Acherner Pfarrer legt Priesteramt nieder

Weggefährten von Matthias Fallert üben Kritik am Zölibat

Autor: 
Michaela Gabriel
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
22. August 2016
Überaus beliebt war der frühere Acherner Stadtpfarrer Matthias Fallert, der wieder viele Menschen zum Kirchgang motiviert hatte.

Überaus beliebt war der frühere Acherner Stadtpfarrer Matthias Fallert, der wieder viele Menschen zum Kirchgang motiviert hatte. ©Archivfoto: Michaela Gabriel

Für Überraschung sorgte die jüngst bekannt gewordene Entscheidung des früheren Acherner Stadtpfarrers, Matthias Fallert, aus dem Priesteramt auszuscheiden. Seine früheren Weggefärten zeigen aber durchweg Verständnis für diesen Schritt. Kritik gibt es an der Kirche.

»Schade für die Kirche, dass sie an überlebten Strukturen festhält. Schade für die Menschen, die einen charismatischen Priester verlieren«, so die Reaktion einer Oberachernerin auf die Nachricht, dass Matthias Fallert nach seinem Jahr in Bolivien aus dem Priesteramt ausscheidet (wir berichteten gestern). 

Volle Kirchen

Während seiner Zeit in der Seelsorgeeinheit Achern von 2007 bis 2015 hatte er neue Gottesdienstformen eingeführt, Glaubenskurse veranstaltet und bekannte christlicher Liedermacher eingeladen. Volle Kirchen und spirituell neu inspirierte und engagierte Katholiken waren der Erfolg.

»Unvergessen ist die Ausstrahlungskraft, mit der Matthias Fallert als Seelsorger den Menschen seine Glaubensüberzeugung vermittelte. Unsere Kirche braucht solche Menschen mit Charisma und Kreativität, unabhängig in welcher Funktion auch immer.« Diese Stellungnahme schickte die Vorsitzende des Pfarrgemeinderates der Seelsorgeeinheit Achern, Regine Schwall-Geier, aus dem Urlaub. Es sei jetzt »an uns, ihm diese Zuversicht und Unterstützung zurück zu geben.«

»Ich kann mir vorstellen, dass er weiter für die Kirche arbeitet. Er ist ein wertvoller Mensch, ein toller Prediger und Seelsorger«, spricht Bernd Müller, stellvertretender Vorsitzender des Pfarrgemeinderates, eine Hoffnung aus. Er sei kurz vor der Bekanntgabe des Entschlusses per Mail von Matthias Fallert informiert worden und habe vorher seit Langem keinen Kontakt gehabt. Dass Matthias Fallert dieses Jahr gebraucht habe, um Klarheit zu bekommen, dafür habe er vollstes Verständnis. Auch dafür, dass er sich in dieser Zeit nicht  bei seiner ehemaligen Gemeinde gemeldet habe.

Ein herber Verlust

- Anzeige -

Der Grund für sein Ausscheiden aus dem Priesteramt habe ihn überrascht, so Bernd Müller. Dass Fallert mit den kirchlichen Strukturen gekämpft hat, den Eindruck habe er gehabt. Aber dass die Ehelosigkeit für ihn das entscheidende Problem gewesen sei, habe er trotz enger Zusammenarbeit nicht wahrgenommen.  Dass der Zölibat für Priester freiwillig wird, das wäre aus Müllers Sicht der richtige Weg. Veränderungen anzumahnen und so an der katholischen Kirche zu arbeiten, das wünsche er sich von den Gläubigen.

»Der Rückzug von Matthias Fallert aus dem Priesteramt mag wie ein Paukenschlag wirken und bringt für die Römische Kirche nach dem Rückzug von Dekan Edgar Eisele nun erneut die Frage nach dem Zölibat, der biblisch nicht begründet ist, in der Römischen Tradition jedoch einen wohl unüberwindbar hohen Stellenwert genießt. Ob sich jemals daran rütteln lässt?«, so nimmt Acherns evangelischer Pfarrer Hans-Gerd Krabbe Stellung. Die Entscheidung bedeute für die Römische Kirche einen herben Verlust. 

Matthias Fallert, mit dem sie und ihr Mann in der Ökumene in Achern gerne zusammengearbeitet haben, sei ein engagierter und theologisch versierter Kollege, ergänzt Pfarrerin Renate Müller-Krabbe. Sie wünsche sich, dass er eine Aufgabe findet, in der er sein theologisches Wissen und sein seelsorgerliches Können auch in Zukunft einbringen kann. »Die katholische Kirche muss sich gut überlegen, wie sie in Zukunft ihre Priester halten und neue gewinnen kann«, ergänzt sie noch.

