Heimspiel Wissenschaft

Unsichtbares wird in Oppenauer Atelier sichtbar gemacht

Katharina Reich
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21. Juni 2024
Moderator Philipp Schrögel sprach mit Andreas Haungs und Tim Otto Roth über die unsichtbare Natur in Forschung und Kunst.⇒ Foto: Katharina Reich

Moderator Philipp Schrögel sprach mit Andreas Haungs und Tim Otto Roth über die unsichtbare Natur in Forschung und Kunst.⇒ Foto: Katharina Reich ©Katharina Reich

„Heimspiel Wissenschaft“ im Atelier des Künstlers Tim Otto Roth brachte den Zuhörern die Forschung des Astroteilchenphysikers Andreas Haungs und des Wissenschaftskünstlers Roth näher.

Während sich die deutsche Nationalmannschaft am Mittwochabend in die Herzen der Fußballfans spielte, fand in Oppenau ein weiteres Heimspiel statt. Die Veranstaltung „Heimspiel Wissenschaft“ im Atelier des Künstlers Tim Otto Roth brachte den Zuhörern die Forschung des Astroteilchenphysikers Andreas Haungs und die des Wissenschaftskünstlers Roth näher.

„Das Runde muss ins Eckige“. Während sich der Fußballsport in nur einem Satz zusammenfassen lässt, war das Heimspiel Wissenschaft intellektuell deutlich anspruchsvoller. Spannend war das Zusammenspiel von Roth und Haungs aber nicht minder. Die Reihe „Heimspiel Wissenschaft“ der Universität Heidelberg bringt Wissenschaft in den Ländlichen Raum, indem sie Wissenschaftler in deren Heimatdorf von ihrer Arbeit berichten lässt oder, wie in diesem Fall, den Wissenschaftler auf den heimischen Künstler treffen lässt. Andreas Haungs erklärte dem Publikum zunächst sein Forschungsgebiet als Astroteilchenphysiker am Karlsruher Institut für Technologie KIT.

Haungs erforscht kosmische Strahlung. Diese besteht aus Atomkernen, die beim Aufeinandertreffen mit den Atomen der Erdatmosphäre Sekundärteilchen erzeugen und als Teilchenschauer auf die Erde treffen. Haungs erforscht mit unterschiedlich großen Detektorfelder zunächst in Karlsruhe, dann in Argentinien und aktuell im Eis des Südpols, aus welcher Richtung die Teilchen kommen und aus welchen Atomen sie stammen könnten. Damit widmet sich der Physiker einem Stück unsichtbarer Natur.

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Und genau hier wird es für den Konzeptkünstler Tim Otto Roth interessant. Schon mehrfach hat er die Forschung Haungs künstlerisch verarbeitet und die kosmischen Teilchen durch seine Kunst sicht- und hörbar gemacht. Auf dem Versuchsfeld in Karlsruhe hat Roth 2009 16 Lichtskulpturen installiert, die dann aufleuchteten, wenn kosmische Strahlung von den Detektoren gemessen wurde. Diese künstlerische Art der Wissenschaftskommunikation sei in der Wissenschaftsszene auf Resonanz getroffen und habe Einladungen zu anderen Forschungsprojekten nach sich gezogen, erzählte Tim Otto Roth.

Mit der Illumination der Treppenhäuser des Gebäudes der SV Sparkassen-Versicherung in Stuttgart hat der Künstler 2016 erneut kosmische Strahlung künstlerisch erlebbar gemacht. Die rot erleuchteten Treppenhäuser wurden durch weiße Lichtblitze durchzuckt, wenn die auf dem Dach des Gebäudes installierten Detektoren kosmische Strahlung messen konnten. Das dritte Projekt in Zusammenarbeit mit Andreas Haungs bezieht sich auf dessen Forschung am Südpol, wo die tief im Eis liegenden Detektoren Neutrinos messen. Die Forschung im „Ice Cube“ hat Tim Otto Roth nicht nur visuell, sondern auch in Tönen verarbeitet – gleich einer „natürlichen Partitur“. Die 444 farbig leuchtenden Lautsprecher werden von den Daten gespeist und wandeln diese in farbiges Licht und Töne um.

Die Astroteilchenphysik und die Kunst des Oppenauers haben etwas weiteres gemeinsam. Sie lassen sich nicht im Vorbeigehen mal eben verstehen, sondern sind erklärungsbedürftig. Lässt man sich aber auf diese Erklärungen ein, so wird Physik wie Kunst auch für den Laien spannend. So war das „Heimspiel Wissenschaft“ auch ein „Heimspiel Kunst“. Die Spieler haben nicht nur durch ihr schönes Zuspiel überzeugt, sie haben auch getroffen. Tor für Kunst und Wissenschaft.

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