Auftakt zur neuen Serie: Renchtal 2030

Was 2030 anders sein wird

Autor: 
Franziska Jäger
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
29. Mai 2015
Mehr zum Thema
2030 wird es mehr Ältere und weniger Junge geben. Nicht nur Tourismus und Wirtschaft müssen dann gewappnet sein.

(Bild 1/2) 2030 wird es mehr Ältere und weniger Junge geben. Nicht nur Tourismus und Wirtschaft müssen dann gewappnet sein. ©Grafik: Christian Schellenberger

Deutschland altert. Auch Oberkirch und das Renchtal. In einer mehrteiligen Serie untersucht die Acher-Rench-Zeitung, wie sich das Renchtal auf den Wandel einstellt. Auf einer interaktiven Karte sehen Sie, wie sich die Gemeinden im gesamten Ortenaukreis entwickeln werden.

Alle wollen älter werden, aber niemand will alt sein. Warum eigentlich? Weil wir die Falten in unserem einst glatten, rosigen Gesicht nicht aushalten? Weil wir Angst haben, das schöne, das aktive Leben könnte nun ganz schnell vorbei sein? Oder weil wir uns als hochbetagter Mensch aus der Gesellschaft ausgeschlossen fühlen? »Das Alter hat einen negativen Touch«, sagt  Demografieexperte Jens Stecher aus Offenburg. »Deshalb schweigt man sich noch zu sehr über dieses Thema aus«.

Fakt ist: Wir werden immer älter. Der medizinische Fortschritt und eine gesunde Lebensweise haben unser Durchschnittalter in den vergangenen Jahrzehnten steigen lassen. Gleichzeitig gibt es immer weniger junge Menschen. Seit fast vier Jahrzehnten kann Baden-Württemberg seinen Bevölkerungsbestand nur dank Zuwanderung halten. Heute bleibt etwa ein Viertel der Frauen kinderlos – und nicht einmal jede sechste Frau hat drei oder mehr Kinder.

Im Jahr 2000 gab es erstmals mehr über 60-Jährige im Land als unter 20-Jährige, wie eine Anfrage der Acher-Rench-Zeitung beim Statistischen Landesamt Baden-Württemberg (StaLa BW) ergab. Und es wird prognostiziert, dass bis zum Jahr 2030 die Zahl der Einwohner in Baden-Württemberg um 3,5 Prozent zurückgehen wird. 

»Der demografische Wandel wird eine der wichtigsten Herausforderungen in der Zukunft«, warnt Carmina Brenner, Präsidentin des Statistischen Landesamtes. So ist in letzter Zeit wieder viel von »schwindsüchtigen« Einwohnerzahlen, »demografisch gefährdeten Gebieten« oder »Vergreisung« bei den Einwohnern zu hören, wenn von ländlichen Gebieten die Rede ist.

Dabei erfasst der Wandel nicht alle Regionen Deutschlands in gleichem Ausmaß. Die ostdeutschen Bundesländer sind besonders stark betroffen, weil viele Menschen nach der Wiedervereinigung abgewandert sind. Und doch ist es ein bundesweiter Trend: die ansteigende Lebenserwartung. Ein Blick auf die Bevölkerung im Ortenaukreis: Hier leben laut StLa BW heute 417 000 Menschen.

- Anzeige -

Das sind immerhin 152 000 mehr als im Jahr 1950. Damals waren es noch rund 265 000 Einwohner. Damit ist die Bevölkerung in 60 Jahren um rund 58 Prozent gewachsen. Doch Prognosen zeigen: Der Ortenaukreis wird bis zum Jahr 2030 rund drei Prozent weniger Einwohner haben als heute. Das Durchschnittsalter dürfte dann bei 46,4 Jahren liegen, etwas höher als der Landesdurchschnitt (45,6 Jahre). Auch 2013 war die Bevölkerung in der Ortenau älter (43,6 Jahre gegenüber landesweit 43,2 Jahre).

