Amtsgericht Oberkirch

Unfallgegner streiten über Schuldfrage

Autor: 
Peter Meier
Lesezeit 3 Minuten
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11. September 2019

©Archivfoto: Patric König

Ein Verkehrsunfall auf der  B 28, in der Nähe des Kreisverkehrs, beschäftigt die Richter in zwei getrennten Verfahren. Dem Strafrichter gelang es nicht, die Schuldfrage zu klären.

Weil sie einen Unfall verursacht haben soll, erhielt eine Autofahrerin wegen dieser  Ordnungswidrigkeit einen Bußgeldbescheid über 35 Euro. Dagegen hatte sie Einspruch eingelegt. Zu  der Verhandlung war auch die Unfallgegnerin als Zeugin geladen. Die Darstellungen über die  Unfallursache waren unterschiedlich, so stand letztlich Aussage gegen Aussage. Da über den  Sachverhalt noch eine zivilrechtliche Auseinandersetzung ansteht, verzichtete Richter Bönnen auf ein  Urteil und stellte das Verfahren ohne Auflagen ein. Die wahrscheinlich recht umfangreiche  Beweisaufnahme wird im Zivilprozess erfolgen, wo über die Regelung der finanziellen Ansprüche der  Unfallgegner verhandelt wird. Die zum Unfallzeitpunkt 60 Jahre alte Frau ist als Arbeiterin beschäftigt und machte Angaben, wie sie  den Unfallhergang erlebt hatte. 

»Blitzartiger Schlag«

Auf der B 28 war sie kurz nach dem Kreisverkehr Oberkirch auf dem  Weg zur Arbeit, als sie bemerkte, dass ein anderes Auto ziemlich nah auf sie auffuhr, Sie selbst hatte  gerade angefangen einen Traktor zu überholen und war schon halb an diesem vorbei, als es plötzlich  einen »blitzartigen Schlag« gab. Daraufhin sei sie rechts rangefahren und den Schaden an ihrem Auto  betrachtet. Sie habe vor Beginn des Überholvorgangs geschaut, ob hinter ihr jemand auf der  Überholspur war und nichts bemerkt, erst nachdem sie den Blinker gesetzt hatte, habe sie mit dem  Überholen begonnen. 

Auf mehrfache Rückfragen von Richter und Staatsanwalt blieb sie dabei, dass sie  auch nach dem Blinken noch einmal zurückschaute und beim Blick über die Schulter nichts bemerkt habe.  

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Nachdem sie vorher bemerkt hatte, dass ein anderes Auto dicht auffuhr, hätte sie damit rechnen  können, dass dieses Fahrzeug auch überholen will, hielt ihr Richter Bönnen vor. Sie habe nachdem sie  rechts am Fahrbahnrand angehalten hatte, mit einer Zeugin gesprochen, die den  Unfallhergang von hinten mitbekommen hatte. Diese habe auch die Polizei gerufen. Sie habe diese  Zeugin später angeschrieben, damit sie aussagen könne, leider habe sie nicht darauf geantwortet. 

Eine ganz andere Erinnerung hatte die Unfallgegnerin, die als Zeugin gehört wurde. Sie habe das  Fahrzeug der Angeklagten überholt, als diese plötzlich ausscherte und seitlich in ihren Pkw hineinfuhr,  beteuerte sie. 

Dabei habe die Angeklagte weder geblinkt noch sonst irgendwie er kennen lassen, dass  sie überholen will. Auf die Frage, ob andere Verkehrsteilnehmer den Ablauf des Unfalls mitbekommen konnten, betonte sie, dass weder vor noch hinter den direkt Beteiligten weitere Fahrzeuge in der Nähe  waren. 

Die Polizei habe ihr Mann als Beifahrer per Handy gerufen, nachdem sie nach dem Unfall am  Fahrbahnrand angehalten hatte. Demgegenüber bestand die Angeklagte darauf, dass ihr Zeuge, der in  seinem Auto von hinten das Unfallgeschehen beobachten konnte, den Anruf bei der Polizei getätigt  hatte.  

Angesichts dieser unterschiedlichen Darstellung verwies der Verteidiger der Angeklagten darauf, dass  die Schuldfrage für diesen Unfall in einer zivilrechtlichen Auseinandersetzung geklärt wird. Da ein  Verschulden seiner Mandantin nicht nachgewiesen ist, sollte auf das Bußgeld verzichtet werden. So  sah es auch Richter Bönnen, der das Strafverfahren ohne Auflage einstellte, die Gerichtskosten fallen  der Staatskasse zur Last.

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