Oppenau

Vom Heim in ein Zuhause

Autor: 
Nikolas Sohn
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
24. August 2014

(Bild 1/3) Elisabeth Huber wohnt bei Silvia Markstahler. Eingefädelt hat diese besondere Art der Betreuung Heike Schaal, Geschäftsführerin von der Firma Herbstzeit (von links). ©Nikolas Sohn

Pflegeheim oder Gastfamilie? »Herbstzeit«, gemeinnütziges Unternehmen, bringt pflegebedürftige Senioren bei Privatleuten unter. Wie zwei ältere Damen bei Silvia und Claus Markstahler in Oppenau wohnen, hat die ARZ bei einem Besuch erfahren.

Hedwig kaut, so als würde sie essen und dreht dabei den Kopf mal nach links mal nach rechts, als Claus Markstahler über ihre Wange streicht. Die 86-Jährige bekäme kaum noch etwas mit von ihrer Umgebung, sagt er. Singt ihr jemand etwas vor, lächelt die alte Frau manchmal. Bei Familie Markstahler in Oppenau hat sie vor vier Jahren eine neue Unterkunft gefunden. Vermittelt hatte dies der Offenburger Fachdienst »Herbstzeit«, der alte und pflegebedürftige Menschen in Gastfamilien unterbringt.

Die Seniorin leidet an Demenz im Endstadium. »Hedwig ist auf mich fixiert«, sagt der 62-Jährige. Die Pflege der alten Frau war für ihre Angehörigen nicht zu stemmen, ein Altenheim kam nicht in Frage. Davor haben Silvia und Claus Markstahler zu Hause psychisch Kranke betreut, aber auch Familienangehörige, viele Jahre lang. »Meine Schwiegermutter hat bis zu ihrem Tod bei uns gewohnt«, sagt die 62-Jährige.

Elisabeth Huber lebt seit zwei Jahren bei den Markstahlers. Die 89-Jährige wirkt noch recht rüstig, wenn sie von ihrem Einzug vor gut zwei Jahren erzählt: Betriebsrat sei sie gewesen, in einem Oberkircher Betrieb. Der Grund für den Umzug: Im Pflegeheim habe es ihr nicht so gut gefallen, erzählt die Bottenauerin. Ihre Töchter hätten sie daher über »Herbstzeit« in einer Gastfamilie unterbringen wollen, nachdem ihnen eklatante Mängel im Heim aufgefallen seien.

- Anzeige -

»Wir machen zusammen Gesellschaftsspiele und unternehmen Spaziergänge.« Im Alltag bringt sich die Seniorin ein, schält Kartoffeln fürs Mittagessen oder geht ihrer Passion, dem Umgang mit Nadel und Faden, nach. Stolz präsentiert die gelernte Näherin ihre Topflappen. »Wenn sie sich beschäftigen kann, fühlt sie sich wohl«, sagt die Gastgeberin.

Die Motivation, von früh bis abends für die alten Frauen da zu sein, ist so simpel wie bemerkenswert: »Wir wollen Schwächeren helfen. Sie haben hier ein etwas besseres Leben. Weil sie es verdient haben.« Frühstück, Mittagessen, die ärztlich verordnete Medikamente verteilen und Windeln wechseln bilden nur einen Teil der täglichen Pflichten. Mit zunehmendem Alter hätte das Ehepaar sich auf die Pflege und Betreuung von älteren Menschen verlegt, sagt die 62-Jährige.

Heike Schaal, Chefin des 2008 gegründeten gemeinnützigen Herbstzeitunternehmens, legt Wert auf ein harmonisches Verhältnis zwischen Gastfamilie und Senioren. Vorab gibt es ein Kennenlerngespräch. »Das Probewohnen dauert etwa zwei Wochen.« Bei den beiden Frauen waren es keine zehn Tage, bis alle Parteien ja sagten. »Als Bedingung musste Frau Huber viele Volkslieder auswendig lernen«, witzelt Claus Markstahler. Schaals Engagement endet nicht mit Vertragsabschluss. »Wir sind dauernder Ansprechpartner, wenn es Probleme geben sollte.« Probleme im Alltag oder bei Unterstützung in Ämterfragen. Diejenigen, die Pflegebedürftige bei sich aufnehmen, hätten zumeist schon Erfahrung. »Die machen das einfach gerne.« Und freiwillig. 28 Tage Urlaub sind dabei angedacht. Dann springen andere Gastfamilien ein. Wie lange die Seniorinnen bei Markstahlers wohnen bleiben können? »Bis sie sterben«, sagt das Ehepaar fast unisono.