Rentner zurück zur Arbeit
Eine ältere Bevölkerung lebt anders. Das müssen die Länder und Gemeinden wissen, wenn es um »Wohnen«, »lebenslanges Lernen«, »Gesundheitsvorsorge« und »Vereinbarkeit von Familie und Beruf« geht. Denn die größte Herausforderung ist die Alterung der Gesellschaft, nicht, ob die Zahl der Einwohner etwas zu- oder abnimmt.

Das sieht auch Jens Stecher so. In den vergangenen Jahren hat er Kommunen, kleine und mittelständische Unternehmen im Ortenaukreis zum demografischen Wandel beraten. »Die Rente mit 63 nach 45 Versicherungsjahren wird nachfolgende Generationen belasten«, glaubt er. »Was helfen würde, wäre die Erhöhung der Erwerbsbeteiligung Älterer. Unternehmen holen bereits ihre Rentner zurück.«

Verwaiste Werkshallen, zuwachsende Täler mit verfallenen Geisterstädten und  geschlossene Schulen – ganz so dramatisch ist es laut Stecher in der Ortenau noch nicht. »Offenburg brummt und Oberkirch ist auch noch stark, aber im hinteren Renchtal könnte es problematisch werden.«

Vereine bangen um ihre Existenz, Feuerwehren um ihre Mitglieder.  Auch müsse man jungen Menschen Angebote machen, alte, leer stehende Häuser zu beziehen. Was zum großen Problem wird, ist für Stecher klar: die Barrierefreiheit. »Rentner bleiben in ihrer Wohnung, weil der Gang durch die Straßen zu mühsam wird.« Und auch der junge Bauherr müsse frühzeitig daran denken, sein Haus barrierefrei zu bauen.

Mehr zum Thema

Weitere Artikel aus der Kategorie: Achern / Oberkirch

vor 5 Stunden
Nach dem Tod von Patrik Schneider
Die Fassungslosigkeit in Achern über den plötzlichen Tod von SPD-Ortsvereinschef und Stadtrat Patrik Schneider ist weiterhin groß – besonders natürlich bei der Acherner SPD.
vor 7 Stunden
Kanalarbeiten
Ein Mischwasserkanal in der Renchener Straße muss auf Höhe der Ausfahrt Nordring aufgrund seines veralteten Zustands ausgetauscht und aufdimensioniert werden.
vor 19 Stunden
Bad Peterstal-Griesbach
Peterstaler wird offizieller Wasserpartner des Deutschen Leichtathletik-Verbands. Der Mineralbrunnen kann mit TV-Werbebanden und anderen Werbemitteln bundesweit auf sich aufmerksam machen.
24.02.2020
Oberkirch
In Klein-Basel brechen königliche Zeiten an. Tobias Berger King hat den Pfauenthron bestiegen und als erstes ein „Kleinbaslerisches Einbürgerungsgesetz“ erlassen, damit jeder Bürger automatisch steuerpflichtiges Mitglied des Hofstaats wird, der sich länger als eine Stunde an einem Ort aufhält.  
24.02.2020
Narrenverein Houmock
Tanz-, Show- und Comedyeinlagen: Der Wagshurster Narrenverein Houmock versetzte die Maiwaldhalle mit seiner Prunksitzung in einen närrischen Ausnahmezustand. McCormick-Oldtimer-Fan Franz Huber nahm nicht nur das Land, sondern auch das Achertal aufs Korn.
23.02.2020
Umzug in Kappelrodeck
Närrisch-gut wie eh und je war am Sonntag der Fasnachtsumzug in Kappelrodeck. Was die Akteure der Narrenzunft 1811 den Tausenden Schaulustigen boten, war aller Achtung wert.
23.02.2020
Patrik Schneider
Völlig überraschend ist am Freitag Patrik Schneider gerade einmal 59-jährig aus dem Leben geschieden. Die soziale Gerechtigkeit war stets das große Thema des Acherner SPD-Vorsitzenden und Stadtrats. Engagiert war der Theologe und Gewerkschafter aber längst nicht nur auf politischer Ebene.  
23.02.2020
Oberkirch
Dieses Mal stand mit dem ehemaligen Oberkircher Ulrich Hund ein Pfarrer vor dem gefürchtesten Gericht Oberkirchs. Der Geistliche, derzeit wohnhaft und beruflich in Markdorf am Bodensee tätig, hatte keine Chance vor dem Narrengericht und wurde verurteilt.  
23.02.2020
Investor hat Wort gehalten
Rajeev Singh hat Wort gehalten: Der Kanadier hat im Achertal 190 Arbeitsplätze gerettet. Im September übernahm er die insvolvente Papierwerke Lenk AG in Kappelrodeck. Seit etwa fünf Monaten firmiert der Spezialpapierhersteller als Lenk Paper GmbH und setzt seine Arbeit an beiden großen...
23.02.2020
Renchen-Ulm
Im Hinblick auf notwendige Vorberatungen zur Gemeinderatssitzung Anfang März trat der Ortschaftsrat in Renchen-Ulm am Fasnachtsfreitag zu einer Sitzung zusammen. Trotz des ungewöhnlichen Zeitpunkts war das Gremium komplett, und auch knapp zehn interessierte Bürger hatten sich eingefunden.  
23.02.2020
Renchen-Ulm
Im Hinblick auf notwendige Vorberatungen zur Gemeinderatssitzung Anfang März trat der Ortschaftsrat in Renchen-Ulm am Fasnachtsfreitag zu einer Sitzung zusammen. Trotz des ungewöhnlichen Zeitpunkts war das Gremium komplett, und auch knapp zehn interessierte Bürger hatten sich eingefunden.  
23.02.2020
Renchen-Ulm
Im Hinblick auf notwendige Vorberatungen zur Gemeinderatssitzung Anfang März trat der Ortschaftsrat in Renchen-Ulm am Fasnachtsfreitag zu einer Sitzung zusammen. Trotz des ungewöhnlichen Zeitpunkts war das Gremium komplett, und auch knapp zehn interessierte Bürger hatten sich eingefunden.  

