Vor Gericht

Unfallbeteiligung an der Oppenauer Steige bleibt ungeklärt

Autor: 
Luca Keller
Lesezeit 4 Minuten
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23. Mai 2020

©Archivfoto

Ein 84-jähriger Autofahrer wurde vor dem Amtsgericht Oberkirch freigesprochen. Er soll an der Oppenauer Steige Auslöser für einen Unfall gewesen sein. Ein weiterer Prozess könnte noch folgen. 

Wegen des unerlaubten Entfernens vom Unfallort musste sich am Montag ein 84-jähriger Mann aus Stuttgart vor dem Oberkircher Amtsgericht verantworten.    Die Oppenauer Steige ist bekannt für ihre engen unübersichtlichen Kurven. In einer  scharfen Rechtskurve soll der 84-jährige Angeklagte im Mai letzten Jahres auf die entgegengesetzte  Fahrbahn geraten sein. Der entgegenkommende rumänische Fahrer eines BMW habe  daraufhin ausweichen und abbremsen müssen. In der Folge krachte ein anderes Auto  von hinten in den BMW. 

Der Angeklagte habe nur einen Knall vernommen und sei  einige Meter weiter stehengeblieben. Er sei zurück zur Kurve gelaufen, um  nachzusehen, was passiert sei. Da er davon überzeugt war, dass er nichts mit  dem Unfall zu tun gehabt habe, sei er kurze Zeit später weitergefahren.  Staatsanwältin Bähr legte dem Angeklagten zur Last, er habe sich vorsätzlich vom  Unfallort entfernt, da er der Verursacher des Unfalls gewesen sein soll. Laut Zeugen sei  der Angeklagte den anderen Verkehrsteilnehmern schon auf der Höhe des Oppenauer  Schwimmbads aufgefallen, da er die engen Kurven sehr weit ausgefahren habe. 

Ein 32-jähriger Verkehrsteilnehmer, der als Zeuge geladen war, habe geholfen, die Unfallstelle  abzusichern. Der Angeklagte sei, laut Zeugenaussage, kurz nach dem Auffahrunfall der  beteiligten Autos zur Unfallstelle gekommen, er könne sich jedoch nicht an das genaue  Gespräch mit dem Angeklagten erinnern. Dieser sei kurz darauf weitergefahren.

 
Auf Nachfrage eines  Sachverständigen gab der Zeuge an, der Angeklagte sei etwa eine Reifenbreite über  der Mitte der Fahrbahn durch die Kurve gefahren.  Als zweiter Zeuge sagte der 40-jährige rumänische Fahrer des BMW aus.  Mithilfe einer Dolmetscherin erklärte er, dass er aufgrund der Fahrweise des  Angeklagten gezwungen war, weit nach rechts auszuweichen und abzubremsen.  Daraufhin sei ihm das von hinten kommende Auto aufgefahren. Auch er gab an, den  Angeklagten daraufhin am Unfallort gesehen zu haben. Niemand habe sich jedoch mit  ihm unterhalten. Sein Schwager, der am Unfalltag auf dem Beifahrersitz saß, bestätigte  die Aussage und beide gaben an, der Angeklagte sei etwa mit dem halben Fahrzeug  auf ihrer Straßenseite um die Kurve gefahren.  

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Nur Schätzung

Der Sachverständige erläuterte, man könne die tatsächlichen Geschwindigkeiten der  Fahrzeuge nur schätzen. Messungen zufolge habe der Angeklagte die Fahrbahnmitte  um etwa 90 Zentimeter überfahren. Die Unfallursache sei nicht eindeutig nachweisbar,  da der Angeklagte zum Unfallzeitpunkt schon einige Meter weiter gewesen sei. Man  müsse davon ausgehen, dass der Auffahrende womöglich nicht genügend  Sicherheitsabstand eingehalten habe.   

In ihrem Plädoyer hielt die Staatsanwältin die Schuld des Angeklagten für  erwiesen und forderte, den Angeklagten zum Entzug der Fahrerlaubnis für acht Monate  und zu 50 Tagessätzen zu jeweils 50 Euro zu verurteilen. Der Rechtsanwalt des  Angeklagten bewertete die Forderung der Staatsanwaltschaft als abenteuerlich, da es  in diesem Prozess nicht um die Schuld des Angeklagten an der Unfallbeteiligung  ginge, sonder darum, ob der Angeklagte sich seiner Schuld bewusst gewesen sei und  sich vorsätzlich vom Unfallort entfernt habe.  

Richterin Burckhart berücksichtigte in ihrem Urteil die Ausführung des Rechtsanwalts.  Es könne nicht davon ausgegangen werden, dass der Angeklagte sich am Tag des  Unfalls seiner Schuld bewusst gewesen sei, da auch Zeugenaussagen belegen, dass er  sogar zurück zum Unfallort gekommen sei, um sich zu vergewissern. 
Zudem habe  keiner der Beteiligten den älteren Mann am Tattag auf seine mögliche Schuld am  Unfallgeschehen hingewiesen, weshalb der Angeklagte seine Fahrt fortsetzte. Somit  sprach Richterin Burckhart den Angeklagten frei. Ob der Angeklagte tatsächlich an der  Unfallursache beteiligt gewesen sei, müsse zivilrechtlich geklärt werden.

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