Oberkirch

Trennung und Trauer belasten

Autor: 
Klaus Huber
Lesezeit 3 Minuten
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25. September 2018
Podiumsdiskussion in Oberkirch zum Thema »Eltern ohne Kinder – was hilft?«: (v. l.) Anke Endreß, Maria Kopf, Karin Jäckel, Raimund Müller und Ute Ruth Hausmann.

Podiumsdiskussion in Oberkirch zum Thema »Eltern ohne Kinder – was hilft?«: (v. l.) Anke Endreß, Maria Kopf, Karin Jäckel, Raimund Müller und Ute Ruth Hausmann. ©Klaus Huber

Eine kleine, interessierte Besucherschar folgte am Freitagabend der Einladung des Fördervereins der Mediathek und des Autorennetzwerks Oberkirch/Elsass mit deren Leiterin Karin Jäckel zur Podiumsdiskussion zum Thema: »Eltern ohne Kinder – was hilft?«

 Bei einer Podiumsdiskussion in der Mediathek Oberkirch ging es um das von hohen Emotionen geprägte Problem der unfreiwilligen Kinderlosigkeit sowie des Trauerns über Trennungen. »Es ist ein Tabu-Thema«, wie Karin Jäckel betonte. Betroffene würden oft aus Schmerz und Scham schweigen. Nichtbetroffene würden es als unangenehm meiden. Es sei wichtig, das Tabu zu brechen und zu zeigen, dass man als Betroffener nicht allein sei.

Gesprächspartner auf dem Podium um Karin Jäckel waren die Sozialpädagogin Anke Endreß vom Caritasverband Acher-Renchtal, die Hebamme und Trauerbegleiterin Maria Kopf vom Sasbacher Pallium Verein, der als Wetterfahnenmacher bekannte Autor und Mehrfachvater Raimund Müller aus Holzhausen sowie die Kappelrodecker Heilpraktikerin und Psychotherapeutin Ute Ruth Hausmann. Den musikalischen Rahmen  schuf die als Solo-Band auftretende Willstätter Liedermacherin Christiane Wiedemann-Mayer mit eigens für diesen Abend geschriebenen Songs.

Endreß umriss ihr Tätigkeitsfeld bei der Caritas von Schwangerschaftsberatung und Familienplanung bis zu Fragen der Sexualität und Problemen bei Verlust eines Kindes. Für Raimund Müller, geschieden und Vater von fünf Kindern, war von Anfang an klar gewesen: Eine Familie ohne Kinder hätte es für ihn nicht gegeben. Umso härter habe ihn die von der Kindesmutter durchgesetzte Trennung von den Kindern getroffen. Um sich den Trennungsschmerz von der Seele zu schreiben, verfasste er unter dem Pseudonym Michael Kornmahler einen autobiografischen Roman (Tankred de Bayeux). Beruhigend sei für ihn gewesen, dass nach 14 Jahren mit etlichen Schlammschlachten »alle Kinder wieder zu ihm zurückkamen«. 

Hausmann konnte die seelische Belastung eines Kindesverlustes durch Trennung der Eltern aus ihrer langjährigen Berufserfahrung bestätigen. Sie arbeitete mit dem Verein »Väter helfen Vätern« zusammen. Oftmals erschwere es den Besuch der eigenen Kinder, wenn Paare die eigenen Gefühle nicht von denen der Kinder trennen könnten oder wenn ein Elternteil mit den Kindern in einen weit entfernten Ort umziehe.

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Maria Kopf zeigte ihre vielfältige Erfahrung im Umgang mit Müttern auf, denen sie früher als Hebamme und nun als Trauerberaterin bestehen konnte. Wenn ein Kinderwunsch nicht umgesetzt werden könne, führe dies oft zu der Frage: »Warum habe ich ausgerechnet diesen Mann, diese Frau gewählt?« Dann müsse man sich bewusst machen, was man an diesem bestimmen Menschen liebe und dass dieser Mensch ja kein anderer werde, wenn man miteinander kinderlos bleibe.

Schwierig werde es, wenn auf eine Fehlgeburt der sofortige Wunsch nach einem neuen Kind folge. Sie rate in einem solchen Fall stets zum Abwarten, bis man die Trauer überwunden habe. Häufig komme es in einer solchen Situation zur Paarkrise. Ein Anliegen der Trauerberatung sei es, Frau und Mann getrennt zu beraten.

Grabanlagen wichtig

Grabanlagen für diese »Regenbogenkinder« seien besonders wichtig, so die Trauerberaterin, um den Eltern die Würde des Trauerns zu ermöglichen. 

Mit der Frage, wie man nach versagtem Kinderwunsch mit sich selbst und den enttäuschten Erwartungen umgeht, befasste sich Hausmann. Sie betonte, wie hilfreich es sein könne, sich auf die einem in die Wiege gelegten Gaben zu besinnen, die man bisher nicht ausgelebt habe. Es dauere lange, einen versagten Kinderwunsch zu überwinden, betonte Kopf, die zur seelischen Entlastung einen Berufswechsel ebenso empfahl wie Unternehmungen mit anderen. Man könne und dürfe auch ohne Kinder glücklich sein.

Stichwort

Trennung belastet Kinder

Probleme des Kinderverlusts durch elterliche Kindesentziehung bestimmten das Thema in einem zweiten Teil. Um die Trennungsfolgen für Kinder möglichst schonend zu gestalten, sei es wichtig zu erkennen, dass Kinder unter der elterlichen Trennung auch dann litten, wenn sie es nicht zeigten. Kopf zeigte auf, wie wichtig es sei, Kindern das Bewusstsein zu vermitteln, dass sie beide Elternteile lieben und mit ihnen zusammen sein wollen dürften, wenn die Eltern einander nicht mehr liebten. Nicht selten würden Kinder in die Rolle des Ersatzpartners gedrängt. Auch wagten viele Kinder nicht mehr, Kind zu sein oder zu zeigen, dass sie in Not seien. Dies mache Kinder seelisch krank und belaste sie. Maria Kopf und Anke Endreß beklagten das Fehlen von Therapieplätzen. Es dauere zu lange, bis Betroffene einen Termin bekämen.hu

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