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Paaaaaarty! Kehl Marketing lädt auf den Fasentssamstag zum Gammlerball in die Stadthalle ein.
    14.02.2020
    Feiern, tanzen, Freunde treffen
    In Kehl bleibt es beim närrischen „Gammeln“ am Fasentssamstag – die Terminverschiebung vom Schmutzigen auf den Fasentssamstag vergangenes Jahr hat sich bewährt: Diesmal steigt die Riesenfete am 22. Februar. Saalöffnung ist um 19 Uhr. 
  • 14.02.2020
    Achern
    Kaminöfen spenden nicht nur wohltuende Wärme, sondern verwandeln das Wohnzimmer auch in einen gemütlichen und romantischen Ort. Bei Süd-West-Kachelofenbau in Achern wird der Kunde vom ersten Treffen bis zur Fertigstellung des Traumofens bestens betreut. 
  • Hauskauf ist Vertrauenssache: Mit einem guten Makler kommen nicht nur Familien in die eigenen vier Wände.
    11.02.2020
    Mit dem Makler auf der sicheren Seite
    Standort, Zustand, reelle Bewertung, Verkaufsstrategie, Expose, Verkaufsverhandlung und Notartermin – auch wenn der Markt für gebrauche Immobilien seit Jahren enorm in Bewegung ist, die Preise auch hier klettern, kann es fatal sein, die „Entscheidung des Lebens“ selbst in die Hand nehmen zu wollen...
  •  Der Freizeitpark "Funny World" in Kappel-Grafenhausen ist mit mehr als 50 Attraktionen ein ideales Ausflugsziel für groß und klein.
    07.02.2020
    Spiel, Spaß, Abenteuer in Kappel-Grafenhausen
    Der In- & Outdoor-Familienpark in Kappel-Grafenhausen wartet auch in diesem Jahr mit neuen Attraktionen, Workshops und vielen weiteren Aktivitäten für die gesamte Familie auf. Im Funny World können Kinder und Eltern ganzjährig einen Tag voller Spiel, Spaß und Abenteuer erleben.