www.herbstzeit-bwf.de

Hintergrund

Herbstzeit

Gastfamilien bekommen je nach Pflegestufen Leistungen von 860 Euro (Pflegestufe 0) bis 1500 Euro (Pflegestufe 3). Auf Bewohner kommen Kosten von 1400 Euro (Pflegegeld bereits verrechnet) zu. Bei Bedarf kann beim Sozialhilfeträger eine Kostenübernahme beantragt werden. Infos • 07 81 / 1 27 86 51 00.soh

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
  • 18.04.2019
    Ab Samstag
    In Kehl startet am Samstag wieder der beliebte Ostermarkt. Bis zum 28. April warten auf Besucher dort zahlreiche Attraktionen und ein vielfältiges Programm.
  • 17.04.2019
    500 Quadratmeter Fläche
    Der Obi Markt in Offenburg hat seine neue 500 Quadratmeter große »BBQ & Grillwelt« eröffnet – und ist damit die Top-Adresse für Grill-Fans. Kunden erwartet ein konkurrenzlos großes Angebot an Grills und Zubehör von Top-Marken. In den kommenden Wochen gibt es dazu ein sehenswertes Showprogramm.
  • 08.04.2019
    Was ist wichtig bei der Planung der perfekten Traumküche? Hier sind die 10 wichtigsten Fragen und Antworten!
  • 01.04.2019
    Lahr
    Wer auf der Suche nach einem Suzuki-Neuwagen oder einem Gebrauchten ist und gleichzeitig eine vertrauensvolle, persönliche Beratung möchte, dem kann geholfen werden: Das Suzuki-Autohaus Baral in Lahr ist genau die richtige Adresse für jegliches Anliegen rund um Suzuki. 

