass von 21 Zehntklässlern bei der anstehenden Europawahl 15 Schüler die Grünen, zwei die FDP und der Rest »kleine Parteien« wählen würde, überraschte bei einer nicht repräsentativen Wahl kurz nach der Junior-Europawahl an der Heimschule Lender. 
vor 19 Stunden
Chef des Regionalverbands Südlicher Oberrhein zu Gast
In seiner noch vergleichsweise jungen Funktion als Verbandsdirektor des Regionalverbands Südlicher Oberrhein hat Christian Dusch am Mittwoch der Stadt Achern einen Antrittsbesuch abgestattet.   
Kappelrodecks Bürgermeister Stefan Hattenbach freut sich über das frisch verlegte Backbone am Ringelbacher Kreuz in Kappelrodeck-Waldulm.
vor 19 Stunden
Breitbandsausbau
Die Breitband Ortenau nutzt die aktuelle Baumaßnahme eines Energieversorgers, um das  ortenaukreisweite kommunale Backbonenetz voranzubringen.