Alternative wäre Granulat aus Kork

Verzicht auf Mikroplastik für Bühler Kunstrasen?

Autor: 
Holger Siebnich
Lesezeit 3 Minuten
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25. Juni 2019
Der Hartplatz im Hägenich in Bühl soll einem Kunstrasenplatz weichen. Die Stadtverwaltung schlägt zwei Varianten vor.

Der Hartplatz im Hägenich in Bühl soll einem Kunstrasenplatz weichen. Die Stadtverwaltung schlägt zwei Varianten vor. ©Bernhard Margull

Auf einem Kunstrasenplatz liegen in der Regel tonnenweise Plastikkügelchen herum. Das Granulat dämpft den Untergrund und sorgt dafür, dass der Ball nicht chaotisch hin und her springt. Allerdings plant die EU im Kampf gegen Mikroplastik ein Verbot des Einstreus. Bei der Stadt Bühl ist das Thema brandaktuell. 

Am morgigen Mittwoch soll der Bühler Gemeinderat den Auftrag für den Bau eines Kunstrasenplatzes im Hägenich vergeben. Zur Diskussion stehen aufgrund der aktuellen Entwicklung nun zwei Varianten. Wolfgang Eller, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung, Bauen, Immobilien, hat sich intensiv mit dem Thema beschäftigt. Die Situation ist für die Verwaltung schwierig. Noch ist unklar, welche Granulate genau von einem Verbot, das ab 2022 eingeführt werden soll, betroffen wären. Mit Übergangsfristen für bestehende Anlagen ist zu rechnen.

Geld aus Stuttgart

Sicher ist aber, dass für das voraussichtlich 461 000 Euro teure Projekt im Hägenich Fördergelder fließen werden. 120 000 Euro sind aus Stuttgart zugesagt. Die grün-schwarze Landesregierung hatte bereits Anfang Juni beschlossen, keine Zuschüsse mehr für die Plastikteilchen zu gewähren. Das Bühler Vorhaben betrifft das laut Eller nicht: »Das haben wir extra abgeklärt.«

Dem Gemeinderat sollen morgen zwei Granulat-Varianten präsentiert werden. Zum einen ein Spezialgemisch, das sich aus nachwachsenden Rohstoffen, aber zu 20 Prozent auch aus Kunststoff zusammensetzt, zum anderen Kork. Bei den Kosten und den Spieleigenschaften gibt es laut Eller keinen Unterschied. 

Ein Nachteil des Naturstoffs Kork könnte daran liegen, dass er bei Regen leichter aufschwemmt. Auch Schimmelbildung könnte ein Thema sein. Grundsätzlich gebe es mit Kork weniger Praxiserfahrungen, sagt Eller.

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Bei beiden Varianten soll eine Rinne rund ums Spielfeld gezogen werden, in der das Granulat bei Regen herausgefiltert wird. Die Teilchen können wieder auf dem Platz ausgebracht werden und geraten nicht ins Grundwasser.

Später nicht tauschen

Ob die Kunststoffmischung vom EU-Verbot betroffen wäre, weiß bislang niemand. Sie jetzt beim Bau auszubringen und gegebenenfalls später durch Kork zu ersetzen, wäre laut Eller nicht praktikabel. »Das sind 40 Tonnen Material«, macht er die Dimensionen deutlich.

Mit der Entscheidung noch zu warten, bis mehr Details bekannt sind, kann sich die Stadt auch nicht leisten. Der Bau soll in den Sommerferien über die Bühne gehen, damit der Platz Verein und Schulen zur Verfügung steht.

Eller selbst will dem Gemeinderat keine Empfehlung aussprechen. CDU-Stadtrat und VfB-Verwaltungsvorsitzender Bernd Bross sieht Vorteile bei der Kunststoffvariante. Er hegt leichte Bedenken, ob der Platz mit Kork bei jedem Wetter bespielbar wäre – ein entscheidender Punkt gerade für einen Kunstrasenplatz. Bross betont, dass die neuen Granulate mit geringerem Kunststoffanteil nichts mehr zu tun hätten mit alten Gemischen, die zum Großteil aus geschredderten Autoreifen bestanden: »So etwas kam für uns nie in Frage.«

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