Mutig und verständlich

»Schade, dass durch das Zölibat die Berufung zum Hirten und Familie nicht vereinbar sind«, meint auch Matthias Czepl, Pastor der freikirchlichen Josua-Christengemeinde aus Achern. Die Kirche verliere einen fähigen Priester. Er wünsche Matthias Fallert, dass er weiterhin ein Segen für Christen und Nichtchristen sein kann.

»Er ist für mich einer der Menschen, die ich immer bewundert habe«, bekennt Roland Fischer, Gemeinderat in Fallerts Heimatort Sasbachwalden. Der Schritt, aus dem Priesteramt auszuscheiden, sei mutig und verständlich.

Fallert habe ihn und seine Frau getraut und dafür sei er ihm ewig dankbar. Ob Matthias Fallert nun selbst eine Partnerin gefunden hat und heiraten will – diese Frage bleibt vorerst genauso offen wie sein derzeitiger Aufenthalts- oder sein künftiger Wirkungsort.

Stichwort

»Schmerzliche Erfahrung«

»Das Ausscheiden von Matthias Fallert aus dem priesterlichen Dienst bedaure ich persönlich sehr und es ist eine schmerzliche Erfahrung, wenn wieder einer aus unseren Reihen der sehr beliebten und charismatischen Priester aus dem Dienst ausscheidet«, kommentiert Dekan Georg Schmitt aus Kappelrodeck die Nachricht vom Wochenende. Er schätze Matthias Fallert als Mensch und Priester sehr. Mit großartigem Engagement und Ideenreichtum habe er die Menschen in der Seelsorgeeinheit Achern und im Dekanat Achern angesprochen und auf Glaubens- und Lebenswegen mitgenommen: »Wir hätten seinen priesterlichen Dienst weiterhin sehr gut gebrauchen können.«

