Altes Hadwerk in Freistett

Von der Korbflechterei bis zum Tabakanbau

Autor: 
Alexander Schütt
Lesezeit 3 Minuten
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24. Juni 2020

Karl Schott betrieb vor dem Ersten Weltkrieg eine Korbflechterei im Freistetter Unterdorf. ©Unbekannt

Von der Korbflechterei über die Ziegel- bis hin zur Zigarrenindustrie – in Freistett gab es einst Industriezweige, an die heute historische Fotos oder Namen erinnern.

Die Korbmacherindustrie war viele Jahre ein eigener Industriezweig im Hanauerland. Zur Zeit des Ersten Weltkrieges wurden Geschosskörbe für Granaten gefertigt, aber auch Körbe für Kinderwiegen sowie für Obst und Wäsche. Der reichhaltige Bestand an Wieden im Rheinvorland und entlang der Wasserläufe lieferte die biegsamen und elastischen Weidenruten für die Herstellung der Korbwaren. Daher stellten viele Bauern ihre Körbe selbst her. 

Die Nachfrage war sehr groß, so dass sich in Helmlingen und Honau Korbwarenfabrikationen entwickelten. Diese stellten hauptsächlich Körbe für die Landwirtschaft her, ferner die Oberteile von Kinder-und Puppenwagen sowie das der im Hanauerland gebräuchlichen „Futterchaise“. 

Altes Handwerk

Im Freistetter Unterdorf, in der Mühlenstraße 12, wohnte einst der Korbmachermeister Karl Schott, der aus den Wieden in den Rheinauen Körbe flochte. Seine Frau war die „Ise-Karla“. Das Ehepaar hatte zwei Kinder. Schott verstand sich auf das grobe Korbflechter-Handwerk, erinnert sich der historisch bewanderte Bernd Keck aus Freistett. 

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In Helmlingen gründete die Firma Ludwig aus Grauelsbaum in den 1890er Jahren eine Filiale, die etwa 25 Personen beschäftigte. Die Fabrikation war im „Dörrschopf“, heute noch „Dörrhüs“ (Hanfdörre) genannt, angesiedelt. Diese Filiale bestand bis Ende 1945. 

In Honau begann Fritz Ludwig etwa um 1907 mit der Herstellung von Korbwaren. Er beschäftigte acht Personen, in Kriegszeiten durch die Heeresaufträge entsprechend mehr. Da er selbst im Ersten Weltkrieg gefallen war, führte seine Frau bis 1922 den Betrieb bis zu dessen Stilllegung weiter. Das Weidengeflecht wurde jährlich geschnitten; wartete man länger, wurde das Material zu starr. Das Ernten und Schneiden der Weiden in Bahnen führte zu Flurnamen wie Großbahnwörthel und Hinterwörthel, beides Bezeichnungen für Baugebiete im heutigen Freistetter Industriegebiet. 

In Vergessenheit geraten

Ein weiterer Industriezweig, der heutzutage nahezu in Vergessenheit geraten ist, ist die Ziegelfertigung. Vor Ort gewonnener Lehm war der Grundstoff dafür. Die meisten Beschäftigten eines traditionellen Handwerks, das heute keine Rolle mehr spielt, arbeiteten indes in der Zigarrenindustrie mit Sitz im heutigen Gasthaus Roter Ochsen. Mit Schwerpunkt im nördlichen Hanauerland gab es betriebe in Freistett und Neufreistett sowie in Helmlingen, Honau und Linx. Zur Durchsetzung der Interessen der Zigarrenarbeiter schlossen sich 1913 Beschäftigte aus Freistett und Neufreistet dem Deutschen Tabakarbeiterverband an. Die erste Zigarrenfabriken entstand in Freistett und Neufreistett – so um 1890 die von August Huth.

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