Weitere Artikel aus der Kategorie: Achern / Oberkirch

Bereits vor einem Jahr überzeugten sich (von links) OB Matthias Braun, Fachbereichsleiter Frank Niegeloh und Ödsbachs Ortsvorsteher Karl Gieringer von der Möglichkeit, Tempo 30 auf der Alm auszuweisen.
vor 4 Stunden
Auf der Alm kommt Tempo 30
Mit dem einstimmigen Beschluss des Ortschaftsrates Ödsbach, den oberen Bereich der Straße Alm durchgehend bis zum Anwesen Fensterbau Spinner zur Tempo-30-Zone zu erklären, wurde am Dienstagabend in der Sitzung des Ortschaftsrates der Schlussstrich unter eine jahrelange Diskussion gezogen.  ...
Der Glasfaserausbau in den Acherner Gewerbegebieten ist weit vorangeschritten.
vor 4 Stunden
Schnelle Anschlüsse ab Ende Mai
Das Telekommunikationsunternehmen Vodafone hat die Stadt Achern über den Fortschritt beim Ausbau des Glasfasernetzes in den Gewerbegebieten der Stadt Achern informiert. Es sieht gut aus. 
Die beiden Teile der Halterung können an verschiedenen Möbelstücken angebracht werden.
vor 7 Stunden
Entwickelt von Thomas Reininger
Der Fautenbacher Thomas Reininger hat Halterungen für Gehhilfen entworfen und patentieren lassen. Er sieht dafür vor allem in Arztpraxen und im häuslichen Bereich, aber auch in öffentlichen Einrichtungen einen Bedarf. Ob er damit Erfolg hat?
Wollen die Notfalldose unter die Leute bringen (von links): Viktor Weber, Geschäftsführer der Rohan-Apotheken, Apotheker und DRK-Mitglied Wolfgang Leppert, DRK-Vorsitzender Christoph Lipps und Klaus Hurst, Seniorenbeauftragter des DRK Oberkirch.
vor 10 Stunden
Lebensretter aus der Dose
Informationen können Leben retten. Die grün-weiße Rettungsdose liefert solche lebensrettende Informationen. Platziert im Kühlschrank, ist sie für den Notarzt einfach aufzufinden. Rohan’s Burg-Apotheke verkauft die Notfalldosen zum Selbstkostenpreis und spendet den Erlös an den DRK Ortsverein.
Kay Aßmus führt in Holzhausen einen Biolegehennen-Stall mit 12 000 Tieren.
vor 16 Stunden
Kay Aßmus hat den Schritt gewagt
Im Biolegehennen-Stall von Kay Aßmus zwischen Holzhausen und Linx/Hohbühn an der K 5317 leben seit dem 20. Oktober 2018 die angekündigten 12 000 Hühner. Die Nachfrage nach Bio-Eiern steigt – nicht nur zu Ostern.
Kirchturmdenken ade: In der Erzdiözese Freiburg soll es bald nur noch 40 Großpfarreien geben.
vor 16 Stunden
»Eine neue Gestalt der Kirche«
Auf die katholischen Kirchengemeinden in Baden kommen große Veränderungen zu. Das legt jedenfalls das Reformkonzept »Pastoral 2030« der Erzdiözese nahe. Viele Renchtäler Christen hat das Papier erst einmal geschockt. 
vor 21 Stunden
Exkursion des Renchener Agenda-Kreises »Landwirtschaft – Natur – Umwelt«
»Gewässer« standen beim Agenda-Arbeitskreis »Landwirtschaft – Natur – Umwelt« in den vergangenen Monaten im Vordergrund – vom Gewässerlehrpfad bis zur Veranstaltung »Lebensraum Rench«. Abschluss war eine Exkursion entlang von Rench und Flutkanal bis zur Mündung in den Rhein.
vor 21 Stunden
»Heiße Sohle« feiert den 40. Geburstag
Sein 40-jähriges Bestehen feiert der Rock’n’Roll-Club »Heiße Sohle« in diesem Jahr. Deshalb waren zur Jahreshauptversammlung auch einige Gründungsmitglieder gekommen, den weitesten Weg hatte Ulrike Holzhauer aus Rosenheim auf sich genommen, so die Vorsitzende Karin Siefermann.
Die Dorfplatzgestaltung stand im Mittelpunkt der Ortschaftsratssitzung in Wagshurst. Nun soll ein neuer Planentwurf entwickelt werden.
vor 21 Stunden
Parkplätze müssen sein
Der Dorfplatz in Wagshurst soll auch ausreichend Parkplätzen vorhalten. Der Ortschaftsrat nahm am Mittwoch Vorschläge von Bürgern auf. Ortsvorsteher Ulrich Berger wird die Ideen an die Planerin weitergeben.
Die neuen Poller könnten Farbe in die Fußgängerzone bringen, zumindest dann, wenn sie so gestaltet werden wie dieser Gegenstand in Lindau am Bodensee.
vor 21 Stunden
ARZ-Geflüster
Wie lassen sich Autofahrer am Durchfahren der Oberkircher Fußgängerzone hindern? Und welche Wellen schlägt die Standortsuch für ein neues Großklinikum in Achern und Appenweier? 
vor 21 Stunden
De Pankraz-Kolumne
Was der Pankraz da in der ARZ gelesen hat, wird er so schnell nicht vergessen. Es geht um die bei Griesheim ausgebüchste Kuh.
vor 21 Stunden
Treffsicherer Fischerverein dominiert Stadtmeisterschaften
An 13 Tagen wurden auf der Anlage des  Sportschützenvereins Renchen die Luftgewehr-Stadtmeisterschaften der örtlichen Vereine ausgetragen. 25 Herren-, zehn Damen- und zwei Jugendteams mit 150 Einzelschützen waren aktiv. Den Schlusspunkt setzte am Freitag im Schützenhaus die Siegerehrung.