Mehr zum Thema

Weitere Artikel aus der Kategorie: Achern / Oberkirch

Zustimmung für den Vorstoß für eine Stadthalle im alten Kirchenraum der Illenau (von links): Stadträtin Jutta Römer (ABL), die vier Initiatoren Jörg Sandhacker (Architekt), Jürgen Franck vom Illenau Forum und die CDU-Stadträte Karl Früh und Bernhard Keller sowie Gebhard Glaser (Freie Wähler) und OB Klaus Muttach.
Vorstoß von vier Bürgern
vor 4 Stunden
Die Stadt Achern muss sich überlegen, ob sie eine Stadthalle bauen will. Eine Entscheidungshilfe brachten jetzt vier Bürger vor: Sie wollen den letzten noch unsanierten Teil der Illenau, den alten Kirchenraum über dem Festsaal, wie ein Rangtheater zum Veranstaltungssaal mit etwa 450 Plätzen...
Seit Dauerparker dort Parkgebühren bezahlen müssen, ist der Postparkplatz in Oberkirch nur noch spärlich belegt.
Oberkircher Bahnhofsareal
vor 7 Stunden
Eigentlich wollte die Stadt beim Umbau des Bahnhofsgeländes ein Parkdeck errichten. Ob es so kommt, erscheint inzwischen fraglich – weil der Standort offenbar einen entscheidenden Nachteil hat.
Die Bürgermeister Reinhard Schmälzle (links) und Hans Jürgen Decker erhoffen sich von der Installation der Verkehrszählgeräte Aufschluss über die Entwicklung der Verkehrsbelastung in Seebach und Ottenhöfen.
Verkehrszählgeräte gekauft
vor 9 Stunden
Vor dem Hintergrund der Mautpflicht auf den Bundesstraßen ab dem 1. Juli haben die Gemeinden Ottenhöfen und Seebach nun jeweils ein Verkehrszählgerät für je 3830 Euro angeschafft. Damit sollen die Auswirkungen innerhalb der beiden Gemeinden im Bereich der Landstraße 87 festzustellen.
Oppenau/Allerheiligen
vor 10 Stunden
Ein 23-jähriger Motorradfahrer ist am Dienstagnachmittag bei Oppenau-Allerheiligen von der Fahrbahn abgekommen und etwa 20 Meter tief einen Hang hinab gestürzt. Für die Bergung des schwer verletzten Mannes musste die Straße komplett gesperrt werden.
Die erste Baufreigabe kam am Montag, darüber freuten sich die Macher der Anima-Tierwelt (von links): Eckhard Wiesenthal, Maria Wruck, Davina Schmitz, Rainer Wohlfahrt, Bettina Mutschler und Bürgermeisterin Sonja Schuchter.
Infoabend
vor 10 Stunden
Beeindruckt waren die Sasbachwaldener beim Infoabend am Montag im Kurhaus von den Planungen für die Anima-Tierwelt am Breitenbrunnen. Und beruhigt waren sie auch: Vier Jahre nach der ersten Bürgerinformation kann jetzt die Umsetzung beginnen. 
Freuen sich über die Auszeichnung als Deutschlands fahrradfreundlichste Schule: die Mitglieder der Mountainbike-AG der Realschule Oberkirch mit ihren Trainern Johannes Baßler, Christian Huber und Axel Hauser sowie Rektor Werner Franz.
Lehrer erkennen Nachholbedarf beim Radfahren
vor 13 Stunden
Sicher fahrradfahren – das können heute nicht mehr alle Kinder. Schon das einhändige Fahren beim Abbiegen bereitet vielen Mühe. Die Realschule Oberkirch will das ändern: Für alle Fünftklässler steht Radsport auf dem Stundenplan. Jetzt ist die RSO in Willingen als fahrradfreundlichste Schule...
Oppenau
vor 16 Stunden
Ein schwer verletzter Motoradfahrer, ein leicht verletzter Autofahrer und ein Gesamtschaden von rund 10.000 Euro sind die Bilanz eines Verkehrsunfalles am Montag auf der L92.
Ende 2022 sollen die dieselbetriebenen Ortenau-S-Bahnen, wie hier an der Oberacherner Haltestelle, im Depot bleiben. Sie werden durch klimafreundliche Züge ersetzt.
Verzicht auf Dieselantrieb
vor 16 Stunden
Eine große Innovation im Schienenverkehr bahnt sich an: Statt der heutigen Regio-Shuttles mit Dieselantrieb sollen auf der Achertalbahn Ende 2022 wasserstoff- oder batteriebetriebene Züge rollen. Die Ortenau wird Pilot-Region des Landes für klimafreundliche Technologien im Bahnverkehr.
Feierlich nahmen Bürgermeister Michael Welsche und der Rheinauer Jugendgemeinderat – im Bild vorn mit Sprecherin Lea Seifried – das Kleinspielfeld am Friedrich-Stephan-Stadion in Betrieb. Anschließend wurde es bei einem Turnier getestet.
Einweihung
vor 19 Stunden
Mit einem Festakt und Jugendhobbyturnier wurde am Samstag das neue Kleinspielfeld am Friedrich-Stephan-Stadion eröffnet. Bürgermeister Welsche appellierte an die Jugendlichen, den Platz zu nutzen und auf ihn aufzupassen.
Zum »Leben im All startete der von Michael Seufert geleitete Unterstufenchor beim Konzert des Anne-Frank-Gymnasiums in der Graf-Reinhard-Halle.
Schulkonzert in "Bische"
vor 21 Stunden
Ein beeindruckendes Sommerkonzert präsentierte am Mittwoch das Anne-Frank-Gymnasium in der vollbesetzten Graf-Reinhard-Halle.   
Nichts zu jubeln gab es am Sonntagabend beim Public Viewing im Linxer Erlenpark, als die Mexikaner in der ersten Halbzeit mit 1:0 in Führung gingen und mit diesem Stand auch das Spiel gewannen.
Public Viewing in Linx
vor 21 Stunden
Rund 500 lange Gesichter verließen am Sonntagabend das »Erlenpark-Stadion« bei Weber-Haus: Nach dem Auftaktspiel der deutschen Nationalelf bei der Fußball-WM gegen Mexiko gab es für die Fans nichts zu jubeln.
Der Gospelchor Heaven’s Gate gab zusammen mit einem Projektchor in Sasbachwalden in der Heiligen Dreifaltigkeit Kirche ein mitreißendes Konzert.
Gospelchor sang mit »Verstärkung«
vor 21 Stunden
Es war ein Projekt und es ist geglückt. Das Ergebnis erlebten die Besucher bei einem mitreißenden Konzert in Sasbachwalden