Im Sternen-Hotel Hohritt

Von der Gestapo gesuchter Priester fand hier Unterschlupf

Autor: 
Roland Spether
Lesezeit 3 Minuten
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23. Januar 2021
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Der französische Priester Bruno Hausherr, den die Gestapo suchte, fand Unterschlupf im Privathaus „Klein Hohritt“ . ©Repro: Roland Spether

Mutige Gastgeber: Im Dritten Reich versteckten Paula und Adolf Huber vom Sternen-Wirtshaus Hohritt zwei Jahre lang den von der Gestapo gesuchten französischen Priester Bruno Hausherr.

Wer von der Kanzel aus gegen die Nazis predigte und öffentlich Widerstand leistete, musste damit rechnen, dass er schnell mundtot gemacht wird. Das war Pfarrer Bruno Hausherr klar, als er im Elsass und im Sommer 1943 in Sasbachwalden als Ferienvertretung für den Ortspfarrer Gottesdienste feierte und mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hielt. 

Zwei Jahre versteckt

Nur so ist es zu verstehen, dass ihn die Gestapo seit 1941 im Visier hatte und 1942 für mehrere Monate ins Gefängnis warf. Dass er dann 1943 nach der Flucht aus einem Arbeitslager in Böhmen den Nazis entkam, war einem Polizisten zu verdanken, der ihm den heißen Tipp gab, so wie einer Familie, die ihn in ihrem Haus versteckte. Es waren dies Paula und Adolf Huber, Erbauer und Inhaber der renommierten Gaststätte Hohritt, die nur wenige Meter davon entfernt ein Privathaus hatten. 

Ihr Gast war Priester und Mitglied der Gemeinschaft „Société des Missions Africaines“, zu der auch Joseph Jean-Marie Gass (1912 bis 2003) gehörte. Dieser schrieb ein Buch über 92 bedeutende Mitbrüder, darunter Bruno Hausherr, der in seinem Versteck auf der Hohritt nicht entdeckt wurde und den Krieg überlebte. 

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Eigenes Leben riskiert

„Es waren Monate der ewigen Angst. Er war in Gefahr, entdeckt zu werden, und sein Leben stand auf dem Spiel“, so Gass. Über Familie Huber schreibt er: „Die Menschen, die ihn aufnahmen, wussten auch, dass sie damit ihr Leben aufs Spiel setzten. Diese deutsche Familie, antinazistisch und gut katholisch, hatte gesagt: Für einen französischen katholischen Priester opfern wir bereitwillig unser Leben. Großzügig und mutig nahmen sie das Risiko auf sich.“ 

Der frühere Pfarrer von Sasbachwalden, Wilfried Serr, gab Erich Fischer Seiten aus dem Buch über die Afrika-Missionare und Hausherr. Dieser wurde 1912 in Eguisheim im Elsass geboren und 1935 in Lyon zum Priester geweiht. „Er opferte seine Sorge für die Verbreitung des Evangeliums Jesu unter den Völkern Afrikas, denen er sein Leben widmen wollte“, so Gass. 

Doch der Krieg machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Ganze Dörfer im Elsass mussten geräumt und ins Innere Frankreichs verlegt werden, Hausherr wurde am 20. Januar 1943 mit Personen aus Marange-Silvange nach Saaz in ein Arbeitslager deportiert. Im April 1943 gelang ihm die Flucht. 

Er ging zuerst ins Elsass und dann nach Sasbachwalden, wo er den Krieg überlebte. Als dann die französische Besatzungsmacht nach Parteimitgliedern suchte und die Entnazifizierung anging, wurde auch Adolf Huber in Bühl eingesperrt. Seine Frau nahm nach Auskunft von Wilfried Serr sofort Kontakt mit Hausherr auf, der in Bühl anrief und von seinen Lebensrettern berichtete. Noch am gleichen Tag kam Adolf Huber frei, so Pfarrer Serr, der lange Kontakt zur Schwester von Pfarrer Bruno Hausherr hatte.

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